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Aus diesen Beispielen, die sich leicht vermehren
ließen, folgere ich, daß es nicht Aufgabe des Sozial
Ökonomen sein kann, mit ethischer Brille an seine Pro-
bleme in der Umgrenzung, die im vorigen Abschnitt an-
gedeutet wurde, heranzutreten; wohl aber ist es umge-
kehrt unter Umständen dringende Pflicht des Moralisten
eine sozialökonomische Brille aufzusetzen.

Weil die Sozial-Ökonomie als Wissenschaft mit der
Ethik nichts zu tun hat, darf sie auch nicht mehr sein
wollen, als eine Stütze für die Wirtschafts-Politik neben
vielen anderen deshalb, weil die Politik auch dann, wenn
sie wirtschaftliche Dinge regeln will, keineswegs nur Fol-
gerungen aus der wirtschaftlichen Erkenntnis zu ziehen
hat. Sie hat insbesondere, wie wir schon wissen, der
Moral „zu huldigen“ und zu dem Zwecke wird die Politik
auf die tiefsten Fragen der Weltanschauung zurückgehen
müssen. Jüngst hat wieder Schulze - Gävernitz bei Ge-
legenheit seiner Studien über britischen Imperialismus
und englischen Freihandel zu Beginn des 20. Jahrhunderts
gezeigt, „wie die großen Wirtschafts- und machtpolitischen
Streitfragen des Tages in letzter Linie auf dem Welt-
anschauungsgebiete entschieden werden.“

Mit welchem Recht und mit welchen Mitteln will aber
nun die sozialökonomische Wissenschaft ein Wert-Urteil
über die außerordentlich verschiedenartigen Weltanschau-
ungen fällen? Ist sie aber dazu unfähig und darüber
kann wohl kaum ein Zweifel sein, dann kann sie keine
moralische politische Wissenschaft sein. Wenn man nicht
überhaupt auf dem Standpunkte steht, daß der Ausdruck
„wissenschaftliche Politik“ eine contradictio in adjecto ist.

Die ehrfürchtige Bewunderung, die dem erfolgreichen
Staatsmanne entgegen gebracht wird, wird ihm nicht zu