64 zu lassen, die aber umsomehr ihren engen Tätigkeitskreis überschauen und daher über Einzelheiten Bescheid wissen, die unter Umständen zu Ecksteinen des Gebäudes werden müssen. Diese Erwägungen, die im einzelnen noch weiter ausgeführt werden könnten, rechtfertigen es doch, daß man an die Verwirklichung des Ideals glaubt, das Roscher vorschwebte, wonach die Volkswirtschaftslehre „im Gewoge der Tagesmeinungen zur festen Insel wissenschaftlicher Wahrheit werden soll“ 1 ). Es wäre noch die Frage zu berühren, ob der Lehrer der sozialwirtschaftlichen Wissenschaft überhaupt nicht „Wirtschafts-Politik“ zu „lehren“ habe. Daß das, was in den Lehrbüchern und in den Vor lesungsverzeichnissen „Volkswirtschafts-Politik“ genannt wird, einen Teil der Volkswirtschaftslehre ausmacht, recht fertigt sich durchaus, sofern diese Volkswirtschafts-Politik sich darauf beschränkt, von wirtschaftlichen Gesichts punkten aus, das Seinsollen, die wirtschafts-politischen Po- stulate und Programme zu analysieren, zu erklären. Es ist natürlich auch darüber hinaus dem einzelnen Volkswirt schaftslehrer unbenommen, seinerseits oberste Grundsätze des sozialen Seinsollens für das wirtschaftliche Handeln aufzustellen, Rezepte auszuarbeiten, wie die Normen seiner „Wirtschafts-Ethik“ in die Tat umgesetzt werden sollen; aber — ich hege kein Bedenken, einen bereits früher ausgesprochenen Gedanken hier nochmals zu wieder holen — es ist unbedingt notwendig, daß er sich darüber klar bleibt, daß er nie seinen Glauben als sozialökono- 1) Vgl. dazu Diehl a. a. O. S. 113, der dieses Ideal „unerreichbar“ nennt, nicht ganz im Einklang, wie mir scheint, mit seinen übrigen Aus führungen.