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den Ereignisses an, welche unter bestimmten Gesichts-
punkten von allgemeiner Bedeutung und deshalb von
historischem Interesse sind.“

Was tür den Vergangenheitsforscher recht ist, muß für
den Gegenwartsforscher billig sein. Die in lebhaftem
Flusse befindliche Gegenwart läßt sich ja erst recht nicht
„allseitig reproduzieren.“

So behandelt denn auch der Sozialökonom in der
Hauptsache nur ei ne Seite des menschlichen Lebens, wenn
anders er wissenschaftlich arbeiten soll und nichts Un-
mögliches leisten will und kann. Ihn interessieren die
Menschen nur, soweit sie wirtschaftlich zu handeln in der
Lage sind. Daß ein solches Isolierverfahren notwendig
ist, um wissenschaftlich brauchbare Begriffe klar und ein-
deutig herauszuarbeiten, kann wohl im Ernste von nie-
mandem geleugnet werden, der wissenschaftlich denkt.

Zutreffend weist auch Lifschitz (Untersuchungen über die Metho-
dologie der Wirtschaftswissenschaft 1909, S. 39) darauf hin, daß die histo-
rische Schule die isolierende Abstraktion bekämpfe „ohne dabei zu achten,
daß selbst nach der historisch-empirischen Methode der Denkprozeß
immer auf die Abstraktion und Isolation angewiesen ist, wenn über-
haupt ein Denken zustande kommen soll.“ Daß es umgekehrt den
„abstrakten“ Nationalökonomen, namentlich auch Ricardo nicht an
„empirischer Weltkenntnis“, an „positivem Studium des Konkreten“ fehlte,
hat Dietzel (a. a. O. S. 106 ff.) in vortrefflicher Weise dargetan.

Daß die Sozialökonomik sich nur mit einer Seite
des menschlichen Lebens zu befassen hat, muß sogar
Knies zugestehen, der von Schmoller den Ehrentitel er-
halten hat „Theoretischer Begründer der historisch-psycho-
logischen modernen deutschen Nationalökonomie“. Von
Knies stammt der häufiger zitierte Satz: „Das Forschungs-
gebiet der Nationalökonomie ist das wirtschaftliche Ge-
meinschaftsleben der Menschen, also einer jener Interessen-