90 Spar- und Leihkassen, die in den letzten Jahren als selbständige Institute aufgehört haben zu wirken, sei es infolge Liquidation oder durch Anschluss an eine andere, hier meist Kantonalbank. Es sei hier nur an die Fusions bestrebungen der Kantonalbank von Bern und der St. Galler Kantonalbank in der jüngsten Zeit erinnert. Neben den erwähnten vollständigen Aufsaugungen von Klein- und Mittelbanken durch Grossbanken hat der Konzentrationsprozess noch nach einer andern Richtung auf die Lokalbanken eingewirkt, wir meinen durch Anlehnung einer Lokalbank an eine Grossbank, die durch Übernahme eines Teiles des Aktienkapitals der Mittelbank dauerndes Interesse an ihr nimmt. Das ist gerade die Form der Konzentration, die in jüngster Zeit wieder in Erscheinung getreten ist. Es sind namentlich zwei Grossbanken, die in dieser Form ihren Machtbereich ausdehnen, die Schweiz. Bankgesellschaft in Winterthur und St. Gallen und die Aktiengesellschaft Leu & Co. in Zürich. Die Schweiz. Bankgesellschaft hat auf diese Weise dauerndes Interesse genommen an der Bank in Baden und der Aargauischen Creditanstalt in Aarau, die Aktien gesellschaft Leu & Co. an der Berner Handelsbank und der Solothurner Handelsbank. Die 1863 gegründete Bank in Baden, die infolge zu grosser Engagements ihrer Zürcher Filiale geschwächt worden war, trat 1905 diese Filiale an die Bank in Winterthur ab, die damit den gesuchten Eingang in Zürich fand. Die beiden Institute schlossen zugleich eine Interessengemeinschaft miteinander ab, die sich äusserlich darin zeigte, dass die Bank in Winterthur mehr als die Hälfte des vier Millionen Franken betragenden Aktienkapitals des Badener Institutes als dauernde Beteiligung ins Portefeuille nahm. In den Verwaltungsrat der Bank in Baden traten zwei Vertreter der Bank in Winterthur. Laut Vertrag soll der Zürcher Sitz der Bank in Winterthur den Kunden der Bank in Baden dieselben Er leichterungen leisten, wie vorher die eigene Filiale. Die Schweiz. Bank gesellschaft, als Nachfolgerin der Bank in Winterthur, besass auf 31. De zember 1912 für 2,101,000 Fr. (nominal) Aktien der Bank in Baden. Ein noch engerer Anschluss fand 1913 statt, indem durch Umtauschangebot an die Aktionäre der Bank in Baden die Schweiz. Bankgesellschaft in den Besitz von 6844 Aktien (von im ganzen 8000) der Bank in Baden kam. Diese Kombination bezeichnete der Verwaltungsratspräsident der Bank in Baden als ein Idealgebilde für die Kundschaft der Bank, sie biete die Vor teile der Gross- und Kleinbank. 1) ) Neue Zürcher Zeitung vom 1. April 1913.