76 Versuche gemacht worden sind, ihn zu verwirklichen. Aber ich glaube, daß ein derartiger Versuch bei der gegen wärtig herrschenden Auffassung von den Aufgaben der Volkswirtschaftslehre früher oder später scheitern muß. Ist es richtig, daß im Tempel der sozialökonomischen Wissenschaft auch das wirtschaftspolitische Ideal seinen Altar haben muß, dann wird das Volk in den Vertretern der Wissenschaft nur Parteimänner sehen und es horcht daher lieber auf die so mundgerecht dargereichten Lehren der anerkannten Parteihäuptlinge. Will die Wissenschaft dagegen ihre Aufgaben so be grenzen, wie das hier vorgeschlagen wird, dann ist es den Volkswirtschaftslehrern möglich, über die Schranken der parteipolitischen Gegensätze hinweg, gestützt auf die Autorität wahrer Wissenschaft, „an der ökonomischen Er ziehung der Nation mitzuwirken und sie zum Eintritt in die zukünftige Universalgesellschaft“ (List) vorzubereiten. Insbesondere wird dann die Wissenschaft mit Erfolg Vorurteile mancherlei Art beseitigen können. Sie wird — wieder nur einige Beispiele zur Illustration — das Dogma von dem naturnotwendigen Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit widerlegen können, es wird ihr möglich sein zu zeigen, daß auf die Dauer Steigerung der Löhne weit mehr gesichert werden kann durch Hebung der Produk tivität der Arbeit als durch irgendwelche gewaltsamen Kampfmittel, sie wird erklären können, warum die Miet preise in unseren Städten so stark gestiegen sind, wo die Ursachen einer allgemeinen Arbeitslosigkeit liegen, warum ein hoher Getreidezoll durchaus nicht immer im Interesse der Landwirtschaft liegt, daß auch die Spekulation eine wichtige volkswirtschaftliche Mission zu erfüllen hat, daß daher die Börse keineswegs nur „ein Monte Carlo ohne