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Schaft das Pro- und Kontra untersuchte. Allerdings waren
die Reformen oft dadurch verursacht und unterstützt, daß
Männer der Wissenschaft energisch für sie eintraten“.
Wäre das richtig, so würde darin ein beachtenswerter
Grund zu suchen sein, warum die Volkswirtschaftslehre als
Wissenschaft trotz des in gewaltigen Massen zusammen-
getragenen induktiven Materials so wenig weiter gekommen
ist. Die Gefahr ist ja kaum zu vermeiden, daß derjenige,
der zunächst energisch mitgeholfen hat, um einen Reform-
plan durchzuführen, nachher nicht mehr unbefangen genug
ist, um das, was doch zum Teil sein Werk ist, zu prüfen
und unter Umständen zu verurteilen. Der Intellekt und
das, was Schmoller die „produktive Phantasie“ nennt,
werden sich nur als unterwürfige Diener des Willens zeigen.
Der politische Instinkt wird immer stärker sein als der
Trieb zur wissenschaftlichen Erkenntnis.

Hier hat wieder C. Dietzel vollkommen recht: „Ist
der Mensch von den Bedürfnissen, welche sein Erkenntnis-
drang hervorgerufen haben, erfüllt und beherrscht, so wird
er den reinen Erkenntniszweck mehr oder weniger aus dem
Auge verlieren, seine ganze Tätigkeit vielmehr darnach
richten, aus der Beschäftigung mit dem Gegenstände die
Erkenntnis der Mittel zu gewinnen, welche zur Befriedi-
gung des Bedürfnisses führen können“. Anstatt der
wissenschaftlichen Erkenntnis erzeuge eine solche Geistes-
tätigkeit entweder nur Ratschläge und Anweisungen zu
praktischen Handlungen, oder sie strebe wenigstens die
Erkenntnis sofort, noch ehe sie eigentlich gewonnen sei,
für das praktische Leben nutzbar zu machen. „Im ersteren
Falle entsteht gar nichts, was den Namen Wissenschaft
verdient, im zweiten nur eine teilweise Wissenschaft-
lichkeit und Erkenntnis, indem diese durch die Rücksicht