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würde, hat aber dafür auch das wohlige Gefühl, die FrauX.
gründlich geärgert zu haben............

Wir empfinden alsbald, daß wir Unmögliches zu unter-
nehmen versuchten, obwohl Schmoller meint, „volkswirt-
schaftliche Erscheinungen beobachten heißt die Motive der
betreffenden wirtschaftlichen Handlungen usw. klarlegen.“
Nur das bekommen wir ja als allgemeingültiges Resultat
unserer Untersuchung, daß die Menschen kuriose Leute
sind, etwas, was man auch schon ohne eingehende Unter-
suchungen der Wirklichkeit hätte wissen können.

Weil man nun aber doch gerne aus wenig viel machen
möchte, trägt man nur zu gerne in die wissenschaftlichen
Untersuchungen „unkontrollierte Instinkte, Sympathien
und Antipathien hinein“, und noch leichter widerfährt
es den Jüngern der deutschen historischen Schule, so
meinte Max Weber in seiner Freiburger Antrittsrede, „daß
der Punkt von welchem wir bei der Analyse und Erklärung
der volkswirtschaftlichen Vorgänge ausgehen, unbewußt
auch bestimmend wird für unser Urteil darüber“!).

Derselbe Autor führt in einer späteren Arbeit, in seinen
kritischen Studien auf dem Gebiete der kulturwissenschaU.
liehen Logik aus2), wenn man sage, daß die Geschichte
die konkrete Wirklichkeit eines Ereignisses in seiner Indi-
vidualität kausal zu verstehen habe, so sei damit selbst-
verständlich nicht gemeint, daß sie dasselbe in der Ge-
sammtheit seiner individuellen Qualitäten unverkürzt zu
reproduzieren habe, das wäre eine nicht nur praktisch un-
mögliche, sondern prinzipiell sinnlose Aufgabe...............,Es

kommt der Geschichte ausschließlich auf die kausale Er-
klärung derjenigen ,Bestandteile und Seiten1 des betreffen-

1)	Der Nationalstaat und die Volkswirtschaftspolitik, 1895, S. 22.

2)	Archiv für Sozialwissenschaft Bd. XXII, S. 191.