75 Professor Max Apt unter dem Titel „Politik und Wirtschaft“ vor zwei Jahren in der deutschen Wirtschaftszeitung ') ver öffentlichte. Bei den politischen Fragen um die Mitte des vorigen Jahrhunderts seien Fragen des Staatsrechts in den Vordergrund getreten, inzwischen habe sich ein starker Umschwung vollzogen: staatsrechtliche Fragen treten in den Hintergrund, wirtschaftliche Fragen in den Vorder grund. Für die große Masse des Bürgertums fehle es aber nun an jeder Einrichtung, die unbefangene Kenntnis über die Zusammenhänge des wirtschaftlichen Lebens ver mittele. „Während des Wahlkampfes werden die Bürger mit Flugblättern aller Parteien überschüttet, und binnen wenigen Wochen soll sich der Wähler klar werden, ob er agrarisch, freihändlerisch, sozialistisch sich zu entscheiden hat.“ Hier bestehe eine Lücke, hier liege auch der Grund, weshalb der Wähler so leicht den Extremen anheimfalle, weshalb Irrlehren und Übertreibungen so leicht Erfolge erzielten. Diese Lücke müsse ausgefüllt werden durch Gründung einer Vereinigung zur Verbreitung wirtschaft licher Kenntnisse, die ohne Abhängigkeit von einer be stimmten Partei durch Broschüren, Wanderredner und der gleichen die Ergebnisse der Wirtschaftsforschung jahraus jahrein in das Volk hineinzutragen habe. Die Fähigkeit zur Kritik, zu welcher dadurch der einzelne Bürger heran gezogen werde, könne nicht ohne Einfluß bleiben auf die Zusammensetzung der Parlamente und auf die Gesundung unseres politischen Lebens. Apt hofft, daß sich bei diesen erzieherischen Aufgaben auch die Vertreter der sozial ökonomischen Wissenschaft beteiligen werden. Der Plan kann bei jedem ehrlichen Volksfreunde nur sympathisch aufgenommen werden. Ich weiß nicht, ob 1) III. Jahrg. (1907) S. 913.