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        <title>Die Aufgaben der Volkswirtschaftslehre als Wissenschaft</title>
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            <surname>Weber</surname>
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      <div>34 
dament zu geben. Man wies tadelnd hin auf die Unklarheit 
der Begriffsbildung, auf die mangelhafte Systematik, die sich 
die Gegner der klassischen Schule zu Schulden kommen 
ließen und lassen. Allen diesen Fehlern, glaube ich, stehen 
schließlich aber auch entsprechende Vorzüge gegenüber, 
nur eine „Todsünde" bleibt ungesühnt: Die zu weitgehende 
Verquickung der Wissenschaft mit der praktischen Politik. 
Man tadelte es mit Recht an den Manchesterleuten, 
daß sie ihre subjektiven Ansichten über das Seinsollen als 
Wissenschaft ausgaben, um dann im selben Atemzuge die 
Irrlehren der Gegner zum Dogma für die eigenen Jünger 
zu machen. 
Die wissenschaftlicheSozial-Ökonomie kann 
allgemein gültige Urteile über das Seinsollen 
im praktischen und politischen Leben nicht ab 
geben; eine ethische Sozial-Ökonomik in diesem 
Sinne ist also abzulehnen. Insofern bietet uns die 
Wissenschaft weniger als manche ihrer Vertreter heute ver 
sprechen. Sie kann und muß aber mehr geben als sie bis 
her gegeben hat, dadurch, daß sie die Ursachen der Er 
scheinungen nicht verdunkeln läßt durch den Schatten der 
Wirkung. Das ist ein Hauptvorwurf, den Maurice Lair in 
seinem Buche L’imperialisme Allemand (Paris 1902) dem 
neuen deutschen Geiste allgemein macht. Das hindert ihn 
nicht, sarkastisch kurz vorher zu sagen: „Wenn Goethes 
Faust zur Überzeugung kam, daß wir nichts wissen können, 
so glaubt der neue Deutsche, daß er alles wissen kann.“ 
Den Tadel dort, den Spott hier kann man auch in das 
alte Diktum zusammenfassen: Multa, sed non multum! 
Wenn ich mich gegen eine ethische Sozial-Ökonomik 
ausspreche, so bitte ich mich nicht mißzuverstehen. Nichts 
liegt mirferner, als die Ethik und dieMoralaus</div>
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