﻿Wissenschaft, die die menschliche Seele zum Objekt habe,
während der menschliche Körper Gegenstand der Natur-
forschung sei. Wesensunterschiede der beiden Gebiete
des menschlichen Denkens ergeben sich, wie wiederum
Sombart näher ausführt, aus der Verschiedenheit des Stoffes:
„Beherrscht die Natur-Wissenschaft die Tendenz zur Ent-
seelung und Quantifizierung, so die Menschheits-Wissen-
schaft die Tendenz zur Beseelung und Qualifizierung1).“
Das letztere gelte, so sagt man uns von aller Wissenschaft,’
deren Objekt der Mensch ist, insbesondere also auch von
der National-Ökonomie.

Derartige Unterscheidungen sind aber cum grano salis
zu verstehen. In den Menschheits-Erscheinungen wirken
Naturkräfte und Menschenkräfte zusammen, um eine ge-
meinsame Erscheinung hervor zu bringen. Es erklärt sich
daraus auch zum Teil, daß man je nach dem vorherr-
schenden Zuge der Zeit die Erscheinung des Menschen-
lebens bald zu einseitig mit den Mitteln der Natur-Wissen-
schaft zu erklären versucht, bald zu viel Gewicht auf
die Psyche des Menschen und auf ihr Wollen legt. Die
einen lehren, daß der Strom der wirtschaftlichen Ent-
wickelung sich nicht leiten lasse durch menschliches Ein-
greifen, daß er sich vielmehr eigenwillig seinen Weg selbst
bahne, möge der Mensch damit einverstanden sein oder
nicht, während andere lehren, der Wille zur Tat allein
lenke die Welt auch gegen den Strom der wirtschaftlichen
Entwickelung. Diese und jene sehen eben gewöhnlich nur
die eine Seite des Problems und urteilen daher einseitig.

Das ökonomische Wollen des Menschen kennt keine
Grenzen, das ökonomische Können aber muß innerhalb

1) Das Lebenswerk von Karl Marx, 1909, S. 37 f.