61 Welches sind denn, genauer betrachtet, die prak tischen Aufgaben, die die Volkswirtschaftslehre als, Wissenschaft zu lösen hat? „Der Gebrauch der undifferenzierten Kollektiv-Begriffe, mit denen die Sprache des Alltags arbeitet, ist stets Deck mantel von Unklarheiten des Denkens und Wollens, oft genug das Werkzeug bedenklicher Erschleichungen, immer aber ein Mittel, die Entwicklung der richtigen Problem stellung zu hemmen l ).“ In diesem durchaus zutreffenden Urteile Max Webers ist ein Fingerzeig gegeben für eine außerordentlich wichtige Aufgabe, die die Wissenschaft für die Praxis zu lösen hat: Herausbildung klarer Be griffe. In vortrefflicher Weise zeigt Max Weber, wie ver derblich falsche, oder mehrdeutige Begriffe für praktische wirtschafts- und sozialpolitische Erörterungen werden können. Die von ihm angeführten Beispiele ließen sich nach den verschiedensten Richtungen hin beliebig ver mehren. Ich will mich wieder darauf beschränken, die Boden- und Wohnungsfrage als Exempel heran zu ziehen. Eine ganze Generation hindurch treten Männer der Wissen schaft energisch ein für Reformen auf dem Gebiete des Wohnungswesens, zahllos sind die Schriften, die über den Gegenstand geschrieben wurden, und da sie von sozial ökonomischen Gelehrten verfaßt waren oder doch von ihren Lehren ausgingen, hielt man diese Bücher und Abhand- (1909) in meiner Replik „Boden und Wohnung“ etwas näher ausge führt. — Einige recht derbe, aber darum nicht unrichtige Bemerkungen betreffend „überschwängliche und verlogene Proteste gegen den Nützlich keitsgesichtspunkt einerseits und Betrachtung der Wissenschaften als ge meine Krämerware anderseits“ findet man bei Dühring, Logik und Wissenschaftstheorie 2. Aufl. 1905 S. 402 ff. 1) Archiv Bd. XIX S. 85.