46 Schaft das Pro- und Kontra untersuchte. Allerdings waren die Reformen oft dadurch verursacht und unterstützt, daß Männer der Wissenschaft energisch für sie eintraten“. Wäre das richtig, so würde darin ein beachtenswerter Grund zu suchen sein, warum die Volkswirtschaftslehre als Wissenschaft trotz des in gewaltigen Massen zusammen getragenen induktiven Materials so wenig weiter gekommen ist. Die Gefahr ist ja kaum zu vermeiden, daß derjenige, der zunächst energisch mitgeholfen hat, um einen Reform plan durchzuführen, nachher nicht mehr unbefangen genug ist, um das, was doch zum Teil sein Werk ist, zu prüfen und unter Umständen zu verurteilen. Der Intellekt und das, was Schmoller die „produktive Phantasie“ nennt, werden sich nur als unterwürfige Diener des Willens zeigen. Der politische Instinkt wird immer stärker sein als der Trieb zur wissenschaftlichen Erkenntnis. Hier hat wieder C. Dietzel vollkommen recht: „Ist der Mensch von den Bedürfnissen, welche sein Erkenntnis drang hervorgerufen haben, erfüllt und beherrscht, so wird er den reinen Erkenntniszweck mehr oder weniger aus dem Auge verlieren, seine ganze Tätigkeit vielmehr darnach richten, aus der Beschäftigung mit dem Gegenstände die Erkenntnis der Mittel zu gewinnen, welche zur Befriedi gung des Bedürfnisses führen können“. Anstatt der wissenschaftlichen Erkenntnis erzeuge eine solche Geistes tätigkeit entweder nur Ratschläge und Anweisungen zu praktischen Handlungen, oder sie strebe wenigstens die Erkenntnis sofort, noch ehe sie eigentlich gewonnen sei, für das praktische Leben nutzbar zu machen. „Im ersteren Falle entsteht gar nichts, was den Namen Wissenschaft verdient, im zweiten nur eine teilweise Wissenschaft lichkeit und Erkenntnis, indem diese durch die Rücksicht