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wählen zwischen unwissenschaftlicher einseitiger Gefühls-
Politik und nur nach Wahrheit und Erkenntnis strebender
Wissenschaft.“

Es lohnt sich also, erneut zu untersuchen, was die
Volkswirtschaftslehre als Wissenschaft — ich betone
diesen Zusatz — ist, und was sie sein soll. Ich werde
mich bemühen, diese Frage hier mit der Kürze und der
Anschaulichkeit zu beantworten, die ein gebildetes Laien-
Publikum erwarten darf, wobei ich jedoch hoffe, zugleich
auch vor dem wissenschaftlichen Forum meine Grund-
ansichten erneut prüfen und stützen zu können.

Die ganze Darstellung wird es wohl rechtfertigen,
wenn ich meinen Stoff in vier Abschnitten behandle, denen
ich etwa die Überschrift geben könnte:

1.	Die Volkswirtschaftslehre als Wissenschaft,

2.	Volkswirtschaftslehre und politische Reformbe-
wegung,

3.	Volkswirtschaftslehre und geschäftliche Praxis,

4.	Die volkserzieherische Aufgabe derVolkswirtschafts-
lehre, ihre Beziehung zur öffentlichen Meinung.

I.

Wissenschaften sind, so sagt uns die Wissenschafts-
lehre, Inbegriffe von formulierten Gedanken, die auf All-
gemein - Gültigkeit Anspruch machen, demnach ist
wissenschaftliches Denken ein seinem Ziele nach allge-
mein gültiges Urteil. (B. Erdmann).

Man pflegt nun zu sagen, die Wissenschaft zerfalle in
zwei große Gebiete, die Natur-Wissenschaft und die Men-
schen-Wissenschaft; oder, wie man mit Sombart besser
unterscheiden wird, in die Körper- und Seelenforschung,
bei der Menschenforschung handle es sich nur um jene

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