68 ♦ statt nun das wirtschaftliche Seinsollen zu messen mit dem Maßstabe des wirtschaftlichen Seins, macht man es umgekehrt, man will das „wirtschaftliche Sein“ kritisieren auf Grund einer Vorstellung vom Seinsollen, die man aus Illusionen schöpft, die fern von aller wissenschaft lichen Erkenntnis entstanden sind. Daß die Praxis sich dagegen auflehnt, ist durchaus in der Ordnung! Die Schlußfolgerung ist hier dieselbe, wie im vorigen Abschnitt: die Wirtschaftswissenschaft als solche hat keine wirtschaftspolitischen Ideale aufzustellen. Trotzdem und gerade dann wird die Volkswirtschafts lehre als reine Wissenschaft der Praxis nicht minder von Nutzen sein, als der Politik. Daß gerade für den Kauf mann, den Industriellen, eine auf verständigen wirtschaft lichen Erwägungen fußende Wirtschaftspolitik von ent scheidender Bedeutung ist, wäre hier vorab zu buchen. An dieser Gesetzgebung muß auch die geschäftliche Praxis mitwirken; sie muß sich Gehör verschaffen, aber gerade ihr gegenüber ist man besonders leicht geneigt, ihre viel leicht außerordentlich wichtige Einzelerkenntnis als Inter essentenweisheit unbeachet zu lassen, wenn sie es nicht versteht, das Einzelne in den großen Zusammenhang hin einzubringen. Das wird ohne die Hilfe der sozial-ökonomi schen Wissenschaft kaum möglich sein — hier liegt, um das nebenbei zu bemerken, der entscheidende praktische Wert des volkswirtschaftlichen Unterrichts an den Handelshoch schulen. Nicht mit Unrecht hat man auch darauf hingewiesen, daß die Volkswirtschaftslehre der geschäftlichen Praxis unter Umständen sogar direkt recht brauchbare Führer dienste leisten kann: daß sie den Geschäftsmann inner halb gewisser Grenzen in den Stand setzen kann, die zu