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sie einer streng kausalen Erklärung der sie interessierenden
Vorgänge keineswegs untreu. Daß darüber hinaus eine
Zwecksetzung, die außerhalb des Erkenntnis Zweckes
liegt, für unsere Wissenschaft von bedenklichen Folgen
begleitet sein kann, wird in späterem Zusammenhänge
eingehender erörtert werden müssen.

Es soll nicht geleugnet werden, daß die Isolier-Methode
die Gefahr in sich schließt, daß der Forscher sich in seine
Begriffswelt einkapselt, die Fühlung mit dem praktischen
Leben verliert, das wir doch gerade durch unsere
Wissenschaft besser verstehen lernen wollen. Geistiges
Beherrschen der Tatsachenwelt, keine Gedankenspielerei,
das muß eine entschiedene Maxime für unsere wissen-
schaftliche Arbeit sein. Diesem Zwecke dient namentlich
ein andauerndes Vergleichen der Wirklichkeit mit dem,
was sich aus dem isolierenden Verfahren ergibt, so zwar,
daß die Tatsachen nicht in das Prokustesbett der Theorie
hineingezwungen werden, sondern in der Weise, daß die
Tatsachen die richterliche Instanz für den Wert oder Un-
wert der Theorie bilden. Richtiges Denken und richtiges
Sehen sind die Instrumente des sozialökonomischen For-
schers, die beide zusammen wirken müssen, wenn keine
Pfuscherarbeit geliefert werden soll.

Ergeben sich von der Theorie in der Praxis Ab-
weichungen, die einen regelmäßigen Charakter zu tragen
scheinen, so wird dafür der Grund zu suchen sein. Es wird
u. a. berücksichtigt werden müssen, was man wenig präzis,
aber allgemein verständlich „Volksgeist“ und „Zeitgeist“ ge-
nannt hat; sorgfältig wird ferner zu untersuchen sein, ob die
Motive zu kollektiven Handlungen, die in unserem Zeitalter
unzweifelhaft eine steigende Bedeutung haben, neue An-
regung zur Aufdeckung von volkswirtschaftlichen kausalen