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wird gelegentlich herber Tadel aus dem Lager der Inter-
essenten über die „törichten Lehren der grauen Theorie“
zu uns herüber tönen, das wird um so leichter zu ertragen
sein, weil wahrscheinlich gleichzeitig andere Interessenten
um so lauter und — ebenso unberechtigt — unser Lob ver-
künden.

Es bleibt nur zu hoffen, daß wenigstens die weiter
blickenden Geschäftsleute sich schließlich doch immer
wieder mit den Sozialökonomen auf demselben Boden
finden werden. Es muß möglich werden, daß die Volks-
wirtschaftslehre auch in der Praxis wieder ihre Autorität
als Wissenschaft zurück erlangt. Praktisch würde dadurch
erreicht, daß die Interessenten nicht so leicht die Lehren
der Wissenschaft von sich abschütteln könnten; die sozial-
ökonomische Wissenschaft würde mehr als bisher im volks-
wirtschaftlichen Leben Gesetzgeber sein können ohne
Gesetze.

IV.

Carl Marx schließt sein Vorwort zur ersten Auflage
des „Kapital“ mit dem Satze: „Gegenüber den Vorurteilen
der s. g. öffentlichen Meinungen, der ich nie Konzessionen
gemacht habe, gilt mir nach wie vor der Wahlspruch des
großen Florentiners „Segui il tuo corso e lascia dir le
genti.“

Das, meine ich, müßte das Motto für jeden ernsten
Forscher sein. Es soll nicht geleugnet werden, daß Gründe
vorliegen, die seine Befolgung gerade in der Volkswirt-
schaftslehre besonders schwer machen. Es ja nur mensch-
lich, daß der Sozial-Ökonom nicht zufrieden ist damit,
daß seine Erkenntnis erweitert und vertieft wird, er doziert,
schreibt Bücher, um möglichst vielen anderen das mitzu-