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Andreas  Walther

Klassen  über  ihm  sind,  wie  tief  und  wie  dicht  auf  der  anderen
Seite  die  Schicht  der  Yolksklassen  unter  ihm  ist 1 ).
Diese  Schwierigkeiten  lassen  sich  aber  durchaus  überwinden
durch  die  einfache  Methode,  daß  man  die  einzige  wirklich  entschieden ­
  abgestufte  Hierarchie,  die  es  im  sozialen  Leben  wenigstens ­
  seit  dem  Ende  des  Mittelalters  gab,  in  den  Mittelpunkt  stellt,
nämlich  die  Beamtenhierarchie.  Deren  Skala  geht  durch
das  ganze  Gebiet  sozialer  Schichtung  von  unten  bis  oben  hindurch, ­
  ist  also  geeignet,  das  Rückgrat  zu  bilden  auch  für  die
ihr  einzufügenden  Budgets  der  freien  Berufe.  Nur  von  hier  aus
wird  man  auch  die  so  oft  erfolglos  angegriffenen  Fragen  nach
der  sozialen  Stellung  von  Kaufleuten,  Künstlern,  Ärzten,  Juristen
allmählich  lösen  können.  Die  mittlere  Schicht  einer  solchen  Skala
hebt  sich  von  selbst  heraus,  so  daß  wir  hier  einen  sehr  wichtigen
Maßstab  dafür  haben,  wo  ein  „Normalbudget“,  eine  Familie
„mittleren“  Wohlstandes  gesucht  werden  muß  (oben  S.  23).
Ferner  sind  in  allen  Archiven  reichste  Nachrichten  über  Beamtengehälter ­
  vorhanden.  Fast  in  jedem  Rechnungsbuch  finden  sich
Angaben  dieser  Art,  bis  zu  längeren  Beamtenlisten  hin,  die  auch
gesondert,  besonders  in  Hofstaatsverzeichnissen,  zahlreich  erhalten
sind.  Dazu  haben  Beamte  stets  gern  Eingaben  über  die  Unzulänglichkeit ­
  ihres  Gehalts  gemacht,  die  wir  jetzt  nur  wieder  aus
den  dunkelsten  Winkeln  der  Archive  auszugraben  brauchen.  Endlich
vor  allen  Dingen  haben  wir  hier  drei  verschieden  orientierte ­
  Skalen  zur  gegenseitigen  Kontrolle,  die  ökonomische
der  Gehaltsklasse,  die  verwaltungsgeschichtliche  der  Beamtenklasse ­
  und  die  soziale,  die  sich  in  den  Verschwägerungen,
den  Korrespondenzen  und  vielem  einzelnen  nachweisen  läßt.  Die
Rechnungsbücher  und  Korrespondenzen  erlauben  vielfach  einen
sehr  genauen  Einblick  in  die  Familienverhältnisse  der  Beamten,
während  gleichartige  Aufzeichnungen  für  Privatpersonen  längst
verschwunden  sind.

1)  Naturgemäß  haben  zuerst  Kaufleute  auch  Hauskaltungsbücher  geführt,
also  gerade  Angehörige  des  Standes,  der  am  wenigsten  geschlossen  ist.
Handlungs-  und  Haushaltungsbücher  aus  Nürnberg,  Ulm,  Lübeck,  Rostock
sind  publiziert  worden.  Literatur  über  die  Livres  de  famille  im  Hwb.  d.  Stw.
zum  Art.  „Konsumtion“,  S.  146.