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nicht das gleiche Maß von Sorgfalt und Anstren-
gung verwandt haben wie auf die belastenden“.
Ich habe dazu schon früher ‘) eine Anmerkung gemacht, die
ich hier wiederholen möchte: Manche national-ökono-
mische Autoren mögen in der Tat so denken und handeln;
wenn sie in erster Linie ihre Aufgabe darin erblicken,
„etwas in der Welt durchzusetzen“ dann sind sie schon
gezwungen, in der öffentlichen Diskussion bald die Rolle
des Staatsanwalts, bald die des Verteidigers zu spielen,
sie sollen sich dann aber auch nicht den Anschein des
unbefangen nur nach Wahrheit und Recht suchenden
Richters zu geben. Es scheint wirklich nötig zu sein, die
deutsche Wirtschaftswissenschaft daran zu erinnern, daß
eine „einseitige“ Wissenschaft keine Wissenschaft mehr ist.

Man behauptet, glaubt es auch wirklich, „Tatsachen“
zu untersuchen; auf Grund von unbefangen gewürdigten
„Tatsachen“ zu urteilen, und doch sind es nur Vorurteile,
die in subjektiven Meinungen, Vorstellungen, Wünschen
einen meist so außerordentlich schwachen Unterbau haben.
Auch das wird zuweilen von ehrlichen „Reformern“ zuge-
geben.

In der Zeitschrift für Wohnungswesen (Jahrgang 1909)
fand eine Diskussion im Anschlüsse an meine Schrift
„Boden und Wohnung“ statt. Der bekannte Wohnungs-
reformer W. Fabarius stellte mir dabei das Zeugnis aus,
meine Ausführungen seien „klar und überzeugend“, ich
habe einen Fehler vermieden, der in diesem Streite auf
beiden Seiten vorgekommen sei, nämlich „vorschnelle
Schlüsse aus unvollständig festgestellten Tatsachen zu
ziehen“. Trotzdem hat Fabarius mein Buch nicht mit Be-
friedigung aus der Hand gelegt. Ich bin seinem Gefühle

1) „Boden und Wohnung“ S. 136.