69 künftige Entwicklung einzelner wirtschaftlicher Faktoren unter dem Einflüsse bestimmter Umstände mit ziemlicher Sicherheit vorauszusehen, daß sie ihm wertvolle Finger zeige geben kann in bezug auf das Verhalten gegenüber seinen Arbeitern usw. *) Ja auch das ist richtig, daß „jede Beurteilung tatsächlicher Preisverhältnisse, nicht minder auch jede praktische Erwägung über die voraussichtliche Gestaltung der wahren Preise in der Zukunft gewisser maßen durch ein allgemeines theoretisches Urteil hindurch gehen muß“ 2 ). Daß die Volkswirtschaftslehre den Wirtschaftspraktikern nicht ferne liegen kann, darauf weist ja schon die lange Reihe glänzender Namen von Männern hin, die von der Praxis ausgingen, um dann in unserer Wissenschaft Her vorragendes zu leisten; Ricardo allen anderen voran. Ähnliches wird man schließen dürfen aus dem überraschen den Eifer und dem großen Verständnis, mit dem gerade intelligente junge Kaufleute, die aus der Praxis kommen, um an unseren Handels-Hochschulen zu studieren, Probleme der Volkswirtschaftslehre anfassen. Gewiß wird der Gegensatz zwischen Theorie und Praxis stets bleiben, weil der Gegensatz zwischen den Wünschen der Interessenten und den Lehren der Wissen schaft nie ausgeglichen werden kann. Auch dann, wenn die deutsche sozialökonomische Wissenschaft sich von den Illusionen abwendet und sich ganz dem unbefangenen Studium der realen wirtschaftlichen Verhältnisse widmet, 1) Vgl. hierzu die überhaupt sehr beachtenswerte Rede L. Pohles beim Rektoratswechsel an der Frankfurter Akademie, Jena 1905, speziell S 36 ff. 2) Wirminghaus, „Die nationalökonomische Wissenschaft und der deutsche Kaufmannsstand“ (Abdruck aus der Festschrift zur Feier des 25jährigen Bestehens des Staatsw. Seminars zu Halle) 1898 S. 24.