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der praktischen Volkswirtschaft und aus der
Politik eliminieren zu wollen. Auch daß die Ethik
ein wesentlicher Bestandteil der Sozial-Ökonomie als Kunst-
lehre sein muß, leugne ich nicht. Ich will nur, daß aus
erkenntnis-theoretischen und praktischen Gründen eine
Ausscheidung vorgenommen wird „zwischen dem, was wir
zwingend beweisen können und dem, was wir wollen,
wünschen, hoffen, glauben" *). Es ist nicht einmal notwendig,
daß diese Ausscheidung räumlich zum Ausdruck kommt,
so vielleicht, daß in dem einen Buche über daß, was man
beweisen kann berichtet wird, und in dem anderen, über
das, was man nur will und wünscht. Nur möchte ich mit
aller Schärfe betonen, daß der Sozial-Ökonom stets die
Grenze sehen muß, innerhalb der er im Namen seiner
Wissenschaft urteilen kann und urteilen darf.

Man hat die Volkswirtschaftslehre eine praktische
Wissenschaft genannt, behauptet daß sie Wissenschaft und
lehrende Kunst zugleich sein müsse. Das erstere gebe
ich insofern zu, als die Wirtschaftslehre gerade dadurch,
daß sie ihre eigenen Zwecke als Wissenschaft ver-
folgt, das heißt „den bloß intellektuellen Besitz der Wahr-
heit erstrebt“ in ganz hervorragender Weise dem prakti-
schen Leben nutzt, was noch näher zu belegen sein wird;
die Richtigkeit der zweiten Behauptung leugne ich, wenn
damit gesagt sein soll, daß eine theoretische Scheidung
zwischen der Volkswirtschaftslehre als Wissenschaft und
als lehrende Kunst unmöglich sei. Ich halte es mit Pelle-
grino Rossi, der sagt: „ . . . . la Science n’a pas de but
exterieur. Des qu’on s’occupe de l’emploi, qu’on peut en
faire, du parti, qu’on peut en tirer, on sort de la Science
et on tombe dans l’art.......La Science n’est pas chargee

1) Cohn, a. a. O. S. 464.

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