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das Darstellen, Beschreiben, Erzählen der Einzelerschei-
nungen „Wissenschaft“ nennen, insofern man dadurch die
äußere Erscheinungsform erkennt und feststellt und den
äußeren Zusammenhang zum Ausdruck bringt; eine
höhere Stufe der Wissenschaft ist es dann auf jeden
Fall nach dem Grunde der Erscheinungen, nach der Er-
klärung ihres Zusammenhanges zu forschen, das zu
suchen, was man das innere Wesen der Erscheinungen
genannt hat.

Selbst wenn jemand auf Grund einer langen Reihe
von Beobachtungen den Mut findet, eine Regelmäßigkeit
zu konstatieren, so ist damit doch für die sozialökonomische
Wissenschaft wenig gewonnen, wenn uns nicht gleichzeitig
das Kausalitätsverhältnis enthüllt wird. Die treibenden
Ursachen der volkswirtschaftlichen Erscheinungen müssen
wir erkennen: „erst wenn dies gelungen ist“, ich zitiere
Lexis!), „erhält die beobachtete Regelmäßigkeit für uns
eigentlich wissenschaftliche Bedeutung.“

Wie könnte man aber den Kausal-Zusammenhang
aufdecken, ohne die störenden Nebenursachen und Zu-
fälligkeiten auszuschalten, ohne mit anderen Worten, die
Isolier-Methode anzuwenden! Daß „mit der allbeherr-
schenden Kausalität“ die Teleologie als heuristisches
Prinzip durchaus verträglich ist, betont Schulze-Gävernitz
mit Recht1 2). Die National-Ökonomie, so meint er, be-
diene sich beispielsweise des teleologischen Begriffes der
Wirtschaft, das heißt der Güterversorgung zum Zwecke
der menschlichen Lebenserhaltung. Indem sie hierdurch
ihr Gebiet gegen andere Wissenschaften abgrenze, werde

1)	Schmoller-Festgabe, Teil I, S. 39.

2)	Marx oder Kant? 2. Aufl. 1909, S. 29.