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statt nun das wirtschaftliche Seinsollen zu messen mit
dem Maßstabe des wirtschaftlichen Seins, macht man es
umgekehrt, man will das „wirtschaftliche Sein“ kritisieren
auf Grund einer Vorstellung vom Seinsollen, die man
aus Illusionen schöpft, die fern von aller wissenschaft-
lichen Erkenntnis entstanden sind. Daß die Praxis sich
dagegen auflehnt, ist durchaus in der Ordnung!

Die Schlußfolgerung ist hier dieselbe, wie im vorigen
Abschnitt: die Wirtschaftswissenschaft als solche hat keine
wirtschaftspolitischen Ideale aufzustellen.

Trotzdem und gerade dann wird die Volkswirtschafts-
lehre als reine Wissenschaft der Praxis nicht minder von
Nutzen sein, als der Politik. Daß gerade für den Kauf-
mann, den Industriellen, eine auf verständigen wirtschaft-
lichen Erwägungen fußende Wirtschaftspolitik von ent-
scheidender Bedeutung ist, wäre hier vorab zu buchen.
An dieser Gesetzgebung muß auch die geschäftliche Praxis
mitwirken; sie muß sich Gehör verschaffen, aber gerade
ihr gegenüber ist man besonders leicht geneigt, ihre viel-
leicht außerordentlich wichtige Einzelerkenntnis als Inter-
essentenweisheit unbeachet zu lassen, wenn sie es nicht
versteht, das Einzelne in den großen Zusammenhang hin-
einzubringen. Das wird ohne die Hilfe der sozial-ökonomi-
schen Wissenschaft kaum möglich sein — hier liegt, um das
nebenbei zu bemerken, der entscheidende praktische Wert
des volkswirtschaftlichen Unterrichts an den Handelshoch-
schulen.

Nicht mit Unrecht hat man auch darauf hingewiesen,
daß die Volkswirtschaftslehre der geschäftlichen Praxis
unter Umständen sogar direkt recht brauchbare Führer-
dienste leisten kann: daß sie den Geschäftsmann inner-
halb gewisser Grenzen in den Stand setzen kann, die zu-

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