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        <title>Die Aufgaben der Volkswirtschaftslehre als Wissenschaft</title>
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            <surname>Weber</surname>
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      <div>53 
1) H. Dietzel a. a. O. S. 50. 
mäßigkeit: Savoir pour prevoir, pour pouvoir. Diese Lehre der „Prag 
matiker“ müßte in ihren Konsequenzen den Untergang der Wissenschaft 
überhaupt herbeiführen, müßte sie jedenfalls von der achtunggebietenden 
Höhe, die sie bis jetzt in der Kulturentwicklung eingenommen, herunter 
zerren in die Tiefen. Die hastige Jagd nach Erfolg würde den, der 
nach Wissen sucht, um des Wissens willen, als unnützen Zeitvergeuder 
beiseite drängen. Aber ich denke, daß wenigstens von dem deutschen 
Idealismus und von der deutschen Denkkraft noch so viel übrig ge 
blieben ist, daß der deutsche Forscher nie in die Versuchung kommen 
wird, in der Wahrheit nur ein Instrument zum Handeln zu erblicken. 
Die Wahrheit bleibt für uns etwas Unabhängiges und Absolutes. 
Nun kommt man allerdings mit einem anderen Ein 
wand: Daß man die Fragen „was ist?“ und „was soll sein?“ 
getrennt von einander beantworten kann, geben wir zu, 
wir geben auch zu, daß die Frage nach dem Sollsein von 
dem Gelehrten ebenso wie von dem Ungelehrten nur aus 
einem subjektiven ethischen Standpunkte beantwortet 
werden kann. Und doch die Frage: „Was frommt dem 
konkreten Staate“ (List)? darf der Vertreter der Wissen 
schaft nicht von sich abschieben. Denn, „wenn er die Lö 
sung der Fragen dem Praktiker überlassen wollte, dann 
würden eben andere weit weniger neutrale, von egoisti 
schen Interessen bewegte Kräfte sich der Aufgabe be 
mächtigen, werden sie wahrhaft realistische Lehrer der 
Wirtschaftspolitik suchen, sie auf ein Parteiprogramm ver 
eidigen“ ’)• Das klingt gewiß recht annehmbar, aber daß 
der Gelehrte bei praktisch-politischen Fragen gewissermaßen 
seiner Natur gemäß streng unparteiisch eingreift, wird man 
auf Grund der oben mitgeteilten allgemeinen Erwägungen 
stark bezweifeln dürfen. Andrerseits hat die intensive un 
mittelbare Mitarbeit der sozialökonomischen Wissenschaft 
es nicht zu verhindern vermocht, daß „wahrhaft realistische 
Lehrer“ auftraten, die sich ohne große Mühe auf Partei-</div>
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