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        <title>Die Aufgaben der Volkswirtschaftslehre als Wissenschaft</title>
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            <surname>Weber</surname>
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      <div>66 
III. 
Es ist wohl allgemein bekannt, daß die Volkswirt 
schaftslehre bei uns in Deutschland aus der Kameral- 
wissenschaft hervorgegangen ist, eine „Wissenschaft“, die 
nicht mehr und nicht weniger wollte, als künftige fürst 
liche Kammerbeamten fähig zu machen, das Vermögen 
ihres Landesherrn erfolgreich zu verwalten 1 ). Noch heute 
ist hier und da die Meinung vorhanden, als wolle die 
Volkswirtschaftslehre eine individuelle Bereicherungslehre 
sein. Aber grundsätzlich ist dieser Standpunkt längst 
überwunden, wenn freilich auch heute noch Verwechs 
lungen privatwirtschaftlicher und volkswirtschaftlicher Er 
scheinungen manchmal schlimme Verwirrung anrichten 1 2 ). 
Wenn nun aber auch die enge Verbindung zwischen 
geschäftlicher Praxis und Volkswirtschaftslehre gelöst ist, 
so darf deshalb doch kein Gegensatz zwischen Theorie 
und Praxis bestehen. Daß dieser Gegensatz trotzdem 
vorhanden ist, wird von keiner Seite bestritten. 
Im November 1905 fand im Verein der Industriellen 
des Regierungsbezirks Köln eine Aussprache zwischen 
Praktikern und Vertretern der nationalökonomischen 
Wissenschaft über die Beziehungen zwischen Wissen 
schaft und Praxis statt 3 ). Man war sich einig darüber, 
1) Wer näheres über die Anfänge der Wirtschaftswissenschaft in 
Deutschland hören will, wird reichen und anregenden Stoff in den sorg 
fältigen Untersuchungen finden, die Stieda unter dem Titel „Die National 
ökonomie als Universitätswissenschaft“ 1906, veröffentlicht hat, 
2) Ein Beispiel dafür bringe ich in meiner Schrift „Boden und 
Wohnung“ S. 28. 
3) Vgl. „Wirtschafts-Wissenschaft und Praxis“. Ein Diskussions 
abend im Verein der Industriellen des Regierungsbezirks Köln, 1905. 
Dazu: Leitartikel der Frankfurter Zeitung 1905, 21/11. Abendblatt.</div>
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