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fast alles zu tun ist; daß sie das Politisieren den
Politikern überlassen, wodurch Wissenschaft
wie Politik nur gewinnen würden. Nein, es wird
weiter politisiert, agitiert und verdächtigt werden
im Namen, aber zum Verderben derWissenschaft.“

Wer die Verhältnisse kennt, der hört einen ähnlichen
Tadel, wie er in den zuletzt wiedergegebenen, von mir
unterstrichenen Worten zum Ausdruck kommt, aus den
Anschauungen heraus, die Max Weber vertritt, der sonst
wissenschaftlich Ehrenberg ferne genug steht: „Es wäre
ein anmaßlicher Unfug, wenn ein Universitätslehrer sich
unterfangen würde, z. B. die „Berechtigung“ irgend welcher
sozialer Forderungen zu beweisen, wie wenn er ihre
„Nichtberechtigung“ mit den Mitteln derWissenschaft nach-
weisen wollte. Beides ist mit den Mitteln der Wissenschaft
schlechthin unmöglich“ >).

Das was hier nur zwischen den Zeilen zu lesen ist,
spricht Pohle offen aus: „Von der Stärke des Gegensatzes,
der sich neuerdings bei einem Teile der jüngeren National-
ökonomen gegen den Historismus und Katheder-Sozialismus
regt, scheint man in diesen Kreisen selbst noch keine rechte
Vorstellung zu haben“ 1 2).

Wie stark dieser Gegensatz ist, habe ich selbst deut-
lich gespürt, als ich versuchte, bei dem Streite um Boden-
und Wohnungsfrage die Lehren der Wissenschaft zur An-
erkennung zu bringen; ich kam dabei zu dem Resultat:
„Mehr als irgend ein anderes Problem hat die Boden- und
Wohnungsfrage es offenbar gemacht, daß die deutsche
National-Ökonomie vor einem Scheidewege steht, sie kann

1)	„Die Lehrfreiheit der Universitäten“, Hochschulnachrichten, Januar
1909 S. 91.

2)	Zeitschrift für Sozialwissenschaft Band VIII S. 777.

1*