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nomen der „Idealtypus“ des zu analysierenden Vorganges;
in beiden Fällen wird der Ideal-Vorgang, der im Leben
nur selten, vielleicht nie in völliger Reinheit vorliegt,
,isoliert1. Der National-Ökonom stellt den .einheitlichen,
rein-wirtschaftlichen1 Kausal-Zusammenhang fest, welcher

zum ,Gesetz1 verallgemeinert werden soll..........“ Man

erinnert sich hier ferner daran, daß Lujo Brentano, der
einst nicht wegwerfend genug über die Klassiker urteilen
konnte, heute weit milder über sie urteilen muß. Er
schrieb 1888 den Satz: „Der Unterschied zwischen den
Merkantilisten und den klassischen National-Ökonomen
besteht bloß in den Mitteln, welche zur Erreichung der
Ziele empfohlen werden. Und hier verdienen die Merkan-
tilisten entschieden den Vorzug, indem sie bei ihren Vor-
schlägen die konkreten Verhältnisse berücksichtigten, in
denen der wirtschaftliche Egoismus sich betätigen soll,
während die klassischen National-Ökonomen nur den ab-
strakten Menschen im „luftleeren Raum vor Augen haben 1).a
Dieser selbe Gelehrte stützt sich bekanntlich in seinem
Kampfe gegen den Schutzzoll nunmehr sehr wesentlich
auf den Abstraktesten der Abstrakten, auf Ricardo ! Und
klingt auch nicht G. F. Knapps „Staatliche Theorie des
Geldes“ wie eine Art Absage gegenüber der in Deutsch-
land herrschenden Richtung? Kaum läßt sich Knapps
Wort: „Der Theoretiker ist ein verlorener Mann, wenn er
in Halbheiten befangen bleibt“1 2), mit Schmollers magerem
Tröste vereinigen: „Halb ist oft besser als ganz3).11 Fast
scheint es aber, als wenn auch Schmoller selbst sein
Urteil über die Klassiker im Laufe der Jahre gemildert

1)	„Klassische Nationalökonomie“, Anm. 20.

2)	„Staatliche Theorie des Geldes,“ S. VII.

3)	Grundfragen S. 336.