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        <title>Die Aufgaben der Volkswirtschaftslehre als Wissenschaft</title>
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            <surname>Weber</surname>
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      <div>60 
Die Extreme berühren sich; schon kommt ein Pessi 
mismus zum Ausdruck, der erklärt, der Versuch, wesent 
liches für die Praxis aus der Theorie zu gewinnen, müsse 
scheitern. „Unsere Theorie, soweit sie fest begründet ist, 
versagt den wichtigsten Erscheinungen des modernen Wirt 
schaftslebens gegenüber 1 ).“ Ich gestehe, daß dieser Pessi 
mismus mir sympathischer, auch berechtigter zu sein scheint, 
als der übergroße Optimismus mancher anderen. Aber er 
geht doch viel zu weit. Der Sozial-Ökonom kann freilich 
nicht als Mann der Wissenschaft praktisch-politische Pro 
bleme lösen, die streng-wissenschaftliche Untersuchung 
des National-Ökonomen über Tages-Probleme muß dem 
Praktiker notwendigerweise „unfertig“, „zu wenig positiv“, 
„zu verstandesmäßig“ Vorkommen. Aber deshalb sind 
derartige Untersuchungen für die Praxis nicht nutzlos, 
nicht unfruchtbar. Sie wollen gewiß nicht das ganze Ge 
bäude sein, aber sie können allein das sichere Fundament 
abgeben für einen sturmsicheren Bau, demgegenüber aus 
Gefühlen, Illusionen, Idealen und Wünschen nur ein leichtes 
Kartenhaus errichtet werden kann, das nicht einmal dem 
leisesten Lufthauch widerstehen wird 2 ). 
Minderwertigkeit für die Herren vom Bunde klar erwiesen. — Sogar 
ein unbefangener Gelehrter, Stier-Somlo, hat sich durch die — fast 
möchte ich sagen „Advokatenkniffe“ Ballods verblüffen lassen. Vgl. 
Conrads Jahrbücher 1909 O. 0. 
1) So Schumpeter in seinem umfangreichen Werke über „Wesen 
und Hauptinhalt der theoretischen Nationalökonomie“ (S. 576, 578). 
Zu der Art Theorie, wie sie Schumpeter entwickelt, paßt allerdings dieser 
Satz durchaus. Ich befürchte, daß Conrad Schmidt recht behalten 
wird, wenn er von Schumpeters außerordentlich fleißiger und tief 
grabender Arbeit sagt, daß sie „in typisch repräsentativer Weise die trost 
lose Unfruchtbarkeit der sogenannten neuen, in irgend welcher Form 
auf dem berühmten Prinzip des Grenznutzens basierten ökonomischen 
Theorien“ widerspiegele. Sozialistische Monatshefte 1909 1. Bd. S. 453. 
2) Diese Sätze habe ich in der „Zeitschrift für Wohnungswesen“</div>
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