45 weise in irgend einem Grade einen Parteistandpunkt, eine politische Tendenz mit sich verbinde, wodurch die objek tive Wissenschaftlichkeit entweder ganz ausgeschlossen, oder doch in hohem Grade beeinträchtigt werde. Denn die Verdrängung entgegenstehender Ansichten, Beseitigung entsprechender Einrichtungen müsse das Ziel der Arbeit und des Denkens sein. Mit diesem praktisch-politischen Ziele verknüpfe sich unwillkürlich ein Parteistandpunkt mit seinen notwendigen Folgen unter welchen die Ein seitigkeit noch die mindestschlimme sei. Nicht mit allen Ausführungen, die Carl Dietzel in seinem zitierten Aufsatze macht, möchte ich mich einverstanden erklären, doch die eben mitgeteilten Grundansichten dieses Gelehrten ent sprechen ganz meiner Meinung. Es ist ganz richtig, daß der Wille nur zu leicht den Intellekt beherrscht, die Folge ist, daß man dann, wenn man Taten will, mit Notwendigkeit den eigentlichen Zweck der Wissenschaft, die reine Erkenntnis außer acht läßt. Statt die Kämpfenden aus der Ferne zu beobachten und unbefangen über ihr Können und Wollen zu urteilen, mengt man sich selbst unter sie und hört dann nur noch den einen Schlachtruf „Vorwärts“. Man „will“. Hinder nisse sieht man nicht, und wer sich den tapferen Kämpfern mit nörgelndem Verstände in den Weg stellt, wird bald empfinden, wieviel stärker das Wollen ist als das Denken. Eine oft erprobte Wahrheit liegt in dem Sprich- worte: „Was man will, glaubt man gern“. C. J. Fuchs meinte einmal gelegentlich 1 ) „daß die größten sozialen Reformen in der Weise zustande gekom men sind, daß zuerst gehandelt wurde, dann die Wissen- 1) Kritische Blätter 1907 S. 280.