73 derb, aber wahr, meint Le bon: „Es ist die Dummheit nicht der Geist, was sich in den Massen akkumuliert“. Versucht man durch logische Argumente die Massen ent scheidend zu beeinflussen, so wird der Erfolg minimal sein; man appelliere an das Gefühl, und man wird alsbald den Erfolg spüren, auch dann, wenn dabei Logik und Wahrheit auf schwachen Füßen stehen. Die Verminderung des Intellekts, die Steigerung des Instinkts, die Erweiterung der Grenzen für das als möglich Angesehene, die stark angeregte Einbildungskraft der Massenpsyche bedingt es, daß die Menge sich nicht Zeit nimmt, über die Schwierig keiten etwa eines Reformplanes nachzudenken, sie will kein „wenn“ und kein „aber“ hören, je weniger sie nach zudenken braucht, um so besser, je entschiedener der Führer auftritt, um so eher darf er auf Erfolg hoffen. Die den Massen suggerierten Ideen können nur schwer zur Herr schaft gelangen, wenn sie nicht ganz bestimmte und ein fache Gestalt annehmen. Damit hängt es zusammen, daß neue tiefgehende Ideen origineller Denker lange Zeit ge brauchen, um in der Massen-Seele festen Fuß zu fassen, und eben so lange währt es, bis einmal festgewurzelte Ideen wieder aus der Massen-Seele verschwinden. Man hat es hier mit einer Art geistigen Trägheitsgesetzes zu tun, nach dem, ähnlich wie in der Körperwelt, unsere Vor stellungen und Anschauungen einen natürlichen Hang zur Beharrung besitzen. Denken wir an die Vorgeschichte der französischen Revolution. Die Ideen, die um die Wende des 16. und 17. Jahrhunderts z. B. von Vauban, Boisguilbert, bayle aus gesprochen wurden, wirkten erst viele Jahrzehnte später, ja wenn man will, war es ein ins Vulgäre übersetzter Humainsmus, der die Volksmassen zur Revolution drängte.