96 Es sind wohl namentlich drei Hoffnungen, die die Befürworter des Projektes von ihm erwarteten. Erstens sollte der Zusammenschluss den Klein- und Mittelbanken entsprechenden Anteil am Emissionsgeschäft bringen, wie dies dem französischen Syndikat gelungen ist. Man hoffte, dass die Grossbanken mit dem Syndikat zu rechnen anfangen müssten und dass es bei grossem Emissionen zugezogen würde. Auch die Zentralisation des gesamten Börsengeschäftes bei der Genossenschaft, die zur Abwicklung dann die einzelnen Grossbanken, resp. die am Ring vertretenen Agenten benützen würde, müsste zu grösserer Unabhängigkeit der Mitglieder und zu einem guten Verhältnis des Syndikats zu den Grossbanken führen. Ein zweiter Punkt war die Hoffnung auf die zentrale Auskunftsstelle. ­ Die Banken haben alle das Gefühl, dass die heutige Information ­ durch Auskunfteien oder befreundete Institute nicht genügt, dass eine Stelle Nutzen stiften könnte, der alle Mitglieder die von Kunden beanspruchten Blanko-Kontokorrentkredite, Diskontkredite und eingegangene ­ Bürgschaftsverpflichtungen mitteilten und von wo sie auf Anfrage Auskunft erhielten, die weitaus besser und zuverlässiger sein müsste, als die heute möglichen Informationen. Und drittens, und dies ist wohl der Punkt, der am ehesten alle Institute betraf, hoffte man auf vermehrte Geldzufuhr, die durch die verschiedenen ­ Bankzusammenbrüche für einen Grossteil der Klein- und Mittelbanken gar sehr ins Stocken geraten war. Die einzelnen Institute könnten Obligationen mit spezieller Pfandsicherheit emittieren, indem sie als Pfänder gute Hypothekartitel bei der Zentralstelle hinterlegen würden. Für solche Obligationen erwartete man einen guten Absatz und damit einen neuen Zufluss fremder Gelder. Und nun das Resultat dieser B estrebungen. Einige der damals noch teilnehmenden Institute, und zwar gerade von den grossem, haben unterdes, allerdings in verschiedener Form, durch Fusion und Interessengemeinschaft, ­ ihren Tribut an die Konzentrationsbewegung entrichtet. In der ganzen Angelegenheit des Zusammenschlusses der Klein- und Mittelbanken ­ ist ein vollständiger Stillstand eingetreten, der einem gänzlichen Scheitern des Projektes wenigstens für den Moment sehr ähnlich sieht. Es scheint, dass bei den grossem Instituten, die sehr oft angenehme Beziehungen ­ zu Grossbanken unterhalten, das Bedürfnis nach Schutz durch ein Bankensyndikat nicht so intensiv gefühlt wird und dass die kleinen und kleinsten Kassen, für die der Schutz wohl ähnlich wie in Frankreich, auch unzureichend wäre, selber zu schwach sind, initiativ vorzugehen.