71 teilen, sie davon zu überzeugen, was er für wahr erkannt hat und er hofft, daß seine Lehre mit benutzt werde als Baustein für den kulturellen Fortschritt. Diese Hoffnung kann sich aber nur verwirklichen, wenn die Gedanken zum Gemeingut des Volkes werden, wenn die öffentliche Meinung sich von ihnen beeinflussen läßt. So will also der Sozial-Ökonom bewußt oder unbe wußt von seinem Standpunkte aus die öffentliche Meinung mit dirigieren helfen. Auf der anderen Seite aber ist es umgekehrt die öffentliche Meinung, die ihn dirigiert auch dann, wenn er mit Marx selbstbewußt seinen Weg geht und „die Leute reden läßt.“ Mit Herbart müssen wir be kennen, daß das, was der einzelne seine Persönlichkeit nennt, nur ein Gewebe von Gedanken und Empfindungen ist, deren bei weitem größter Teil nur wiederholt, was die Gesellschaft, in deren Mitte er lebt, als ein geistiges Ge meingut besitzt und verwaltet. „Die ganze Masse von Vorstellungen kommt ebenso gewiß wie die Muttersprache von außen.“ Das ist unzweifelhaft richtig, aber viel zu weit geht man, wenn man behauptet, daß das Individuum in seinem Reden und Handeln nur die Anschauungen, Gesinnungen, Tendenzen seiner Gruppe ausdrücken könne. Immer wieder zeigt die Geschichte, daß kraftvolle Einzelpersönlichkeiten sich über die Gruppe erheben, ja sogar die Gruppen, das Volksganze sich unterwerfen. Leicht ist das freilich nicht, nur in Ausnahmefällen gelingt es, und wo es nicht gelingt, da wird derjenige, der es gewagt hat, aus dem „geistigen Dunstkreise“ seiner Gruppe heraus zu treten, bitter dafür büßen müssen, daß er unangenehme Störung verursacht. So selten nun auch der Versuch einer Revolution im Volks geiste durchschlagenden Erfolg hat, so selten wird anderer-