54 Programme vereidigen ließen. Nach der Richtung hin, ist also gar nichts gewonnen; verloren aber viel, weil durch die scheinbar unlösbare Verbindung der Wissenschaft und der Politik die Autorität der Wissenschaft außerordentlich gelitten hat zu ihrem eigenen Schaden und zum Schaden der Politik selbst. Für die „wissenschaftlichen Politiker“, sagen wir einmal — „extrem ster Richtung“, leistet natürlich die Nationalökonomie auch heute noch nicht genug in der politischen Rezeptierkunst. So verkündet Dr. G. Ruh- LAND: „Die sozialen Mißstände sind längst chronisch geworden. Die unheilvollen volkswirtschaftlichen Verschiebungen schreiten unaufhaltsam weiter. Das ist die naturgemäße Folge einer überwiegend historischen unpraktischen Richtung in der Nationalökonomie ....“ Vgl. Privat beleidigungsprozeß Ruhland contra Biermer, 1909 S. 36. Fast möchte ich sagen, mit erschreckender Deutlich keit zeigt ein erheblicher Teil unserer heutigen wirtschafts politischen und sozialpolitischen Literatur, nicht selten auch da, wo sie in wissenschaftlichem Gewände auftritt, wie nach teilig eine enge Verknüpfung der Wissenschaft mit der Politik die wissenschaftliche Arbeit beeinflußt. Auch hier liegt es mir wieder aus persönlichen und sachlichen Gründen nahe, auf die Art und Weise hinzu weisen, wie die Boden- und Wohnungsfrage in unserer Literatur behandelt wurde. Für einen großen Teil der sehr zahlreichen Abhand lungen und Schriften zu dieser Frage paßt ein überaus charakteristisches Selbstbekenntnis, dasMANGOLDT in seinen umfangreichen Werke: „Die städtische Bodenfrage, eine Untersuchung über Tatsachen, Ursachen und Abhilfe“ (1907) niedergelegt hat: „Indeß wollen wir frei ge stehen, daß wir getreu unserer Rolle hier mehr Staatsanwalt als Richter zu sein, auf die Samm lung und Darstellung der entl astenden Momente