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der dem Menschen erreichbaren Güterwelt bleiben. Und
da der Mensch der homo sapiens ist, schließt er einen
Kompromiß zwischen seinem Können und seinem Wollen
dadurch, daß er mit dem, was er hat, und dem, was er
kann, „haushälterisch“ verfährt, möglichst wenig hingibt,
um möglichst viel dafür zu bekommen. Ein derartiges
wirtschaftliches Verhalten finden wir nun zwar durchaus
nicht bei jedem Individuum, der Herr X z. B. und die
Frau Y mögen sehr dagegen „sündigen“, ja es mag zu-
gegeben werden, daß eine ganze Generation es unter-
läßt, wirtschaftlich zu handeln, aber nur mit der Wirkung,
daß die folgende Generation die Vorfahren ob ihrer Ge-
dankenlosigkeit, ihrer Verschwendung anklagt, für die sie
nun als Nachkommen büßen muß.

So bleibt es jedenfalls wahr, daß der Mensch, wie
wir ihn uns vorstellen als Repräsentanten der
Menschheit, das Handeln nach dem Wirtschafts-
prinzip als ein unentbehrliches Ausstattungsstück seiner
psychologischen Natur betrachten muß. Er zieht ja nur
die Konsequenz aus einer ehernen Notwendigkeit.

Verschärft wird die Wirksamkeit des wirtschaftlichen
Motivs noch durch soziale Einflüsse!), durch die Tatsache,
daß das Gemeinschaftsleben der Menschen den Trieb an-
regt, über die Mitmenschen empor zu kommen, andere
Menschen den eigenen Zweckstrebungen zu unterwerfen,
Macht zu gewinnen, die wiederum ganz besonders mit
den Reichtümern verknüpft ist, deren Gewinnung sich
nicht wohl von dem wirtschaftlichen Prinzip trennen läßt.

In der Tatsache dieses Prinzips liegt ein gut Teil
Erklärung für die gesamte Kulturentwickelung der

1) Vgl. H. Dietzel, Theoretische Sozialökonomik, 1895, S. 27.