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mäßigkeit: Savoir pour prevoir, pour pouvoir. Diese Lehre der „Prag-
matiker“ müßte in ihren Konsequenzen den Untergang der Wissenschaft
überhaupt herbeiführen, müßte sie jedenfalls von der achtunggebietenden
Höhe, die sie bis jetzt in der Kulturentwicklung eingenommen, herunter-
zerren in die Tiefen. Die hastige Jagd nach Erfolg würde den, der
nach Wissen sucht, um des Wissens willen, als unnützen Zeitvergeuder
beiseite drängen. Aber ich denke, daß wenigstens von dem deutschen
Idealismus und von der deutschen Denkkraft noch so viel übrig ge-
blieben ist, daß der deutsche Forscher nie in die Versuchung kommen
wird, in der Wahrheit nur ein Instrument zum Handeln zu erblicken.
Die Wahrheit bleibt für uns etwas Unabhängiges und Absolutes.

Nun kommt man allerdings mit einem anderen Ein-
wand: Daß man die Fragen „was ist?“ und „was soll sein?“
getrennt von einander beantworten kann, geben wir zu,
wir geben auch zu, daß die Frage nach dem Sollsein von
dem Gelehrten ebenso wie von dem Ungelehrten nur aus
einem subjektiven ethischen Standpunkte beantwortet
werden kann. Und doch die Frage: „Was frommt dem
konkreten Staate“ (List)? darf der Vertreter der Wissen-
schaft nicht von sich abschieben. Denn, „wenn er die Lö-
sung der Fragen dem Praktiker überlassen wollte, dann
würden eben andere weit weniger neutrale, von egoisti-
schen Interessen bewegte Kräfte sich der Aufgabe be-
mächtigen, werden sie wahrhaft realistische Lehrer der
Wirtschaftspolitik suchen, sie auf ein Parteiprogramm ver-
eidigen“ ’)• Das klingt gewiß recht annehmbar, aber daß
der Gelehrte bei praktisch-politischen Fragen gewissermaßen
seiner Natur gemäß streng unparteiisch eingreift, wird man
auf Grund der oben mitgeteilten allgemeinen Erwägungen
stark bezweifeln dürfen. Andrerseits hat die intensive un-
mittelbare Mitarbeit der sozialökonomischen Wissenschaft
es nicht zu verhindern vermocht, daß „wahrhaft realistische
Lehrer“ auftraten, die sich ohne große Mühe auf Partei-

1) H. Dietzel a. a. O. S. 50.