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        <title>Die Wirtschaft der deutschen Gaswerke</title>
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            <forname>Friedrich</forname>
            <surname>Greineder</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
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            <idno>885228553</idno>
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        DIE  WIRTSCHAFT  DER
DEUTSCHEN  GASWERKE
DENKSCHRIFT
ANLÄSSLICH  DER
DEUTSCHEN  AUSSTELLUNG  „DAS  GAS“
MÜNCHEN  1914

VON
dr.-ing.  FRIEDRICH  GREINEDER

HIT  1  TITELBILD.  11  TEXTABBILDUNGEN  UND  24  TABELLEN
7,  Q  0  9  S  ”1"1  4-6»
Ba',&amp;lt;  *3#  ‘- D -

MÜNCHEN  UND  BERLIN  1914
VERLAG  VON  R.  OLDENBOURG
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        Die  Wirtschaft  der  deutschen  Gaswerke  pro  1912/13.
Schaustück  auf  der  Deutschen  Ausstellung  „Das  Gas“,  München  1914.
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        DIE  WIRTSCHAFT  DER
DEUTSCHEN  GASWERKE

DENKSCHRIFT
ANLÄSSLICH  DER
DEUTSCHEN  AUSSTELLUNG  „DAS  GAS“
MÜNCHEN  1914
VON
dr.-ing.  FRIEDRICH  GREINEDER

MIT  1  TITELBILD,  11  TEXTABBILDUNGEN  UND  24  TABELLEN
2,5/VI

MÜNCHEN  UND  BERLIN  1914
DRUCK  UND  VERLAG  VON  R.  OLDENBOURG
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        Alle  Rechte,  insbesondere  das  der  Übersetzung,  Vorbehalten
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        GEWIDMET
SEINER  VATERSTADT  MÜNCHEN
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        Inhaltsverzeichnis.

Seite
!•  Allgemeines  1
1.  Die  Entwicklung  der  deutschen  Gasversorgungsindustrie  1
2.  Die  Bedeutung  des  Gases  für  die  Licht-,  Kraft-  und  Wärmeversorgung  7
II.  Die  Wirtschaft  der  deutschen  Gaswerke  pro  1912/13.  .  .  11
1.  Erläutert  an  Hand  des  diesbezüglichen  Schaustückes  auf  der  Deutschen
Ausstellung  »Das  Gas«  München  1914  (Hallei,  Nr.  136)  11
2.  Die  Einzelheiten  der  Wirtschaftsstatistik  über  die  deutschen  Gaswerke
für  das  Jahr  1912/13  18
III.  Die  Notwendigkeiten  für  die  künftige  Wirtschaft  der  Gaswerke  ....  33
1.  Die  gemäßigte  Wirtschaftspolitik  und  die  öffentliche  Verwaltung  der
Gaswerke  33
2.  Der  systematische  Qasvertrieb  (durch  »Oasvertriebsabteilungen«  der
Gaswerke)  37
a)  Systematische  Aufklärung  |  als  Mittel  40
b)  Erleichterung  des  Qasbezuges  [■  für  den  41
c)  Sorge  für  die  gute  und  bequeme  Gasbenutzung  j  Gasvertrieb  46
d)  Tarifierung  des  Gases  48
IV.  Der  relative  Gasverbrauch  und  die  Gasanschlußdichte  deutscher  Gaswerke  52
1.  Die  relative  Gasabgabehöhe  und  Qasabgabedichte  deutscher  Gaswerke  52
2.  Oasabgabehöhe,  Gasabgabedichte  und  Gasanschlußdichte  in  vier
deutschen  Großstädten  (Berlin,  Charlottenburg,  Köln,  München)  sowie ­

  im  Durchschnitt  bei  den  deutschen  Großstädten  56
V.  Zusammenfassung  ;  .  .  61
        <pb n="7" />
        I.  Ällgemeincs.
Die  Gaswerke  dienen  mit  den  Elektrizitätswerken  der  zentralen
Energieversorgung  und  bilden  als  Zentralen  für  die  Licht-,  Kraftund
  Wärme  Versorgung  durch  ihr  Hauptprodukt,  das  Gas,  wie  als
Erzeugungsstätten  wertvoller  Nebenprodukte,  vor  allem  des  Kokses
sowie  des  Teers  und  des  Ammoniaks  einen  Industriezweig  von  höchster
wirtschaftlicher  und  volkswirtschaftlicher  Bedeutung.
Die  deutsche  Gasversorgungsindustrie  als  Gesamtheit  der  deutschen
Gaswerke  umfaßt  gegenwärtig  rd.  1700  Gaswerke  mit  einer  Gaserzeugung ­
  von  rd.  2733  Milk  cbm  im  Jahre  1912/13  bei  einem  Anlagekapital
der  bestehenden  Werke  von  rd.  1522  Milk  M.  und  einem  Buchwertkapital ­
  von  rd.  917  Milk  M.
1.  Die  Entwicklung  der  deutschen  Gasversorgungsindustrie.
Sieht  die  Gasversorgungsindustrie  in  diesem  Jahre  bereits  auf  ein
hundertjähriges  Bestehen  zurück,  nachdem  am  1.  April  1814  der  Stadtteil ­
  St.  Margareths  in  London  zum  ersten  Male  im  Wiederschein  der
rötlichen  Gasflamme  „erstrahlte“,  so  ist  als  Geburtsjahr  der  deutschen
Gasversorgungsindustrie  das  Jahr  1826  zu  bezeichnen,  in  welchem  Jahre
die  Städte  Hannover  und  Berlin  durch  eine  englische  Gasgesellschaft,
die  Imperial  Continental  Gas-Association,  erstmals  mit  Gas  versorgt
wurden.  Im  Gegensatz  zur  englischen  Gasversorgungsindustrie,  durch
die  bis  zum  Jahre  1823  bereits  52  Städte  mit  Gas  erleuchtet  worden
sind,  entwickelte  sich  die  deutsche  Gasversorgungsindustrie  in  den
ersten  Jahrzehnten,  wohl  wesentlich  infolge  der  ungünstigen  politischen
Verhältnisse  in  den  deutschen  Landen,  verhältnismäßig  langsam,  wenn
•auch  durchaus  stetig,  wie  nachfolgende  Übersicht  sowie  die  graphische
Darstellung  in  Abb.  1  zeigt.  Bis  Anfang  der  fünfziger  Jahre  waren
erst  35  Gaswerke  in  34  deutschen  Städten  errichtet;  von  diesen  wurden
in  Betrieb  genommen  die  Gaswerke  in:
Greineder,  Wirtschaft  d.  Gaswerke.

1
        <pb n="8" />
        2

Hannover  und  Berlin  (durch  die  I.  C.  G.-A.)  im  Jahre  1826
Dresden  und  Frankfurt  (als  erste  Gaswerke
von  deutschen  Erbauern  [Blochmann ­
  in  Dresden  und  Knoblauch  und
Schiele  in  Frankfurt])  „  ,,  1828

Leipzig
Aachen,  Elberfeld  .  .  .
Köln,  Wesel
Heilbronn,  Lennep,  Trier
Deutz

im  Jahre  1838
„  „  1839
,,  „  1840
„  „  1842—1843
„  1844
        <pb n="9" />
        3

Baden,  Stuttgart,  Barmen,  Kolmar,  Frankfurt ­
  a.  M.  (I.  C.  G.A.)  im  Jahre  1845
Karlsruhe,  Hamburg,  Freiberg  i.  Sa.  .  .  ,,  „  1846
Berlin  (zwei  städtische  Gaswerke),  Breslau,
Koblenz,  Nürnberg,  Offenbach,  Wiesbaden ­
  ,,  ,,  1847
Augsburg,  Stettin  ,,  ,,  1848
Kassel,  Freiburg,  München,  Güstrow,
Hanau  ,,  „  1850
Von  den  fünfziger  Jahren  ab  machte  die  deutsche  Gasversorgungsindustrie ­
  wesentlich  raschere  Fortschritte;  die  verschiedenen  statistischen ­
  Feststellungen  weisen  nach:

bis  Anfang  der  sechziger  Jahre  .  .

.  .  .  266  Gaswerke,

im  Jahre

1877

...  481

yy

yy

1883

...  610

yy

yy  yy

1885

...  668

yy

yy  yy

1896

...  724

yy

yy  yy

1899

...  869

yy

yy  yy

1908

.  .  .  1647

yy

bis  Anfang  1913

.  rd.  1700

yy

Hieraus,  wie  aus  Abb.  1,  ist  ersichtlich,  daß  mit  Ende  des  vorigen
Jahrhunderts  eine  außerordentlich  starke  Entwicklung  der  deutschen
Gasversorgungsindustrie  einsetzte,  in  deren  Folge  heute  rd.  1700  Gaswerke ­
  an  der  Gasversorgung  Deutschlands  teilnehmen.

Tabelle  1.

Entwicklung  der  Gaserzeugung  der  deutschen  Gaswerke.

Gaserzeugung

Zunahme  der

Jahr

der  deutschen
Gaswerke

Nach  Statistik  von

Gaserzeugung*
pro  Jahr

cbm

cbm

1859

44  514  100

—

1862

68  527  900

8  004  600

1868

151  970  200

13  907  050

1877

324  812  800

Dr.  N.  H.  Schilling

19  204  733

1885

479  047  000

19  279  275

1896

733  450  600

Dr.  E.  Schilling

23  127  600

1900

1  200  000  000

Dr.  Bertelsmann

116  637  350

1908

2  204  992  700

\  Deutscher  Verein  von
J  Gas-  u.  Wassert.

125  624  088

1912

2  732  955  000

Dr.  ing.  Fr.  Greineder

131  990  575

1»
        <pb n="10" />
        4

Weit  vollkommener  als  durch  die  Zahl  der  Gaswerke  findet  die
Entwicklung  der  Gasversorgungsindustrie  in  Deutschland  ihren  Ausdruck ­
  durch  die  erzeugten  Gasmengen  in  den  einzelnen  Jahren.  Tabelle  1
und  Abb.  2  zeigt,  daß  sich  die  Gaserzeugung  in  Deutschland  von  den
fünfziger  Jahren  ab  bis  in  die  Mitte  der  neunziger  Jahre  des  vorigen
Jahrhunderts  gut  und  sehr  gleichmäßig  entwickelte;  von  da  ab  stieg
die  Gaserzeugung  der  deutschen  Gaswerke,  veranlaßt  durch  die  weite
Verbreitung  der  Gasglühlichtbeleuchtung  und  die  zunehmende  Verwendung ­
  des  Gases  zu  Kochzwecken,  in  außerordentlich  starkem  Maße
bis  zur  Höhe  von  rd.  2733  Milk  cbm  pro  Jahr  1912/13,  was  bei  einer
Zunahme  von  rd.  nur  6%  einer  Gaserzeugung  von  2900  Milk  cbm  für
das  abgelaufene  Jahr  1913/14  entspricht.  Daß  die  letzten  Jahre  eine
stetig  zunehmende  Steigerung  der  Gaserzeugung  in  Deutschland  gebracht ­
  haben,  ergibt  sich  aus  der  folgenden  Tabelle  2,  die  auf  Grund
einer  Teilstatistik  der  Zentrale  für  Gasverwertung  für  die  Jahre  1911,
1912  sowie  das  erste  Halbjahr  1913  aufgestellt  ist  und  hierfür  Zunahmen
der  Gaserzeugung  von  5,47  auf  6,46  (6,7)  auf  7,33%  nachweist.  Diese
steigende  Zunahme  ist  neben  der  Verbreitung  der  Preßgasbeleuchtung
in  den  Hauptstraßen  der  Städte  vor  allem  der  vielgestaltigen  Verwendung ­
  des  Gases  für  Wärmezwecke  in  Haus,  Gewerbe  und  Industrie,
so  besonders  auch  der  kulturell  höchst  bedeutungsvollen  Warmwasserbereitung ­
  zu  danken.
Tabelle  2,
Entwicklung  der  Gaserzeugung  deutscher  Gaswerke  in  den
Jahren  1911,  1912  und  1913.
Zusammengestellt  nach  der
Teilstatistik  der  Zentrale  für  Gasverwertung.

Jahr

Gaserzeugung
deutscher  Gaswerke
cbm

Von
Anzahl
Gaswerken ­


Zunahme  der  Gaserzeugung ­


cbm  1  •/«

April-März
1910/11
1911/12

1  787  811  900
1  885  633  500

530  bis
713

j  97  821  600

5,47

1911/12
1912/13

1  919  301  800
2  043  271  200

535  bis
729

j  123  969  400

6,46

1911/12
1912/13

1  822  174  000
1  944  904  000

J  690

122  730  000

6,7

1.  Halbjahr
(April-Sept.)
1912
1913

850369  300
912  724  500

691  bis
742

62  355  200

7,33
        <pb n="11" />
        ’l/innpi
3000
2800
2600
2000
2200
2000
1800
1600
IkOO
1200
1000
800
600
000
200
0
ihrei,

chm.

BrNHSchiUmg
BrBerteLsmdim  DrGremeder
Abb.  2.  Gaserzeugung  der  deutschen  Gaswerke.
        <pb n="12" />
        6

Ein  wesentlicher  Anteil  an  der  Ausbreitung  der  Gasverwendung
in  der  neuesten  Zeit  wird  durch  die  Verwendung  der  Gasautomaten
bewirkt,  die  es  den  Kleingasverbrauchern  gestatten,  das  Gas  in  der
bisher  gewohnten  Weise  beim  Einkauf  des  Brennmaterials  aller  Art
nach  Bedarf  in  kleinen  Mengen  zu  kaufen  und  die  den  Gaswerken
ohne  Kautionen  die  erforderliche  Sicherstellung  für  den  Gasgeldeingang
bieten.  Einen  Überblick  über  die  Zunahme  der  verwendeten  Gasmesser
im  allgemeinen  und  der  Gasautomaten  im  besonderen  gibt  nachfolgende
Tabelle  3,  die  auf  Grund  einer  diesbezüglichen  Teilstatistik  der  Zentrale ­
  für  Gasverwertung  aufgestellt  ist.  Hiernach  beträgt  die  Zunahme
der  Gasmesser  für  die  Monate  April  1911,  März  1912,  März  1913  und
September  1913  (als  Schlußmonat  des  1.  Halbjahrs  1913/14)  8,5,  9,7,
9,9  und  9,4%  gegen  die  entsprechenden  Monate  der  Vorjahre,  während
die  Zunahme  der  Gasautomaten  allein  in  den  gleichen  Monaten  12,1,
13,0,  18,9  und  20,8%  beträgt.
Tabelle  3.
Zahl  und  prozentuale  Zunahme  der  Gasmesser  und  Gasautomaten  von
deutschen  Gaswerken.
(Nach  der  Statistik  der  Zentrale  für  Gasverwertung.)

Gezählte  Gasmesser

Zunahme

Davon
Gasautomaten

Zunahme

Anteil  der
Gasauto-Zeit

  der
Statistik

bei  Anzahl ­
  Gaswerken ­


insgesamt

der
Gasmesser
%

bei  Anzahl ­

Gaswerken ­


insgesamt

Gasautomaten ­

%

maten  an
der  Gesamtzahl ­
  d.  Gasmesser ­


April
April

1910
1911

710

2  592  450
2  812  238

8,5

263

266  761
341  289

28,1

12,1

März
März

1911
1912

431

2  157  777
2  366  458

9,7

269

228  318
307  521

34,7

13,0

März
März

1912
1913

656

3  531  230
3  881  718

9,9

431

514  190
734  309

43,1

18,9

Sept.
Sept.

1912
1913

665

3  526  453
3  856  929

9,4

464

597  557
803  143

34,4

20,8

Ist  mit  diesen  statistischen  Darlegungen  ein  Bild  von  der  fortdauernden ­
  und  stetig  gesteigerten  Entwicklung  der  deutschen  Gasversorgungsindustrie ­
  und  die  Aussicht  auf  eine  rege  Fortentwicklung  der
deutschen  Gasversorgungsindustrie  gegeben,  so  ist  nunmehr  kurz  festzulegen, ­
  worauf  die  starke  Entwicklung  der  Gasverwendung  beruht.
        <pb n="13" />
        7

2.  Die  Bedeutung  des  Gases  für  die  Licht-,  Kraft-,  und  Wärmeversorgung. ­

Die  Begründung  der  machtvollen  Entwicklung  der  deutschen  Gasversorgungsindustrie
  wie  der  Gasversorgungsindustrie  im  allgemeinen
liegt  in  der  wirtschaftlichen  und  vielseitigen  Verwendungsfähigkeit  des
Gases  auf  der  Gesamtheit  der  drei  großen  Gebiete  der  Energieversorgung,
d.  i.  der  Licht-,  Kraft-  und  Wärmeversorgung.
In  der  Licht-  und  Kraftversorgung  steht  das  Gas  in  fruchtbringendem ­
  Wettbewerb  mit  der  Elektrizität  und  befriedigt  mit  dieser  in  steter
Vervollkommnung  der  Mittel  zur  Licht-  und  Krafterzeugung  das  außerordentlich ­
  steigende  Lichtbedürfnis  im  privaten  und  öffentlichen  Leben
wie  die  stete  Zunahme  des  Kleinkraftbedarfes  im  Gewerbe  und  in  der
Industrie.  Bezüglich  der  Innenbeleuchtung,  wofür  heute  wesentlich
das  hängende  Gasglühlicht  mit  der  Metallfadenlampe  in  Wettbewerb
tritt,  besitzt  das  Gas  bei  gleich  großem  spezifischen  Verbrauch  in  Liter
wie  Strom  in  Watt  pro  Hefnerkerze  eine  wirtschaftliche  Überlegenheit
im  Verhältnis  der  jeweiligen  Gas-  und  Elektrizitätspreise  und  damit
meist  eine  dreifache  bei  dem  vielfach  bestehenden  Preise  von  13  bis
16  Pf.  jjro  cbm  Gas  und  40  bis  50  Pf.  pro  Kilowattstunde.  In  hygienischer ­
  und  ästhetischer  Beziehung  aber  gewährt  das  Gas  für  die  Raumbeleuchtung ­
  in  den  heutigen  Anwendungsformen  mindestens  dieselben
Vorzüge  wie  die  Elektrizität.  Die  öffentliche  Beleuchtung  der  Straßen
und  Plätze  liegt  wesentlich  im  Besitze  des  Gases  und  dies  nicht  nur
infolge  einer  weitüberlegenen  Wirtschaftlichkeit  der  Gasbeleuchtung,
sondern  auch  aus  rein  technischen  Gründen,  die  wesentlich  in  der  geringen ­
  Anpassungsfähigkeit  und  der  ungleichmäßigen  Lichtverteilung
der  elektrischen  Bogenlichtbeleuchtung  in  engen  und  baumbestandenen
Straßen  liegt.  In  der  Starklichtbeleuchtung  der  Hauptverkehrsstraßen,
wo  bisher  in  vielen  Fällen  die  elektrische  Bogenlampe  herrschte,  gewinnt
das  Gas  mit  Hilfe  des  Preßgaslichtes  und  des  Niederdrucksfarklichtes
zusehends  an  Terrain;  in  Berlin  sind  z.  Z.  bereits  100  km  der  Hauptstraßen
mit  Preßgas  und  nur  28  km  mit  Bogenlampen  erleuchtet.  Für  die  private ­
  Starklichtbeleuchtung  bestehen  für  das  Gas  wirtschaftlich  sogar
noch  wesentlich  günstigere  Verhältnisse  als  für  die  öffentliche  Starklichtbeleuchtung, ­
  indem  hier  die  hohen  Lichtstrompreise  mit  40  bis
50  Pf.  pro  KW/Std.  den  Gaspreisen  von  13  bis  16  Pf.  gegenüberstehen,
während  für  die  öffentliche  Beleuchtung  meist  nur  Strompreise  in  der
Höhe  der  durchschnittlichen  Selbstkosten  oder  um  ein  Geringes  mehr
eingesetzt  werden,  die  vielfach  nur  den  dritten  bis  vierten  Teil  der
Lichtstrompreise  für  Private  betragen.
        <pb n="14" />
        8

Insoweit  in  neuseter  Zeit  durch  die  sog.  Halbwattlampen  eine
Besserung  des  wirtschaftlichen  Effekts  der  elektrischen  Glühlichtbeleuchtung ­
  infolge  Verringerung  des  Stromverbrauches  pro  Hefnerkerze ­
  der  unteren  hemisphärischen  Lichtstärke  auf  0,5  Watt  erzielt
wurde,  ist  zu  erwähnen,  daß  diese  in  erster  Linie  mit  der  elektrischen
Bogenlampe  in  Wettbewerb  tritt,  da  diese  in  Einzelschaltung  nur  bei
den  hohen  Lichtstärken  von  über  500  HK  in  Stromnetze  mit  normaler
Spannung  von  110  Volt  und  über  1000  HK  in  solcher  von  220  Volt
verwendet  werden  kann.  Für  niedrigere  Lichtstärken  von  300  HK
und  neuerdings  von  200  HK  ist  die  Halbwattlampe  nur  bei  50  bis  65  Volt
Spannung  in  Serienschaltung  verwendbar.  Vor  ganz  kurzer  Zeit  hat
die  A.  E.  G.  und  die  Auer-Gesellschaft  auch  „niederkerzige  Halbwattlampen“ ­
  mit  50  und  100  HK  bei  14  Volt  Spannung  und  200  HK  sowie
400  HK-Lampen  bei  25  bzw.  50  Volt  Spannung  auf  den  Markt  gebracht,
die  dementsprechend  in  normalen  Stromnetzen  mit  110  und  220  Volt
Spannung  ebenfalls  nur  in  Serienschaltung  verwendbar  sind  oder  mit
sog.  Reduktor  bei  0,6  Watt  pro  HK  brennen;  auch  eine  Lampe  von  25
bzw.  32  HK  für  Normalspannung  von  110  Volt  hat  neuerdings  versuchsweise ­
  Anwendung  gefunden,  die  jedoch  0,8  Watt  pro  HK  erfordert. ­
  —  Dem  ist  gegenüberzustellen,  daß  das  neue  Killingsche  Munduslicht
  (für  Gasglühlichthängelampen)  mit  einem  spezifischen  Verbrauch
von  0,69  1  pro  HK  auf  dem  Markt  liegt,  das  in  jeder  beliebigen  Größe
bis  herab  zu  den  kleinsten  Lichtstärken  verwendbar  ist.  Ist  damit  für
die  Gasbeleuchtung  der  neue  Erfolg  der  Halbwattlampe  zum  mindesten
für  die  Anwendung  in  bewohnten  Räumen  mehr  als  wettgemacht,  so
darf  hierbei  nicht  unberücksichtigt  bleiben,  daß  der  hohe  Glanz  der
Halbwattlampen  für  die  Verwendung  in  bewohnten  Räumen  vom
hygienischen  Standpunkt  einen  beachtenswerten  Rückschritt
für  die  elektrische  Innenbeleuchtung  bedeutet.
Die  Kraftversorgung  durch  Gas  hat  sich  bislang  mangels  eines;
geeigneten  Kleingasmotors  mit  einfacher  Bedienung,  nicht  zuletzt  aber
infolge  hochgehaltener  Kraftgaspreise  nur  langsam  entwickelt;  durch
den  Elektromotor  wurde  im  letzten  Jahrzehnt  der  Gasmotor  der  Zahl
nach  sogar  zurückgedrängt,  wenn  auch  der  Anschlußwert  derselben
in  Pferdestärken  um  rd.  60%  gewachsen  ist.  Die  letzten  Jahre  haben
jedoch  den  langersehnten  Kleingasmotor  (Fafnir  u.  a.  m.)  gebracht,
der  in  der  Raumbeanspruchung  und  der  einfachen  Bedienung  dem  Elektromotor ­
  nicht  mehr  nachsteht,  diesem  aber  bei  einigermaßen  normalen ­
  Betriebsstunden  (für  einen  2-  bzw.  4-PS-Gasmotor  bei  über  550'
bzw.  450  Betriebsstunden  unter  Zugrundelegung  von  12  Pf.  Gaspreis
        <pb n="15" />
        9

pro  cbm  und  20  Pf.-  Strompreis  pro  KW/Std.)  und  rasch  steigend  mit
zunehmender  Betriebsstundenzahl,  wirtschaftlich  überlegen  ist.  Einen
Einblick  in  die  gegenwärtige  Verwendung  der  Gasmotoren  gibt  nachfolgende ­
  Tabelle  4,  die  auf  Grund  der  letzten  Statistik  des  Deutschen
Vereins  von  Gas-  und  Wasserfachmännern  pro  1912/13  aufgestellt  ist
und  nach  der  sich  die  durchschnittliche  Zahl  der  Gasmotoren  bei  den
verschieden  großen  Gaswerken  zwischen  196  (bei  den  großen  Gaswerken
mit  über  10  Milk  cbm  Gaserzeugung)  und  rd.  19  (bei  den  kleinen  Gaswerken ­
  mit  unter  1  Milk  cbm  Gaserzeugung)  bewegt.  Der  Anschlußwert ­
  der  Gasmotoren  ergibt  sich  bei  den  großen  Gaswerken  zu  rd.  1400  PS
und  den  kleinen  zu  rd.  73  PS,  so  daß  die  mittlere  Größe  der  Gasmotoren
zwischen  rd.  7,2  PS  und  3,9  PS  schwankt.  Für  die  Gesamtheit  der
deutschen  Gaswerke  berechnet  sich  hiernach  die  Zahl  der  in  Deutschland ­
  verwendeten  Gasmotoren  zu  rd.  30  000  mit  einem  Anschlußwert
von  rd.  160  000  PS.  Ohne  Zweifel  liegt  es  bei  der  Wettbewerbsfähigkeit
der  heutigen  Kleingasmotoren  mit  dem  Elektromotor  weitgehendst  in
der  Hand  der  Gaswerke,  durch  geeignete  Tarifierung  des  Gases  für
Kraftzwecke,  verbunden  mit  entsprechender  Propaganda,  die  Verwendung ­
  des  Gases  zu  Kraftzwecken  noch  außerordentlich  zu  erweitern,
was  im  Interesse  der  Gaswerke  wie  nicht  minder  einer  rationellen  Kleinkraftversorgung
  liegt.

Tabelle  4.

Verwendung  von  Gasmotoren  im  Anschluß  an  deutsche  Gaswerke
(aufgestellt  nach  der  Statistik  des  V.  v.  G.-  u.  W.).

Gaswerke  mit
einer  Gaserzeugung ­
  von
Millionen  cbm

Anzahl
der
Gaswerke ­


Nutzbar
abgegebenes
Gas

Anzahl
der
Gasmotoren ­


PS
der  angeschlossenen ­

Gasmotoren ­


Durchschnittliche

Zahl  der
Gasmotoren ­


ange-  -
schlossene
PS

PS

pro  Gaswerk

pro  Gasmotor ­


über  10

36

1  291  545

7  047

50  806

196

1  411

7,2

5-10

28

189  823

1  931

10  709

69

382

5,5

2—5

64

183  910

1  939

11  948

30

187

6,2

1—2

92

123  528

2  264

10  920

25

119

4,8

unter  1

162

80  105

2  989

11  769

19

73

3,9

382

1  868  911

Das  weitest  ausdehnungsfähige  Gebiet  der  zentralen  Wärmeversorgung ­
  ist  eine  theoretisch  und  praktisch  wohlbegründete  Domäne
des  Gases.  Wenn  auch  in  neuerer  Zeit  sehr  beachtenswerte  Bemühungen
vorliegen,  mit  der  Elektrizität  in  dieses  erstrebenswerte  Teilgebiet  der
        <pb n="16" />
        10

zentralen  Energieversorgung  einzudringen,  so  kann  dies  stets  nur  zu
einer  sehr  beschränkten  Anwendung  der  Elektrizität  für  Wärmezwecke
führen.  Der  Wärmewert  eines  Kubikmeter  Gases  ist  rd.  5  bis  5%  mal
so  groß  als  der  einer  Kilowattstunde;  für  Heizzwecke  im  Haus  und
Gewerbe  wie  für  alle  Warmwasserbereitungszwecke,  wo  Gas  und  Elektrizität ­
  mit  demselben  Wirkungsgrad  von  80  bis  90%  verwendet  werden
können,  muß  dementsprechend  der  Strompreis  rd.  den  fünften  Teil
des  jeweiligen  Gaspreises  betragen,  um  wenigstens  Gleichheit  der
Heizmaterialkosten  bei  der  Heizung  mit  Gas  und  durch
Elektrizität  zu  erzielen.  Für  Kochzwecke  arbeitet  das  Gas  z.  Z.  noch
mit  einem  Wirkungsgrad  von  50  bis  60%  (bei  neueren  Kochgasbrennern ­
  werden  praktisch  bereits  60  bis  70%  Wirkungsgrad  des  Gaskochens
erreicht!);  Gleichheit  der  Heizmaterial  kosten  tritt  hiernach  ein,
wenn  der  Strompreis  mindestens  den  dritten  Teil  des  Gaspreises  beträgt.
Mit  Rücksicht  auf  die  ums  Vielfache  höheren  Anlagekosten  für  die
elektrische  Küche  sowie  besonders  auch  mit  Rücksicht  auf  die  außerordentlich ­
  hohen  Unterhaltungskosten  der  elektrischen  Kocheinrichtungen, ­
  die  bei  der  Gasküche  kaum  einen  nennenswerten  Betrag  ausmachen, ­
  muß  jedoch  praktisch  der  Strompreis  für  die  elektrische  Küche
noch  weit  tiefer  zum  Gaspreis  wie  1  :  3  liegen;  umfassende  Versuche
der  Praxis  haben  vielmehr  ergeben,  daß  der  Strompreis  %  bis  1 / 6  des
Gaspreises  betragen  muß,  um  auf  gleiche  Betriebs  kosten  bei  der
Gas-  und  elektrischen  Küche  zu  kommen.  —  Dem  ist  gegenüberzusetzen,
daß  die  heutigen  Strompreise  mit  30  bis  50  Pf.  pro  KW/Std.  rd.  das
Dreifache  der  Gaspreise  mit  10  bis  15  Pf.  pro  cbm  betragen,  so  daß
bei  den  heutigen  Gas-  und  Strompreisen  die  Raumheizung  und  Warmwasserbereitung ­
  mit  Elektrizität  rd.  15  mal,  die  elektrische  Küche
12-  bis  15  mal  teuerer  zu  stehen  kommt  als  die  Gasheizung  und  Warmwasserbereitung ­
  bzw.  das  Kochen  auf  Gas.  Daß  auch  hierin  in  Zukunft
keine  günstigeren  wirtschaftlichen  Verhältnisse  für  die  Elektrizität  eintreten
  können,  zumal  für  das  Gas  noch  die  wesentliche  Verbesserung
des  Wirkungsgrades  beim  Kochen  in  Aussicht  steht,  ergibt  sich  aus
der  Tatsache,  daß  die  durchschnittlichen  Gaspreise  gegenwärtig  noch
weit  höher  im  Verhältnis  zu  den  durchschnittlichen  Selbstkosten  des
Gases  liegen  als  die  durchschnittlichen  Elektrizitätspreise  zu  den  durchschnittlichen ­
  Selbstkosten  des  Stromes,  wie  sich  aus  der  rd.  2%  bis
3  fach  höheren  Rentabilität  der  Gaswerke  gegenüber  den  Elektrizitätswerken ­
  ergibt,  was  im  folgenden  noch  näher  zu  besprechen  ist.
        <pb n="17" />
        II.  Die  Wirtschaft  der  deutschen  Gaswerke
pro  1912/13.
Um  einen  klaren  Einblick  in  die  Wirtschaft  der  deutschen  Gaswerke ­
  zu  gewinnen,  muß  dieselbe  nach  zwei  Richtungen  verfolgt  werden.
Zunächst  handelt  es  sich  um  Feststellung  der  Erzeugnisse  der  Gaswerke
und  deren  Wert  sowie  daneben  zur  Beurteilung  des  nationalökonomischen
Wertes  der  Gaserzeugung  aus  Kohle  um  die  Feststellung  der  Auswertung
der  Kohle  bezüglich  ihres  Wärmewertes,  d.  h.  insgesamt  um  die  Darstellung ­
  der  Produktionswirtschaft  der  Gaswerke.
Zum  zweiten  Teile  aber  steht  die  Feststellung  der  Finanzwirtschaft ­
  der  deutschen  Gaswerke  zur  Frage  und  diese  in
ihren  Einzelheiten,  vor  allem  bezüglich  der  Selbstkosten  des  Gases,
der  Gaspreise  und  schließlich  der  Renten  der  Gaswerke  als
Endergebnis  der  Finanzwirtschaft.
1.  Die  Wirtschaft  der  deutschen  Gaswerke  pro  1912/13,  erläutert
an  Hand  des  diesbezüglichen  Schaustückes  auf  der  Deutschen  Ausstellung ­
  „Das  Gas“,  München  1914.
Eine  gedrängte  und  in  sich  geschlossene  Darstellung  der  Wirtschaft
der  deutschen  Gaswerke  pro  1912/13  ist  in  dem  Schaustück  „Öie  Wirtschaft ­
  der  deutschen  Gaswerke“  (Halle  I,  Nr.  136)  auf  der  deutschen
Ausstellung  „Das  Gas“,  München  1914,  gegeben,  das  eingangs  dieser
Schrift  abgebildet  und  dessen  Grundriß  in  Abb.  3,  Seite  16,  wiedergegeben ­
  ist.
Das  Schaustück  gliedert  sich  obigen  Ausführungen  gemäß  in  eine
Darstellung  der  Produktionswirtschaft  sowie  der  Finanzwirtschaft  bezüglich ­
  der  Gewinne  und  der  Renten  der  deutschen  Gaswerke.
a)  Darstellung  der  Produktionswirtschaft  der
deutschen  Gaswerke  pro  1912/13.
Die  Gaserzeugung  der  rd.  1700  deutschen  Gaswerke  betrug  im
Jahre  1912/13  nach  der  vorgenommenen  Statistik  des  Verfassers  rd.
2733  Milk  cbm  und  ist  durch  den  Gasbehälter  in  der  Mitte  des  Schau-
        <pb n="18" />
        12

Stücks  veranschaulicht.  Die  nutzbare  Gasabgabe  der  deutschen  Gaswerke
belief  sich  bei  einem  durchschnittlichen  „Gasverlust“  von  rd.  5%  auf
rd.  2596  Mill.  cbm,  womit  ein  Gebiet  mit  rd.  35  Milk  Einwohner,  das
sind  mehr  als  50%  der  Einwohner  des  Deutschen  Reiches  (mit  rd.
67,5  Millionen  am  1.  Dezember  1913),  mit  Gas  versorgt  wurde.  Die
vier  Modelle  der  „Frauenkirche“  als  Wahrzeichen  der  Ausstellungsstadt
München,  die  im  Raummaß  des  Gasbehälters  hergestellt  sind,  geben
den  Vergleichsmaßstab  für  den  Umfang  der  jährlichen  Gaserzeugung
der  deutschen  Gaswerke.
Die  Gasmenge  von  rd.  2733  Mill.  cbm  wurde  aus  rd.  8,5  Mill.  t
Kohle  gewonnen,  die  durch  den  Würfel  K  unmittelbar  neben  dem  Gasbehälter ­
  veranschaulicht  ist.
Die  Gewichtsmengen  der  aus  der  Kohle  gewonnenen  Produkte:
Gas,  Koks,  Teer,  Ammoniak,  Zyan  und  Graphit  sind  in  der  vorderen
Würfelreihe  A—A  der  „Produktions“-Tischhälfte  dargestellt,  und  zwar
wurden  von  den  deutschen  Gaswerken  im  Jahre  1912/13  aus  8  500  000  t
Kohle  erzeugt  (siehe  auch  Tabelle  5  und  Ausstellungshalle  I  unter
Nr.  151  bis  155):
1.  1  487  500  t  Gas  (2733  Mill.  cbm),  wovon  nach  Abzug  des
Gasverlustes  rd.  1  413  125  t  Gas  bzw.  2596  Mill.  cbm  nutzbar ­
  abgegeben  wurden.
2.  5  525  000  t  Koks.  Die  verkäuflichen  Koksmengen  betrugen
4  760  000  t.
3.  425  000  t  Teer.
4.  1  055  400  t  Ammoniakwasser  mit  einem  Gehalt  von  rd.  19  000  t
Ammoniak,  dem  eine  Erzeugung  von  rd.  76  000  t  schwefelsaurem ­
  Ammoniak  entspricht.
5.  1800  t  Zyan  in  Form  von  3250  t  Berliner  Blau.
6.  5300  t  Graphit.

Die  Holzsäulen  in  Reihe  a—a  zeigen  die  prozentualen  Gewichtsmengen ­
  der  aus  der  Kohle  gewonnenen  Produkte.  Aus  100  Gewichtsteilen ­
  Kohle  wurde  hiernach  gewonnen:

1.  17,5  Gewichtsprozent  Gas,
2.  65,0  „  Koks,
3.  5,0  ,,  Teer,
4.  12,42  ,,  Gaswasser  (als  Rest),
5.  0,02  ,,  Zyan,
6.  0,06  ,,  Graphit.
        <pb n="19" />
        13

Tabelle  5.
Die  Erzeugnisse  der  deutschen  Gaswerke  pro  1912/13.
Aus  8500000  t  vergasten  Kohlen  wurden  pro  1912/13  von  den  deutschen  Gaswerken ­
  gewonnen:

Art  der  Produkte

Erzeugnisse

In  Gewichts-Prozent
  der
vergasten
Kohlen

Gas  (erzeugt)

cbm  2733000000

«  (verwertbar)

»

2596  350000

Gas  (erzeugt)

t

1  487  500

17,5

Koks  (erzeugt)

»

5  525  000

65

»  (verkäuflich)

»

(4  760  000)

(56)

Teer

»

425  000

5

Ammoniakwasser

»

1  055  400

12,42

hierin  enthalten  Ammoniak  .

»

(19  000)

entsprechend  schwefelsaurem
Ammoniak

»

(76  000)

Cyan

»

1  800

0,02

enthalten  in  Berliner  Blau  .

»

(3  250)

Graphit

»

5  300

0,06

Gesamte  Erzeugnisse

t

8  500  000

100,—

Der  Wert  der  erzeugten  Produkte  wird  durch  die  mittlere  Würfel
reihe  B  —  B  veranschaulicht.  Aus  8500000  t  Kohle  im  Werte  von
161,5  Mill.  Mark  wurden  von  den  deutschen  Gaswerken  im  Jahre'  1912/13
erzielt  (siehe  auch  Tabelle  6  und  Austellungshalle  I  unter  Nr.  151
bis  155):

1.  384,6  Mill
2.  88,06  „
3.  12,75  „
4.  16,15  „
5.  1,3  „
6.  0,3  „

M.  für  2596  Mill.  cbm  nutzbar  abgegebenes  Gas,
,,  ,,  4760000  t  verkäuflicher  Koks,
,,  ,,  425000  t  Teer,
,,  ,,  76000  t  schwefelsaures  Ammoniak  bzw.
19000  t  Ammoniak,
,,  ,,  3250  t  Berliner  Blau,  bzw.  1800  t  Zyan,
,,  ,,  5300  t  Graphit.

Aus  den  Kohlen  im  Werte  von  161,5  Mill.  M.  wurden  sonach  durch
den  Veredlungsprozeß  der  Kohlendestillation  (Gasfabrikation)  Produkte
im  Werte  von  insgesamt  503  Mill.  M.  gewonnen.
        <pb n="20" />
        14

Die  Reihe  b^  —  b x  veranschaulicht  den  Wert  der  erzeugten  Produkte
im  Verhältnis  zum  Wert  der  verarbeiteten  Kohle  und  läßt  ersehen,
daß  bei  der  Gasfabrikation  im  Verhältnis  zu  den  Ausgaben  für  Kohle
erzielt  wurden:

1.  238,1%  an  Einnahmen
2  ^4  ^  o/
'-'TW  /o  ,,  ,,
3.  7,9%  ,,  ,,
4.  10,0%  „
5.  0,8%  „
6.  0,2%  „

für  Gas,
„  Koks,
„  Teer,
,,  Ammoniak,
„  Zyan,
„  Graphit.

Insgesamt  wurden  also  von  den  deutschen  Gaswerken  für  die
erzeugten  Produkte  311,5%  von  den  Ausgaben  für  die  verarbeiteten
Kohlen  vereinnahmt.
Um  den  Wert  der  einzelnen  der  gewonnenen  Produkte  gegeneinander ­
  zu  veranschaulichen,  sind  in  Reihe  b 2 —  b 2  die  Prozentwerte ­
  der  Einnahmen  für  die  einzelnen  Produkte  von  den  Gesamteinnahmen ­
  für  die  Produkte  dargestellt.  Von  den  Gesamteinnahmen
für  die  erzeugten  Produkte  in  der  Höhe  von  503  Milk  M.  entfallen  hiernach ­
  auf:

Gas  76,5%  der  Gesamteinnahmen  für  die  erzeugten  Produkte,
Koks  17,5%  „
Teer  2,5%  „
Ammoniak  3,2%  ,,
Zyan  0,26%  „
Graphit  0,06%  ,,
und  sonach  auf  die  gesamten  Nebenprodukte  (Koks,  Teer,  Ammoniak,
Zyan  und  Graphit)  allein  23,5%  der  Gesamteinnahme  für  die  genannten ­
  Erzeugnisse.
Die  große  volkswirtschaftliche  Bedeutung  der  Kohlendestillation
bei  der  Gasfabrikation  ist  durch  die  nahezu  restlose  Wärmeauswertung
der  Kohle  gegeben.  Wie  die  Würfelreihe  C  —  C  des  „Produktions“-Tisches
  veranschaulicht,  befinden  sich  von  dem  Wärmewert  der  Kohle
1.  im  Gase  rd.  24%,
2.  „  Koks  „  65—67%,
3.  „  Teer  „  6—  8%,
also  in  den  gesamten  Erzeugnissen  insgesamt  rd.  97%  (bis  99%)  der
in  der  Kohle  enthaltenen  Wärme  und  nur  3%  (bis  1%)  gehen  im  Prozesse ­
  verloren.  Der  nationale  und  vorläufig  unersetzliche  Besitz,  der

yy  yy  yy  yy
yy  yy  yy  yy
yy  yy  yy  yy
yy  yy  yy  yy
yy  yy  yy  yy
        <pb n="21" />
        15

uns  Deutschen  in  den  reichen  aber  nicht  unerschöpflichen  Kohlenvorräten ­
  des  Deutschen  Reiches  gegeben  ist,  wird  also  durch  die  Umsetzung ­
  in  Gas  und  seine  Nebenprodukte  aufs  vollständigste  ausgenutzt,
so  daß  es  für  jeden  Deutschen  (abgesehen  von  den  rein  wirtschaftlichen
Vorteilen  der  Gasverwendung  für  den  einzelnen)  eine  Ehrensache  ist,
seinen  Energiebedarf  für  Licht-,  Kraft-  und  Wärmezwecke  möglichst
vollständig  mit  Hilfe  des  Gases  zu  decken.
Tabelle  6.
Wert  der  Erzeugnisse  der  deutschen  Gaswerke  pro  1912/13.

Aus  8  500  000  t  Kohle  im  Werte  von  161,5  Millionen  Mark  wurden  im  Jahre
1012/13  gewonnen:

Wert  der  Erzeugnisse

Prozentualer

Art  der  Produkte

Erzeugnisse

Betrag

In
der  Ausgaben ­
  für
Kohle

Prozent
der  Einnahmen
für  die
gesamten  Erzeugnisse ­


Anteil  des  Heizwerkes ­
  des  Produktes ­
  vom
Heizwert  oer
Kohle

cbm

M.

0/
/  0

0/
/o

%

Gas  (erzeugt)  .

2  733  000  000

Gas  (verwertbar)

2  596  350  000

384  600  000

238,1

76,5

24,-Koks

  (verkauft)

4  760  000

88  060  000

54,5

17,5

67,-Teer



425  000

12  750  000

7,9

2,5

6,—

Ammoniak  .  .
schwefelsaures

19  000

o
o

Ammoniak  .

(76  000)

16  150  000

10,0

lOj
CO
CM

3,2

-,—

Zyan

1  800

Berliner  Blau

(3  250)

1  300  000

0,8

0,26

Graphit  .  .  .

5  300

300  000

0,2

0,06

Gesamte  Einnahmen  für

503  160  000

100%

die  Erzeugnisse

Proz.  v.  Wert

Verlust
3-der

  Kohle

311,5  %

100  %

1.  Der  Wert  der  Erzeugnisse  bezw.  die  Gesamt-Einnahmen  für  dieselben  im.
Betrage  von  rd.  503  Millionen  M.  übertrifft  somit  die  Ausgaben  für  die  vergasten
Kohlen  (im  Betrage  von  161,5  Millionen  M.)  um  mehr  als  das  Sfache  (311,5°/ 0 ).
2.  Rund  23,5  %  der  Einnahmen  für  die  Erzeugnisse  entfallen  auf  die  Einnahmen
für  die  Nebenprodukte  (Koks,  Teer,  Ammoniak,  Zyan  und  Graphit).
3.  Bei  der  Steinkohlengas-Gewinnung  gehen  nur  3%  (bis  1  %)  vom  Heizwert
der  Kohle  verloren,  und  97  %  (bis  99  %)  sind  in  den  gewonnenen  Erzeugnissen,
enthalten.
        <pb n="22" />
        16

b)  Darstellung  der  Finänzwirtschaft  der  deutschen
Gaswerke  pro  1912/13.
Einen  Einblick  in  die  Finanzwirtschaft  der  deutschen  Gaswerke
pro  1912/13  gibt  der  zweite  Teil  des  Schaustückes,  der  sich  rechts  neben
dem  Gasbehälter  aufbaut  (siehe  Abb.  3).  In  diesem  Aufbau  sind  als
wesentliche  Teile  der  Finanzwirtschaft  die  in  den  Gaswerken  angelegten
Kapitalien,  Anlage  und  Buchwertkapitalien  sowie  die  absoluten  Gewinnbeträge ­
  und  die  Renten  der  deutschen  Gaswerke  pro  1912/13
dargestellt.
Zur  Erzeugung  der  2733  Mül.  cbm  Gas  sind  in  den  deutschen  Gaswerken ­
  rd.  1522  Mill.  M.  für  Anlagen  festgelegt.  Im  Schaustück  ist

Froduk/wnsuirtschaft  I  Finanzvirtschdfl

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cok

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Ammoniak

5
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3

Kohle

Kohle

Gas  2733Millionen  cbm.

1
1
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J
1
1

1
1
I
JÖ
&amp;lt;o

Netto  -  Gewinn

Renten  d  deutschen  Gaswerke

Abb.  3.  Die  Wirtschaft  der  deutschen  Gaswerke.  Schaustück  auf
der  deutschen  Ausstellung  »Das  Gas«,  München  1914,  Halle  I,  Nr.  136.

dieses  Anlagekapital  der  deutschen  Gaswerke  mit  dem  Glaswürfel  veranschaulicht, ­
  der  als  teilweise  abgeschriebener  Wert  den  Würfel  der
Buchwertkapitalien  der  deutschen  Gaswerke  im  Betrage  von  rd.
917  Mill.  M.  als  die  zurzeit  arbeitenden  Kapitalien  sichtbar  umschließt.
Aus  diesen  Anlage-  und  Buchwertkapitalien  wurden  an  Gewinnen  die
Beträge  erzielt,  die  durch  die  anschließende  Würfelreihe  des  „Finanzwirtschafts“-Tisches
  (Würfel  1,  2,  3)  dargestellt  sind.
Der  Bruttogewinn  der  deutschen  Gaswerke  pro  1912/13  im  Betrage ­
  von  216,7  Mill.  M.,  also  der  Gewinn  einschließlich  der  Aufwendungen ­
  für  Zinsen  im  Betrage  von  37,8  Mill.  M.  und  für  Abschreibungen
im  Betrage  von  45,7  Mill.  M.,  ist  durch  den  „Würfel“  1  dargestellt,
        <pb n="23" />
        17

der  in  entsprechender  Unterteilung  die  Beträge  des  Nettogewinnes,
der  Zinsen  und  der  Abschreibungen  erkennen  läßt  (siehe  Ansicht  des
Schaustückes  im  Titelbild).
Der  folgende  „Würfel“  2  veranschaulicht  den  Nettogewinn  der
deutschen  Gaswerke  einschließlich  der  Zinsen  im  Gesamtbeträge ­
  von  171  Milk  M.,  wobei  der  Zinsbetrag  von  37,8  Milk  M.  ebenfalls ­
  durch  Unterteilung  gesondert  zu  erkennen  ist.
Der  Würfel  3  gibt  schließlich  ein  Bild  der  reinen  Nettogewinne
der  deutschen  Gaswerke  im  Betrage  von  132,2  Milk  M.
Die  Renten  als  Maßstab  für  die  Beurteilung  der  Finanzwirtschaft
der  deutschen  Gaswerke  sind  schließlich  durch  die  beiden  Säulen  dargestellt, ­
  welche  die  Kopfseite  des  Schaustückes  und  den  Eintritt  zur
Halle  I  der  Münchener  Gasausstellung  schmücken.  Diese  beiden
Säulen  geben  Zeugnis  von  der  finanzwirtschaftlichen  Leistungsfähigkeit ­
  der  deutschen  Gasversorgungsindustrie,  aber  auch  von  der  hohen
finanziellen  Inanspruchnahme  der  deutschen  Gemeindegaswerke  und
lassen  im  einzelnen  erkennen,  daß  die  deutschen  Gaswerke
a)  vom  Anlagekapital
1.  8,76%  Nettorente,
2.  11,24%  ,,  einschließlich  Kapitalverzinsung,
3.  14,24%  Bruttorente;
b)  vom  Buchwertkapital
1.  14,54%  Nettorente,
2.  18,66%  „  einschließlich  Kapitalverzinsung,
3.  23,64%  Bruttorente
abwerfen.
Während  die  Nettorente  die  Verzinsung  der  Kapitalien  darstellt,
die  den  Gemeinden  als  Gaswerksbesitzer  zur  freien  Verfügung  verbleibt, ­
  gibt  die  Nettorente  einschließlich  Kapitalverzinsung  die  prozentualen ­
  Qewinnbeträge,  die  etwa  mit  den  anfallenden  Dividenden
privater  Unternehmungen  vergleichbar  sind.  Die  Bruttorente  ist  der
prozentuale  Gewinnbetrag  einschließlich  Kapitalverzinsung  und  Abschreibung ­
  und  dient  als  solche  mit  Rücksicht  auf  die  außerordentlich
verschiedenartig  bemessene  Abschreibung  bei  den  verschiedenen  Unternehmungen ­
  mit  Recht  (neben  der  Nettorente)  als  eine  sehr  zuverlässige ­
  Vergleichsbasis  für  die  Gaswerke  untereinander  sowie  zum
finanzwirtschaftlichen  Vergleich  der  Gaswerke  mit  andersgearteten
Qreined  er.  Wirtschaft  d.  Gaswerke.  2
        <pb n="24" />
        18

Unternehmungen,  so  besonders  mit  den  konkurrierenden  Elektrizitätswerken. ­
  Hierbei  ist  auch  zu  berücksichtigen,  daß  in  den  vielfach  sehr
hoch  bemessenen  Abschreibungen  der  Gaswerke  (allein  schon  durch
die  starre  Festsetzung  hoher  Abschreibungssätze  für  Jahrzehnte  im
voraus)  stille  Gewinnreserven  liegen  und  daß  anderseits  Unternehmungen!
mit  zu  gering  bemessenen  Abschreibungen  (wie  dies  vielfach  bei  Elektrizitätswerken ­
  infolge  des  raschen  Alterns  und  Veraltens  von  deren
Anlagen  vorliegt)  mit  scheinbar  höheren  Nettorenten  arbeiten,  als  diestatsächlich
  zutrifft.
Bei  einem  Durchschnittssatz  von  3%  Abschreibungen  vom  Anlagekapital, ­
  der  einer  rd.  33  jährigen  Lebensdauer  der  Gaswerke  entspricht, ­
  erzielen  die  deutschen  Gaswerke  nach  vorstehendem  die  außerordentlich ­
  hohe  Bruttorente  von
14,24%  vom  Anlagekapital
und  schließlich  als  wirtschaftlich  maßgebende  Rente  von
23,64%  vom  arbeitenden  Buchwertkapital.

2.  Die  Einzelheiten  der  Wirtschaftsstatistik  über  die  deutschen
Gaswerke  pro  1912/13.
Das  statistische  Material  über  die  Wirtschaft  der  deutschen  Gaswerke ­
  pro  1912/13  ist  im  Folgenden  zwecks  näherer  fachmännischer
Verfolgung  für  gewisse  Gruppen  von  Gaswerken  gegeben,  und  zwar
wurden  die  Gaswerke  hierfür  in  nachbenannte  fünf  Gruppen  unterteilt, ­
  die  den  gegenwärtigen  Verhältnissen  bei  den  Gaswerken  entsprechen ­
  und  vom  Verfasser  auch  schon  in  früheren  Veröffentlichungen
benutzt  wurden.

Gruppe

Gaswerke  mit  über  10  Mill.  cbm  Gaserzeugung,
5  in
7  7  7  7  7  7  7  7  !  7
9  5
7  7  7  )  "  °  7  7  7  7
1  2
77  77  1  7  7  7  7
„  „  unter  1

Einen  Überblick  über  die  Beteiligung  der  deutschen  Gaswerke  int
den  einzelnen  der  fünf  Gruppen  nach  ihrer  Zahl,  der  Einwohnerzahl
ihres  Versorgungsgebietes,  der  Gaserzeugung  und  nutzbaren  Gasabgabe
sowie  bezüglich  des  Anlage-  und  Buchwertkapitals  gibt  zunächst  Tabelle ­
  6  sowie  die  graphischen  Darstellungen  in  Abb.  4,  5,  6,  7,  8  u.  9&amp;gt;
dieser  Schrift.  (Seite  21  und  22.)
        <pb n="25" />
        19

2*

Tabelle  7.

Anzahl,  Einwohnerzahl,  Gaserzeugung,  nutzbar  abgegebenes  Gas,  Anlageund
  Buchwertkapitalien  der  deutschen  Gaswerke  pro  1912/13.

Gaswerke
mit  einer
Gaserzeugung ­
  von
Millionen
cbm

Anzahl
der
deutschen
Gaswerke ­


Einwohnerzahl ­
  der
deutschen
Gaswerke

Gaserzeugung
der  deutschen
Gaswerke
cbm

Nutzbar
abgegebenes
Gas  der
deutschen
Gaswerke
cbm

Anlagekapital
der  deutschen
Gaswerke
M.

Buchwertkapital ­
  der
deutschen
Gaswerke
M.

über  10

41

14  455  000

1  538  494  000

1  461  569  300

803  863  115

509  361  589

5-10

35

3  273  000

276  261  000

262  447  950

144  346  373

76  112  773

2-5

100

4  309  000

322  429  000

306  307  550

183  784  530

105  505  972

1-2

159

3  682  000

242  751  000

230  613  450

138  368  070

85  740  523

unter  1

1365

8  980  000

353  020  000

335  369  000

251  526  750

139  906  315

Insgesamt

1700

34  699  000

2  732  955  000

2  596  307  250

1  521  888  838

916  627  172

rd.

35  Milt.

2733MiIl.cbm

2596  Mill,cbm

1522  Mil).  M.

917  Mill.  M,

Die  folgende  Tabelle  8  läßt  weiter  erkennen,  in  welchem  Maße
die  Gaswerke  im  kommunalen  und  privaten  Besitz  der  Zahl  nach
in  den  einzelnen  Gaswerksgruppen  beteiligt  sind  und  wie  hoch  die
durchschnittliche  Einwohnerzahl  des  Versorgungsgebietes,  die  durchschnittliche ­
  Gaserzeugung  und  die  durchschnittliche  nutzbare  Gasabgabe ­
  bei  den  kommunalen  und  privaten  Gaswerken  der  einzelnen
Gruppen  ist.
Der  Umfang  der  prozentualen  Beteiligung  der  kommunalen
und  privaten  Gaswerke  ist  schließlich  in  Tabelle  9  wiedergegeben,
woraus  auch  ersichtlich  ist,  daß  sich  die  deutschen  Gaswerke  insgesamt
zu  ungefähr  Zweidrittel  und  mit  einer  Gaserzeugung  bzw.  Gasabgabe
von  rd.  82%  im  Besitze  von  Gemeinden  befinden.  Auch  ist  hieraus
zu  ersehen,  daß  von  den  kommunalen  Gaswerken  Deutschlands
rd.  81  %  der  gesamten  Einwohner  des  deutschen  Gasversorgungsgebietes
mit  Gas  versorgt  werden.
Die  Werte  der  Gaserzeugung  und  nutzbaren  Gasabgabe  pro  Jahr
und  Kopf  der  Einwohner,  welche  Werte  maßgebend  für  die  Beurteilung
des  Umfanges  der  Gasverwendung  sind,  sind  in  Tabelle  10  als  Durchschnittswerte ­
  für  die  kommunalen  und  privaten  Gaswerke  der  verschiedenen ­
  Gruppen  ermittelt;  die  diesbezüglichen  Gesamtwerte  für
die  verschiedenen  Gaswerksgruppen  sind  in  Abb.  4  bis  9  veranschaulicht. ­
        <pb n="26" />
        Tabelle  8.
Durchschnittliche  Einwohnerzahl,  Gaserzeugung  und  nutzbare  Gasabgabe  der  städtischen  und  privaten  Gaswerke
Deutschlands.

Gaswerke
mit  einer
Gaserzeugung ­

von
Millionen
cbm

Anzahl  der
deutschen  Gaswerke
im  Besitz

Durchschnittliche
Einwohnerzahl  der  deutschen
Gaswerke
im  Besitz

Durchschnittliche
Gaserzeugung  der  deutschen
Gaswerke
im  Besitz

Durchschnittliche
nutzbare  Gasabgabe  der  deutschen
Gaswerke
im  Besitz

städt.

priv.

städt.
u.  priv.

städt.

priv.

städt.  u.
priv.

städt.

priv.

städt.  u.
priv.

städt.

priv.

städt.  u.
priv.

über  10

33

8

41

359  185

325  238

352  561

38  788  697

32  308  374

37  524  244

36  849  262

30  692  955

35  648  032

5—10

33

2

35

95  512

60  551

93  514

7  986  454

6  354  003

7  893  171

7  587  132

6  036  303

7  498  513

2—5

80

20

100

41  420

49  769

43  090

3  240  411

3  159  804

3  224  290

3  078  391'

3  001  814

3  063  075

1—2

131

28

159

23  722

20  514

23  157

1  551012

1  413  158

1  526  736

1  473  462

1  342  500

1  450  399

unter  1

862

503

1  365

7  844

4  410

6  579

262  922

251  255

258  623

249  776

238  692

245  692

Insgesamt

1  139

561

1  700

24  748

11  606

20  411

1  960  171

891  837

1  607  621

1  862  162

847  245

1  527  240
        <pb n="27" />
        Abb.  4,

Abb.  5

Abb.  6,

Abb,  7,

Gaswerke
m.  einer

Caserzeugy.

htiilcbm.

über  10
5-10
2  5
i-2
unter  1
insgesam,

m

Zahl  der  deutschen  Gaswerke

&amp;lt;s  «a  SS
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lOO  Gaswerke
59  Gaswerke

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Gas  -
erzeug.
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Einwohnerzahl  d.  Versorgungsgebietes  d-  deutschen  Gaswerke

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über  10
5-10
2-5
1-2  mm
unter  1
insgesamt

32
Tfypfy  4
3

','3000
309000.

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$82000
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Einwohner

msisoob  Eihwohnek

699

000

Gdserzeug.

tMcbm.

Gaserzeugung  der  deutschen  Gaswerke  pro  mz/um

«iS  s  s  s
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9  cbm

006

cbm-W
  cbm-^m/m.'m,7F73z

  955  ooo  cbmkm.mm.w-m

1538  090  000cnm

Millionen
cbm  Gas

Gas
erzeug
Miti.cbm.

Gaserzeugung  bezwnutzbare  GasabgabeproEinmbneruJahr

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5-10
2-5
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insgesamt]

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cb
7,

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9  cbm.

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0  cif
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cb

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che

Gaswerke

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        .

—  22  —

Gaswerke
meiner

Gaserzeug.

vMIlcbm.

Anlage-Kapital  der  deutschen  Gaswerke  pro  1912/^

100
200
300
000
500

600
7  00
800
900
1000

MilhonenMark  §  §

überlO
5-10
2-5
4-2
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m

m

m.

m

Gelserzeug.

vMillcbm

Buchwert-Kapital  der  deutschen  Gaswerke  pro  1912/^

100
200
300
900
500
600
700
800
900
wnn

Millionen  Mark  §  §
V-  CM

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ark

Wt

W'

WA

w&amp;gt;

Wr

Wa

W&amp;lt;

w&amp;gt;

]  91

Abb.  8  u.  9.

Tabelle  9.
Beteiligung  der  städtischen  und  privaten  Gaswerke  an  der  Gasversorgung
Deutschlands.

Gaswerke
mit  einer
Gaserzeugung
von

Prozentualer  Anteil  der  städtischen  und  privaten  Gaswerke
bezüglich  der

Anzahl
der  deutschen
Gaswerke

Einwohnerzahl
der  deutschen
Gaswerke

Gaserzeugung
der  deutschen
Gaswerke

nutzbaren
Gasabgabe  der
deutschen
Gaswerke

Millionen  cbm

städtisch

privat

städtisch

privat

städtisch

privat

städtisch

privat

über  10
5—10
2—5
1-2
unter  1

V.
80,5
94.3
80,0
82.4
(63,1)

%
19.5
5.7
20,0
17.6
(36,9)

V.
82,0
96.3
76,9
84.4
75,3

%
18,0
3,7
23,1
15.6
24.7

•/.
83.2
95.4
80.4
83,7
64.2

°/o
16,8
4,6
19,6
16,3
35,8

%
83.2
95.4
80.4
83,7
64.2

•/•
16,8
4,6
19,6
16,3
35,8

insgesamt
rd.

(67,0)
67  °/ 0

(33,0)

81,2
81  °/ 0

18,8

81,7
82®/,

18,3

81,7
82  »/„

18,3
        <pb n="29" />
        23

Tabelle  10.
Gaserzeugung  und  nutzbare  Gasabgabe  pro  Einwohner  und  Jahr  bei  den
deutschen  Gaswerken.

Gaswerke
mit  einer
Gaserzeugung ­
  von

Gaserzeugung  pro  Einwohner  und
Jahr  bei  den  deutschen  Gaswerken'
im  ...  .  Besitz

Nutzbare  Gasabgabe  pro  Einwohner
und  Jahr  bei  den  deutschen  Gaswerken ­
  im  ...  .  Besitz

Mül.  cbm

städtisch

privat

städt.  u.  priv.

städtisch

privat

städt.  u.  priv.

cbm

cbm

cbm

cbm

cbm

cbm

über  10

108,0

99,3

106,4

102,6

99,4

101,1

5-10

83,6

104,9

84,4

79,4

99,7

80,2

2-5

78,2

63,5

74,8

74,3

60,3

71,1

1—2

65,4

68,9

65,9

62,1

65,5

62,6

unter  1

33,5

57,0

39,3

31,8

54,1

37,3

Insgesamt

79,2

76,8

78,8

75,2

73,0

74,8

Tabelle  11.
Übersicht  über  die  Beteiligung  der  städtischen  und  privaten  Gaswerke  an  der
Gasversorgung  Deutschlands.

Gegenstand

Die  deutschen  Gaswerke  im

Prozentuale  Beteiligung
der  deutschen  Gaswerke ­
  im  Besitz

städtisch

privat

städtisch  und
privat

städt.

privat

städt.
und
privat

Anzahl  der  deutschen

Gaswerke  ....

1139

561

1700

67

33

100

Einwohnerzahl  der

deutsch.  Qasw.  .

28  188  000

6  511  000

34  699  000

81,2

18,8

100

Im  Durchschnitt  pro

Gaswerk

24  750

11  610

20  410

Gaserzeugung  (cbm)

2  232  634  000

500  321  000

2  732  955  000

81,7

18,3

100

Im  Durchschnitt  pro

Gaswerk  ....

1  960  170

891  840

1  607  620

Nutzbare  Gasabgabe

2  121  003  000

475  304  000

2  596  307  000

81,7

18,3

100

Im  Durchschnitt  pro

Gaswerk  ....

1  862  160

847  240

1  527  240

Gaserzeugung  pro

In  den  englischen

Einwohner  u.  Jahr

79,2

76,8

78,8

Städten  beträgt  die

Gasabgabe  pro  Einwohner

  und

Jahr

Nutzbare  Qasabgabe

zwischen  200  bis

pro  Einw.  u.  Jahr

75,2

73,0

74,8

300  cbm
        <pb n="30" />
        24

In  Tabelle  11  sind  schließlich  noch  die  Endwerte  aus  den  Tabellen  7,
8,  9  u.  10  für  die  Gesamtheit  der  deutschen  Gaswerke  übersichtlich  zusammengestellt ­
  und  dabei  auch  zum  Ausdruck  gebracht,  daß  die  Verwendung ­
  des  Gases  in  Deutschland  mit  rd.  75  cbm  pro  Jahr  und  Kopf
der  Einwohner  ungefähr  mit  y 3  bis  %  der  durchschnittlichen  Gasabgabe ­
  in  England  beträgt.
In  finanzwirtschaftlicher  Beziehung  lassen  sich  die  Ergebnisse  der
vorliegenden  Statistik  der  deutschen  Gaswerke  vorzüglich  nach  zwei
Richtungen  verfolgen,  und  zwar
1.  bezüglich  der  Selbstkosten,  Gewinne  und  Durchschnittspreise
pro  cbm  Gas;
2.  in  den  Renten  der  deutschen  Gaswerke,  d.  h.  den  prozentualen ­
  Gewinnen  derselben,  bezogen  einerseits  auf  die
Anlage-  und  anderseits  auf  die  arbeitenden  Buchwertkapitalien. ­

Die  Nettoselbstkosten,  Zinsen,  Abschreibungen,  Bruttoselbstkosten,
Nettogewinne  und  Durchschnittseinnahmen  pro  cbm  nutzbar  abgegebenes ­
  Gas  sind  in  Tabelle  12  für  die  verschiedenen  Gaswerksgruppen
zusammengestellt.

Tabelle  12.
Nettoselbstkosten,  Brultoselbstkosten  und  Durdisdmittseinnahmen  pro  cbm
Gas  bei  den  deutschen  Gaswerken.

Gaswerke
mit  einer
Gaserzeugung ­
  von

Pro  Kubikmeter  nutzbar  abgegebenes  Gas

Netto-Gewinn

Durchschn.-



pro  cbm
nutzb.
abgeg.
Gas

Netto-Selbst-



Zinsen

Abschreibungen ­


Zinsen  und  Abschreibungen ­


Brutto-Selbst-



pro  cbm
nutzbar ­

abgeg.
Gas

in  %d.
Brutto-Selbst-

  sten

Pf.

in°/od.
Netto-Selbst-



pf.

in%d-Netto-




Pf.

in  °/„d.
Netto-Selbst-



Mill.  cbm

Pf.

Pf.

Pf.

°/o

Pf.

über  10

5,93

1,34

22,6

1,65

27,8

2,99

50,4

8,92

4,89

54,8

13,81

5-10

6,18

1,24

20,0

1,65

26,7

2,89

46,7

9,07

5,31

59,6

14,38

2—5

6,46

1,09

16,9

1,80

27,8

2,89

44,7

9,35

5,95

63,6

15,30

1—2

7,47

1,28

17,1

1,80

24,1

3,08

41,2

10,55

5,83

55,2

16,38

unter  1

8,34

2,58

30,9

2,25

27,0

4,83

57,9

13,17

4,82

36,6

17,99

Insgesamt

6,47

1,45

22,4

1,76

27,0

3,21

49,6

9,68

5,13

53,0

14,81

rd.

6,5

50  “/„

53  Vo
        <pb n="31" />
        25

Die  Nettoselbstkosten  für  1  cbm  Gas  betragen  hiernach ­
  in  Deutschland  zwischen  rd.  5,9  Pf.  bei  den  großen  Gaswerken
mit  über  10  Mill.  cbm  Gaserzeugung  und  rd.  8,3  Pf.  bei  den  kleinen
Gaswerken  mit  unter  1  Mill.  cbm  Gaserzeugung;  der  Mittelwert  der
Nettoselbstkosten  eines  cbm  Gases  ergibt  sich  in  Deutschland  zu  rd.
6,5  Pf.
Für  Zinsen  und  Abschreibungen  werden  von  den
deutschen  Gaswerken  zwischen  17  bis  31%  bzw.  24  bis  28%  der  Nettoselbstkosten ­
  des  Gases,  im  Mittel  22,4  bzw.  27,2%  und  insgesamt  somit
rd.  50%  der  Nettoselbstkosten  verausgabt.
Die  Bruttoselbstkosten  eines  cbm  Gases  betragen  in
Deutschland  zwischen  8,9  Pf.  bei  den  großen  und  13,2  Pf.  bei  den
kleinen  Gaswerken,  im  Mittel  9,7  Pf.
Der  Nettogewinn  pro  cbm  Gas  ergibt  sich  zu  4,9  bis  6,0  Pf.,
im  Mittel  zu  5,1  Pf.  und  beträgt  im  Mittel  etwa  53%der  Bruttoselbstkosten. ­

Der  Durchschnittserlös  der  deutschen  Gaswerke  pro
cbm  Gas  bewegt  sich  in  verhältnismäßig  engen  Grenzen  zwischen  13,8
und  18  Pf.  und  erreicht  im  Mittel  etwa  14,8  Pf.

Tabelle  13.
Durchsdinittseinnahmen  pro  cbm  Gas  bei  einem  angenommenen
Durchschnittsgewinn  von  30%  4er  Bruttoselbstkosten.

Gaswerke
mit  einer
Gaserzeugung ­

von

Brutto-Selbst-

  pro
cbm  nutzbar ­
  abgeg.
Gas

Durchschn.
Einnahmen
pro  cbm
nutzbar
abgeg.  Gas

Bei  einem  angenommenen  Durchschnitts-Gewinn
  von  30  %  der  Brutto-Selbstkosten

Durchschnitts- ­


pro  cbm

Durchschnitts-



nahmen  niedriger
als  gegenwärtig

pro  cbm

pro  cbm

in  Vo

Mill.  cbm

Pf.

Pf.

Pf.

Pf.

Pf.

7.

über  10

8,92

13,81

2,67

11,59

2,22

16,08

5—10

9,07

14,38

2,72

11,79

2,59

18,01

2—5

9,35

15,30

2,81

12,16

3,14

20,52

1—2

10,55

16,38

3,17

13,72

2,66

16,24

unter  1

13.17

17,99

3,95

17,12

0,87

4,84

Insgesamt

9,68

14,81

2,91

12,59

2,22

14,99

rund

9,7

14,8

2,9

12,6

15%
        <pb n="32" />
        26

Der  verhältnismäßig  hohe  Durchschnittserlös  von  14,8  Pf.  pro
*cbm  Gas  ist  wesentlich  bedingt  von  dem  hohen  Gewinn,  den  die  Gaswerke ­
  infolge  ihrer  meist  sehr  hochgestellten  Preispolitik  nehmen,  und
der  bei  den  Gaswerken  mit  über  1  Milk  cbm  Gaserzeugung  pro  Jahr
zwischen  55  und  fast  64%  der  Bruttoselbstkosten  des  Gases  liegt;  nur
die  kleinen  Gaswerke  mit  unter  1  Milk  cbm  Gaserzeugung  pro  Jahr
begnügen  sich  mit  annähernd  37%  Gewinn  von  den  Bruttoselbstkosten.
Um  zu  zeigen,  inwieweit  eine  Ermäßigung  der  Gewinnansprüche  der
Gaswerke  auf  die  Durchschnittseinnahmen  (bzw.  den  Durchschnittsgaspreis) ­
  pro  cbm  einwirkt,  sind  in  Tabelle  13  die  Durchschnittseinnahmen ­
  pro  cbm  Gas  ermittelt,  welche  sich  beispielsweise  bei  einem
Gewinn  von  30%  der  Bruttoselbstkosten  des  Gases  ergeben  würden.
Aus  dieser  Tabelle  ist  ersichtlich,  daß  sich  bei  einem  Gewinn  von
-30%  der  Bruttoselbstkosten  der  Durchschnittserlös  pro  cbm  Gas  zwischen ­
  11,6  und  17,1  Pf.  bewegen  und  im  Mittel  etwa  12,6  Pf.  gegen
tatsächlich  14,8  Pf,  betragen  würde.  Durch  eine  Herabsetzung  der
Gewinnansprüche  von  im  Mittel  53%  auf  30%  der  Bruttoselbstkosten
würde  dementsprechend  eine  Reduktion  des  Durchschnittserlöses  um
2,2  bis  3,1  Pf.  bei  den  mittleren  und  großen  Gaswerken  und  von  annähernd ­
  1  Pf.  bei  den  kleinen  Gaswerken  eintreten;  der  Durchschnittspreis ­
  des  Gases  würde  damit  eine  Ermäßigung  um  16  bis  21%  bei  den
großen  und  5%  bei  den  kleinen  Gaswerken  und  im  Mittel  bei  den  deutschen ­
  Gaswerken  um  15%  erfahren.
Ein  Urteil  über  die  Renten  der  Gaswerke,  die  allein  die  sicherste.
Beurteilung  der  Finanzwirtschaft  der  Gaswerke  ermöglichen,  geben
■die  Tabellen  14  und  15,  in  denen  die  Nettorenten,  Nettorenten  einschließlich ­
  Kapitalverzinsung  und  die  Bruttorenten  der  deutschen  Gaswerke ­
  einerseits  vom  Anlagekapital  und  anderseits  vom  Buchwertkapital ­
  zusammengestellt  sind.  Aus  diesen  beiden  Tabellen  ist  zu  ersehen, ­
  daß  die  deutschen  Gaswerke  mit  über  1  Milk  cbm  Gaserzeugung
pro  Jahr  zwischen

rd.  9  bis  10%  Nettorenten
,,  II  ,,  12%  Nettorenten  einschl.  Kapitalverzinsung
,,  14  „  15%  Bruttorenten
itmd

vom
Anlagekapital ­


rd.  14  bis  18%  Nettorenten
,,  18  ,,  23%  Nettorenten  einschl.  Kapitalverzinsung
,,  23  ,,  28%  Bruttorenten

vom
Buchwertkapital ­


-a  bwerfen.
        <pb n="33" />
        27

Tabelle  14.
Renten  der  deutschen  Gaswerke  vom  Anlagekapital.

Gaswerke
mit  einer
Gaserzeugung ­
  von

Netto-Rente

vom
Anlagekapital ­


Zinsen

Netto-Rente

einschl.
Zinsen

Abschreibung ­


Brutto-Rente

vom
Anlagekapital ­


Mill  cbm

7.

V.

7.

7.

7.

über  IO

8,89

2,44

11,33

3,00

14,33

5-10

9,66

2,25

11,91

3,00

14,91

2—5

9,92

1,81

11,73

3,00

14,73

1—2

9  71

2,14

11,85

3,00

14,85

unter  1

6,43

3,44

9,87

3,00

12,87

Insgesamt

8,76

2,48

11,24

3,00

14,24

Tabelle  15.
Renten  der  deutschen  Gaswerke  vom  Buchwertkapital.

Gaswerke
mit  einer
Gaserzeugung ­
  von

Netto-Rente

vom
Anlagekapital ­


Zinsen

Netto-Rente

einschl.
Zinsen

Abschreibung ­


Brutto-Rente

vom
Anlagekapital ­


Mill.  cbm

7.

7.

Vo

7.

0

über  10

14,03

3,85

17,88

4,74

22,62

5—10

18,32

4,27

22,59

5,69

28,28

2-5

17,28

3,15

20,43

5,16

25,59

1-2

15,67

3,45

19,12

4,84

23,96

unter  1

11,56

6,18

17,74

5,40

23,14

Insgesamt

14,54

4,12

18,66

4,98

23,64

In  ihrer  Gesamtheit  erzielen  die  deutschen  Gaswerke  die  auch
tm  vorbesprochenen  Schaustück  auf  der  Münchener  Gasausstellung
tfestgelegten  Renten  von
        <pb n="34" />
        28

1.  8,76%  Nettorente
2.  11,24%  Nettorente  einschl.  Kapitalverzinsung
3.  14,24%  Bruttorente
und
1.  14,54%  Nettorente
2.  18,66%  Nettorente  einschl.  Kapitalverzinsung
3.  23,64%  Bruttorente

vom
Anlagekapital ­

vom
Buchwertkapital. ­


Tabelle  16  gibt  zum  Schlüsse  dieser  Ausführungen  über  die  Ergebnisse ­
  der  Wirtschaftsstatistik  der  deutschen  Gaswerke  eine  Gegenüberstellung ­
  der  Bruttoselbstkosten,  Nettogewinne  und  Durchschnittseinnahmen ­
  pro  cbm  Gas  mit  den  erzielten  Renten  der  deutschen  Gaswerke ­
  vom  Anlagekapital  und  gewährt  damit  eine  Übersicht  über  die
wichtigsten  finanzwirtschaftlichen  Endergebnisse  der  deutschen  Gaswerke. ­

Tabelle  16.

Übersicht  der  Bruttoselbstkosten,  Nettogewinne  pro  cbm  Gas  und
der  Renten  der  deutschen  Gaswerke.

Durchschnitts-Einnahmen

Gaswerke
mit  einer
Gaserzeugung ­

von

Brutto-Selbst-



Netto-Gewinn


pro  cbm
nutzbar
gegeb.
Gas

Netto-Rente


bei  einer
Netto-Rente

einschließl.
Zinsen

Brutto-Rente


pro  cbm  nutzbar  abgegebenes ­
  Gas

vom  Anlagekapital

Mill.  cbm

Pf.

Pf.

Pf.

%

V.

%

über  10

8,92

4,89

13,81

8,89

11,33

14,33

5—10

9,07

5,31

14,38

9,66

11,91

14,91

2-5

9,35

5,95

15,30

9,22

11,73

14,73

1—2

10,55

5,83

16,38

9,71

11,85

14,85

unter  1

13,17

4,82

17,99

6,34

9,87

12,87

Insgesamt

9,68

5,13

14,81

8,76

11,24

14,24

Da  nach  früheren  Ermittlungen  des  Verfassers 1 )  die  durchschnittlichen ­
  Renten  der  deutschen  Elektrizitätswerke  mit  4%  Nettorente
und  10%  Bruttorente  vom  Anlagekapital  angenommen  werden  können

')  Siehe  Oreineder,  »Die  finanzwirtschaftliche  Stellung  der  kommunalen  Gaswerks-Unternehmen«, ­
  Verlag  R.  Oldenbourg,  München  1913,  sowie  »Handbuch  der
Gastechnik«,  Verlag  R.  Oldenbourg  1914.
        <pb n="35" />
        29

und  damit  wesentlich  von  den  durch  die  vorliegende  Wirtschaftsstatistik ­
  festgestellten  Renten  der  deutschen  Gaswerke  abweichen,  sind  in
folgender  Tabelle  17  die  Nettogewinne  und  Durchschnittseinnahmen
pro  cbm  Gas  ermittelt,  die  sich  bei  einer  angenommenen  Normalrente ­
  von  5%  vom  Anlagekapital  (die  vielleicht  auch
gegenwärtig  für  die  deutschen  Elektrizitätswerke  tatsächlich  zutrifft)
ergeben  würden.

Tabelle  17.
Durchschnitts-Einnahmen  pro  cbm  Gas  bei  einer  angenommenen  Normalrente ­
  von  5  %  vom  Anlagekapital.

Gaswerke
bei  einer
Gaserzeugung ­

von

Brutto-Selbst-


pro  cbm
nutzbar
abgeg.
Gas

.Nettogewinn ­

pro  cbm
nutzbar
abgeg.
Gas
bei  5%
Netto-Rente

v.A.-K.

Durchschnittseinnahmen

Durchschnittseinnahmen ­
  pro  cbm

Bei  einer  angenommenen ­

Normalrente
von  5°/ 0  v.A.-K.
Durchschnittseinnahmen ­

pro  cbm  nutzb.
abgeg.  Gas
niedriger  als
gegenwärtig

pro
cbm
nutzbar ­

abgeg.
Gas

Netto-Rente


bei  einer
Netto-Rente

einschl.
Zinsen

Brutto-Rente


nutzb.  at
der
deutschen
Gaswerke
gegenwärtig ­


geg.  Gas
bei  einer
angenommenen ­

Normalrente ­
  von
5%  vom
A.-K.

vom

Anlagekapital

Mill.  cbm

Pf.

Pf.

Pf.

V.

%

%

Pf.

Pf.

Pf.

V.

über  10

8,92

2,75

11,67

5,00

7,44

10,44

13,81

11,67

2,14

15,5

5-10

9,07

2,75

11,82

5,00

7,25

10,25

14,38

11,82

2,56

17,8

2—5

9,35

3,00

12,35

5,00

6,81

9,81

15,30

12,35

2,95

19,3

1—2

10,55

3,00

13,55

5,00

7,14

10,14

16,38

13,55

2,83

17,3

unter  1

13,17

3,75

16,92

5,00

8,44

11,44

17,99

16,92

1,07

5,95

Insgesamt

9,68

2,93

12,61

5,00

7,48

10,48

14,81

12,61

2,20

14,85

Aus  dieser  Tabelle  ist  ersichtlich,  daß  bei  einer  Normalrente  von
5%  vom  Anlagekapital  die  Durchschnittsgaspreise  der  deutschen  Gaswerke ­
  mit  über  1  Mill.  cbm  Gaserzeugung  pro  Jahr  zwischen  11,7  und
13,6  Pf.  pro  cbm  betragen  würden  und  damit  um  15  bis  19%  niedriger
wären  als  die  gegenwärtigen  Durchschnittsgaspreise.
Ein  anschauliches  Bild  von  den  Endergebnissen  vorliegender  Wirtschaftsstatistik ­
  bezüglich  der  Selbstkosten  und  Gewinne  pro  cbm  Gas
sowie  der  Renten  der  deutschen  Gaswerke  vom  Anlage-  und  Buchwertkapital ­
  geben  die  graphischen  Darstellungen  nach  Abb.  10  u.  11
dieser  Schrift.  Die  folgende  Tabelle  18  gibt  schließlich  noch  einen
Gesamtüberblick  über  die  wichtigsten  Wirtschaftsergebnisse  der
deutschen  Gaswerke  in  ihrer  Gesamtheit.
        <pb n="36" />
        Abb.  10.
Brutto-Selbstkosten  und  Netto-Qewinn  pro  cbm  Gewinn  pro  cbm  nutzbar  abgegebenen  Gases  in
pptzbar  abgegebenen  Gases.  Prozent  der  Brutto-Selbstkosten,

to
o
        <pb n="37" />
        30
28
26
26
22
20
15
16
vj  16
§
N  12
10
8
6
6
2
JL

16,33.

11,33

8,80

160!

IW

NM

i6,?3r-11,73



16,85r1

~TT8S

9.7  t

16.26

12,8?r-\

~S$7\

6,63  \

11,26

8,76

Brutto  §

Gasvierke.m'yMMo-  übertO  5-10
efn.Case/zv\nen  cbm.

30
28
28
26
22
20
18
.  16
16

28,28.

22,62t-,

NettoReJe^  ^

einschiZins.

Netto  Rente

10
8
6
6
2

17.88

1603

22,59

1802

25,59t-]

2063

17,28

2396.

19,12

15W

23,16  n

1776

0156

23M

18.66

16,56

BrutloRente

Netto  Rente
einschiZins.

Netto  Heute

2  5  1-2  unten  insgesamt  über  10
Abb.  11.

5-10  2-5

1-2  unter  1

insgesamt

Renten  der  deutschen  Gaswerke  vom  Anlagekapital, ­


Renten  der  deutschen  Gaswerke  vom  Buchwert-Kapital.
        <pb n="38" />
        —  32

Tabelle  18.
Die  Wirtschaftsergebnisse  der  deutschen  Gaswerke  pro  1912/13.

1.  Allgemeines.

Anzahl  der  deutschen  Gaswerke

1  700,

Einwohnerzahl  des  Versorgungsgebietes  d.  deutschen

Gaswerke  '  .
Jährliche  Gaserzeugung  der  deutschen  Gaswerke  .

34  699  000
cbm  2  732  955  000

Jährl.  nutzbare  Gasabgabe  der  deutschen  Gaswerke

»

2  596  307  000

2.  Kapital.

Anlagekapital  der  deutschen  Gaswerke

M.

1  521  900  000

Buchwertkapital  der  deutschen  Gaswerke  ....

»

916  600  000

3.  Selbstkosten,  Gewinn  und  Einnahmen
aus  Gas.

Nettoselbstkosten  des  erzeugten  bzw.  nutzbar  abgegebenen ­
  Gases

M.

167  874  000

Pfg./cbm
6,47

Verausgabte  Beträge  für  Zinsen

»

37  802  000

1,45

Verausgabte  Beträge  für  Abschreibungen  ....

»

45  657  000

1,76

Bruttoselbstkosten  des  erzeugten  bzw.  nutzbar  abgegebenen

  Gases

»

251  333  000

9,68

Nettogewinn  der  deutschen  Gaswerke

»

133  247  000

5,13

Einnahmen  der  deutschen  Gaswerke  für  Gas  .  .

»

384  580  000

14,81

4.  Gewinn  aus  Kapital.

Nettogewinn  der  deutschen  Gaswerke

M.

133  247  000

5,13

Verausgabte  Beträge  für  Zinsen

»

37  802  000

1,45

Nettogewinn  der  deutschen  Gaswerke  einschl.

Zinsen

»

171  049  000

6,58

Verausgabte  Beträge  für  Abschreibungen  ....

»

45  657  000

1,76

Bruttogewinn  der  deutschen  Gaswerke

216  706  000

8,34

5.  Renten  der  deutschen  C

ias  w

erke.

Art

Renten  vom
Anlage-  Buchwert
Kapital

Nettorente
Nettorente
Bruttorente

der  deutschen  Gaswerke
einschl.  Zinsen  der  deutschen  Gaswerke  .  .  .
der  deutschen  Gaswerke

V.
8,76
11.24
14.24

%
14,54
18,66
23,64
        <pb n="39" />
        III.  Die  Notwendigkeiten  für  die  künftige
Wirtschaft  der  Gaswerke.
Die  großen  Vorteile,  welche  das  Gas  für  die  zentrale  Energieversorgung ­
  auf  allen  drei  Gebieten  der  Energieversorgung,  d.  i.  der  Licht-,
Kraft-  und  Wärmeversorgung,  in  technischer,  wirtschaftlicher,  kultureller ­
  und  hygienischer  Beziehung  bietet,  wie  anderseits  die  Notwendigkeit ­
  einer  vollwertigen  Ausnutzung  der  Kohlenvorräte  lassen  es
dringend  erforderlich  erscheinen,  daß  der  Gasverwendung  neben  und
uut  der  Verwendung  der  Elektrizität  die  h  ö  c  h  s  t  m  ö  g  1  i  c  h  e  Ausbreitung ­
  gesichert  wird,  die  vor  allem  bedingt:
1*  Die  gemäßigte  Wirtschaftspolitik  und  die  öffentliche  Verwaltung
der  Gaswerke.
Der  allgemeinen  Verwendung  des  Gases,  die  besonders  auch
für  die  mittleren  und  unteren  Bevölkerungsschichten  eine  wesentliche
Verbesserung  und  Verbilligung  der  Lebenshaltung  bedeutet,  stehen  bis
heute  noch  wesentlich
L  die  hohen  Renten  der  Gaswerke  (ohne  Rücksicht
auf  die  hohen,  absoluten  Gewinnbeträge  [Überschüsse]  der
Gaswerke!)  ;
2.  die  vielfach  unbegründete  und  einseitige  Bevorzugung ­
  der  Elektrizität,  die  mit  und  neben  dem
Gase  allein  auf  der  Basis  wirtschaftlicher  und  kultureller  Berechtigung ­
  der  rationellen  Energieversorgung  zu  dienen  hat,
hindernd  im  Wege.
Es  kann  keinem  Zweifel  unterliegen,  daß  die  Gaswerke  im  kommunalen ­
  Besitz  (das  sind  nach  vorbehandelter  Wirtschaftsstatistik  rd.
67%  der  deutschen  Gaswerke  mit  rd.  82%  der  deutschen  Gaserzeugung)
uls  wirtschaftliche  Betriebe  berufen  sind,  durch  eine  höchstmögliche
■wirtschaftliche  Betriebsweise  und  durch  eine  auf  guten  Gewinn  gerichtete ­
  Preispolitik  einen  möglichst  hohen,  absoluten  Gewinn  zwecks
G  reineder,  Wirtschaft  d.  Gaswerke.  3
        <pb n="40" />
        34

Erleichterung  des  Gemeindehaushaltes  bzw.  Niedrighaltung  der  direkten
Gemeindesteuern  zu  erwirtschaften.  Ebenso  sicher  aber  ist  es,  daß
die  hohen  Renten  der  Gaswerke,  die  in  Deutschland  mit
8,76%  Nettorente  1  vom  Anlagebzw.
  11,24%  ,,  einschl.  Kapitalverzinsung  j  kapital
und
vom  Buchwertkapital ­

festgestellt  wurden,  dem  Zwecke  der  Gaswerkealsöffentliehe
  Energieversorgungsunternehmen  wie  weiter ­
  einer  rationellen  Energieversorgung  der  Allgemeinheit ­
  unmittelbar  zuwiderlaufen.
Dies  ist  um  so  mehr  der  Fall,  als  von  den  Elektrizitätswerken,
die  gemeinsam  mit  den  Gaswerken  die  allgemeine  Energieversorgung
zu  bestreiten  haben,  durchschnittlich  eine  weit  geringere  Rentabilität
als  von  den  Gaswerken  gefordert  wird.  Nach  diesbezüglichen  Ermittlungen ­
  des  Verfassers  betragen  die  Renten  der  deutschen  Elektrizitätswerke ­
  etwa  (siehe  auch  „Handbuch  der  Gastechnik“  1914):
4%  Nettorente  vom  Anlagekapital  und
5,7%  ,,  ,,  Buchwertkapital
und  damit  rd.  die  Hälfte  bis  den  dritten  Teil  der  durchschnittlichen
Renten  der  deutschen  Gaswerke.  Dasselbe  Verhältnis  ist  auch  für
viele  Gas-  und  Elektrizitätswerke  von  einzelnen  großen  Städten  zutreffend, ­
  bei  welchen  beispielsweise  die  Elektrizitätswerke  mit  5%  Nettorente ­
  vom  Anlagekapital  und  10%  Nettorente  vom  Buchwertkapital
arbeiten,  während  die  Gaswerke  der  gleichen  Stadt  8  bis  10%  vom
Anlagekapital  und  20  bis  25%  vom  Buchwertkapital  abzuwerfen  haben.
Um  der  Gasverwendung  die  größtmögliche  Ausbreitung  zu  geben,
ist  vor  allem  eine  gemäßigte  Wirtschaftspolitik  der
Gaswerke  erforderlich,  die  unter  Wahrung  hoher  absoluter  Gewinne ­
  auf  mäßige  Renten  der  Gaswerke  gerichtet  ist,  und  zwar
auf  Renten,  die  den  Renten  der  konkurrierenden  Elektrizitätswerke
desselben  Versorgungsgebietes  möglichst  gleichkommen.  Um  hierbei
die  gleich  hohen  absoluten  Gewinnbeträge  der  Gaswerke  wie  bisher
zu  erzielen  und  dieselben  auch  weiterhin  in  der  bisherigen  Weise  fortlaufend ­
  zu  steigern,  ist  die  äußerste  Steigerung  des  Gasabsatzes  mit
allen  technischen  und  kaufmännisch-wirtschaftlichen  Mitteln  die  Grundlage ­
  der  künftigen  Wirtschaftsbetätigung  der  Gaswerke.  Haben  mit
anderen  Worten  die  Gaswerke  in  Zukunft  den  „systematischen

14,54%  Nettorente
18,66%  „  einschl.  Kapitalverzinsung
        <pb n="41" />
        35

Gasvertrieb“  in  den  Vordergrund  ihrer  technischen  und  vor
allem  kaufmännischen  Betätigung  zu  stellen,  so  ist  hierzu  noch  hervorzuheben, ­
  daß  eine  gemäßigte  Wirtschaftspolitik,  wie  dies  eine  allgemeine
Gasverwendung  zur  notwendigen  Voraussetzung  hat,  wesentlich  nur
bei  öffentlicher  Verwaltung  der  Gaswerke  möglich
ist.  Nur  die  öffentlichen  Körperschaften  der  Stadt-  und  Landgemeinden
wie  auch  weiter  der  Kreise,  Provinzen  usw.  sind  auf  Grund  ihres  sozialen
Berufes  in  der  Lage  und  künftig  wohl  auch  verpflichtet,  die  Energieversorgung ­
  durch  Gas  für  die  Allgemeinheit  bei  mäßigen  Kapitalrenten
durchzuführen.  Für  private  Unternehmen  ist  und  kann  nur  die  Erzielung ­
  möglichst  hoher  Renten  maßgebend  sein,  die  aber  einer
allgemeinen  Energieversorgung  widerspricht.
Es  wäre  verfehlt,  hieraus  den  Schluß  zu  ziehen,  daß  den  privaten
Gaswerksunternehmen  künftighin  jedwede  Berechtigung  abzuerkennen
Wäre;  im  Gegenteil  kann  eine  beschränkte  Beteiligung  von  privaten ­
  Gaswerksunternehmungen  an  der  Gasversorgung,  wie  sie  in
Deutschland  besteht  und  übrigens  auch  durch  Verträge  auf  Jahrzehnte
(teilweise  auf  „ewig“)  gebunden  ist,  der  technischen  und  wirtschaftlichen ­
  ,  Entwicklung  der  Gasversorgungsindustrie  nur  nützlich  sein.
Vollste  Berechtigung,  auch  vom  Standpunkt  der  allgemeinen
Energieversorgung  durch  Gas,  besitzen  die  privaten  Gaswerksunternehmungen ­
  besonders  in  allen  den  Fällen,  wo  es  sich  um  Zusammenschluß ­
  von  kleinen  Gemeinden  zum  Zwecke  der  Gasversorgung  handelt,
Wobei  nur  zu  häufig  die  Rivalität  der  einzelnen  Gemeinden  den  natürlichen ­
  Zusammenschluß  als  kommunalen  Verband  hindert,  sowie
Weiter,  wo  es  sich  um  Aufschluß  von  sonst  schwierigen  Gebieten  für
die  Energie-  bzw.  Gasversorgung  handelt.  Stets  aber  ist  auch  in  diesen,
besonderen  Fällen  zu  erwägen,  ob  nicht  wenigstens  durch  eine  Beteiligung ­
  von  Gemeinden  die  öffentlichen  Interessen  der  Energieversorgung
besser  als  durch  die  einfache  Übertragung  gewahrt  werden  können.
Die  „gemischte,  wirtschaftliche  Unternehmung“  (g.  m.  U.),  die  in
neuester  Zeit  insbesondere  auf  dem  Gebiete  der  Elektrizitätsversorgung
s o  bemerkenswerte  Fortschritte  gemacht  hat  und  so  sehr  von  privaten
Kreisen  wie  auch  teilweise  von  öffentlichen  Stellen  gefördert  wird,
die  aber  auch  bereits  eine  sehr  energische  und  wohlbegründete  Gegnerschaft ­
  gefunden  hat,  dürfte  in  vielen  Fällen  einer  Überantwortung
a n  reine  Privatunternehmen  vorzuziehen  sein.  In  allen  Fällen  aber
bedingen  die  weitschauenden  Rücksichten  auf  die  künftige  Energieversorgung ­
  sowohl  bei  vertragsmäßiger  Übertragung  der  Energieversorgung ­
  an  private  Unternehmen  wie  bei  Gründung  gemischter  wirt-3*
        <pb n="42" />
        36

schaftlicher  Unternehmungen  die  Festlegung  möglichst  kurzfristiger
Übernahme-  bzw.  Rückkaufgelegenheiten  durch  die  öffentlichen  Körperschaften. ­
  Insbesondere  ist  bei  Abschluß  von  derartigen  Verträgen  auch
darauf  zu  sehen,  daß  den  Gemeinden  in  ihrer  Gesamtheit  nicht  die
Möglichkeit  genommen  wird,  nach  Ablauf  der  Vertragsdauer  eine
rationelle  Energieversorgung  in  eigener  Verwaltung  durchzuführen, ­
  wie  dies  etwa  durch  spätere  Aufnahme  von  privaten  oder  öffentlichen ­
  Teilhabern  mit  anderer  Vertragsdauer  oder  durch  Umklammerung ­
  des  derzeitigen  Versorgungsgebietes  durch  private  Unternehmungen
erfolgen  kann,  was  neuerdings  in  verschiedenen  Fällen  durch  Übertragung ­
  der  Gasversorgung  in  künftigen  Vorortsgemeinden  großer  Städte
an  private  Unternehmer  angebahnt  wurde.
Muß  vom  Standpunkt  der  allgemeinen  Gasversorgung  die  öffentliche ­
  Verwaltung  der  Gaswerke  durch  einzelne  Gemeinden  bzw.  durch
Zusammenschluß  mehrerer  Gemeinden  zu  einem  diesbezüglichen  Zweckverbande,
  abgesehen  von  besonders  gearteten  Fällen,  als  das  allein
zweckentsprechende  Verfahren  für  eine  künftige,  ungehinderte  Energieversorgung ­
  der  Allgemeinheit  und  zur  Ermöglichung  einer  gemäßigten
Wirtschaftspolitik  bei  normalen  Kapitalrenten  angesehen  werden,  so
dürfen  hier  nicht  die  Einwände  unerwähnt  bleiben,  welche  sich  heute
vielfach  gegen  die  öffentliche  Verwaltung  von  Gas-  und  sonstigen  Betriebswerken ­
  der  Gemeinden  richten.  Diese  Einwände  lassen  sich  wesentlich ­
  auf  die  weitverbreitete  und  viel  vertretene  Ansicht  verdichten,
daß  die  Gaswerke  (um  von  diesen  hier  in  'erster  Linie  zu  sprechen)
bei  öffentlicher  Verwaltung  nicht  den  „Gewinn  herauszuwirtschaften“
vermöchten,  den  private  Unternehmer  erzielen  würden.  Muß  schon
einer  derartigen  Behauptung  in  dieser  Allgemeinheit  auf  Grund  der
tatsächlichen  wirtschaftlichen  Ergebnisse  von  Gaswerken  wie  auch  von
Elektrizitätswerken  (siehe  diesbezüglich  auch  die  vergleichende  Zusammenstellung ­
  der  Renten  der  privaten  und  gemeindlichen  Elektrizitätswerke ­
  nach  der  „Statistik  der  Vereinigung  der  Elektrizitätswerke“
in  der  bereits  erwähnten  Schrift  des  Verfassers  über  „Die  finanzwirtschaftliche ­
  Stellung  der  kommunalen  Gaswerksunternehmen“)  entgegengetreten ­
  werden,  so  ist  dem  auch  entgegenzuhalten,  daß  sich  dies  auch
im  einzelnen  Falle  kaum  beweisen  läßt.  Selbst  wenn  in  einzelnen  Fällen
dieser  Nachweis  beim  Übergang  von  Gaswerken  aus  dem  privaten  in
den  öffentlichen  Besitz  versucht  wurde,  kann  ein  solcher  kaum  als
zwingend  erachtet  werden,  denn  durchweg  ist  in  solchen  Fällen  die
Wirtschaftsgrundlage  infolge  vorgenommener  großer  Erweiterung  der
Werksanlagen,  sozialer  und  wirtschaftlicher  Besserstellungen  der  Ar ­
        <pb n="43" />
        37

beiter,  Ausdehnung  des  Rohrnetzes  auch  in  weniger  ertragsfähige  Gebiete ­
  u.  a.  m.  wesentlich  geändert  worden.  Der  Beamtenstab  der  kommunalen ­
  Betriebswerke  wie  der  Gaswerke  im  besonderen  ist  heute
sehr  allgemein  ein  durchaus  hochwertiger  zu  nennen,  und  es  widerspricht
der  besseren  Einsicht,  daß  die  Leiter  wie  die  nachgeordneten  Beamten
kommunaler  Werke  weder  bezüglich  ihrer  wissenschaftlichen  und  praktischen ­
  Befähigung  noch  in  ihrer  geschäftlichen  Initiative  hinter  den
Leitern  und  Beamten  privater  Unternehmungen  zurückstehen.  Eines
aber  muß  anerkannt  werden,  und  darauf  stützt  sich  auch  großenteils
die  Meinung  der  großen  Mehrheit,  daß  die  Leiter  kommunaler  Werke
einerseits  nicht  die  Freiheit  des  Handelns  in  geschäftlichen  Angelegenheiten ­
  und  anderseits  nicht  den  privatwirtschaftlichen  Anreiz  für  ihre
persönlichen  Leistungen  besitzen,  welche  beide  die  Leiter  privater
Unternehmungen  die  bestmöglichen,  wirtschaftlichen  Ergebnisse  der
Unternehmungen  erzielen  lassen.  Hiergegen  ist  zunächst  festzustellen,
daß  es  grundsätzlich  keinen  unüberwindlichen  Schwierigkeiten  begegnet,
dem  anerkannt  tüchtigen  Leiter  kommunaler  Betriebswerke  auch  im
Rahmen  kommunaler  Verwaltungen  die  Stellung  zu  geben,  die  ihn
persönlich  und  finanziell  befriedigt  und  die  ihm  vor  allem  in  geschäftlicher ­
  Beziehung  eine  ganz  ähnliche  Bewegungsfreiheit  gibt,  wie  sie  der
Direktor  bzw.  Vorstand  privater  Unternehmungen  gegenüber  dem  Aufsichtsrat ­
  bei  Aktiengesellschaften  besitzt.  Es  kann  nicht  die  Aufgabe
sein,  hier  auf  diesbezügliche  Erwägungen  näher  einzugehen,  und  es
soll  daher  auf  die  Ausführungen  des  Verfassers  im  „Handbuch  der
Gastechnik“ 1 )  sowie  insbesondere  auf  die  vorzügliche  Schrift  von
Wippennann 2 )  über  die  Zukunft  der  kommunalen  Betriebe  verwiesen
Werden.
2.  Der  systematische  Gasvertrieb.
Sind  die  Grundlagen  für  eine  allgemeine  Energieversorgung  mit
Gas  wesentlich  durch  eine  gemäßigte  Wirtschaftspolitik
rnit  Bezug  auf  die  Renten  der  Gaswerke  sowie  durch  eine  weitgehende ­
  öffentliche  Verwaltung  der  Gaswerke  gegeben,  so
niuß  auf  dieser  Grundlage  der  „systematischeGasvertrieb“
durch  die  Gaswerke  alle  die  zahlreichen  und  vielgestaltigen  Wege  ebnen,
die  zu  der  im  volkswirtschaftlichen  und  kulturellen  Interesse  liegenden
a llgemeinen  Verwendung  des  Gases  und  damit  im  berechtigten,  wirt-*)
  Handbuch  der  Gastechnik,  herausgegeben  v.  Dr.  E.  Schilling  u.  Dr.  H.  Bunte,
Verlag  R.  Oldenbourg,  München  1914.
2 )  Wippermann,  »Die  Zukunft  der  kommunalen  Betriebe«,  Berlin  1912.
        <pb n="44" />
        38

schaftlichen  Ausgleich  der  Gasversorgung  mit  der  Elektrizitätsversorgung
zu  einer  rationellen  Energieversorgung  der  Allgemeinheit  führen.
Wird  die  a  11  g  e  m  e  i  n  e  Wertschätzung  des  Gases  und  die  Förderung ­
  seiner  Verwendung  unter  Abwehr  unberechtigter  Angriffe  bereits
nach  Möglichkeit  durch  die  „Zentrale  für  Gasverwertung“  gemäß  ihrer
Bestimmung  wahrgenommen,  so  müssen  diese  Bestrebungen  ihre  wesentliche ­
  Unterstützung  durch  die  örtliche  Initiative  der  einzelnen
Gaswerke  finden.  Darüber  hinaus  aber  obliegt  den  einzelnen  Gaswerken ­
  die  Pflicht,  durch  örtliche  Maßnahmen  und  nach  kaufmännisch-wirtschaftlichen ­
  Grundsätzen  den  Gasabsatz
durch  systematische  Verfolgung  neuer  Absatzquellen,  Erleichterungen
des  Gasbezuges,  Bemühungen  für  die  gute  und  bequeme  Gasbenutzung
wie  durch  entsprechende  Ausgestaltung  der  Tarife  zu  erweitern.  Aus
diesen  Erwägungen  heraus  ergibt  sich  für  die  größeren  und  vor  allem
die  großen  Gaswerke  die  Notwendigkeit,  neben  den  bestehenden  technischen ­
  und  kaufmännischen  Abteilungen  der  Verwaltung  besondere  Abteilungen ­
  für  den  Gasvertrieb,  „Gasvertriebsabteilungen“,  zu  errichten, ­
  denen  der  systematische  Gasvertrieb  in  allen  Teilen  und  Einzelheiten ­
  obliegt.  Einige  große  städtische  und  private  Gaswerksunternehmungen ­
  sind  in  der  angegebenen  Richtung  bereits  vorgegangen;
in  anderen  Städten  befinden  sich  gleichartige  Bestrebungen  im  Gange,
sodaß  zu  erwarten  steht,  daß  wenigstens  zunächst  bei  den  großen
Werken  der  systematischen  Förderung  des  Gasabsatzes  im  Interesse
der  Allgemeinheit,  der  einzelnen  Energieverbraucher  wie  der  Gaswerke
und  der  Gemeinde  in  nächster  Zeit  voll  Rechnung  getragen  wird.  Aber
auch  die  mittleren  und  kleineren  Gaswerke  werden  in  wachsendem
Maße  ihr  Vorgehen  für  die  Erweiterung  des  Gasabsatzes  im  gleichen
Sinne  orientieren  und  damit  auf  der  ganzen  Linie  die  Grundlage  für
eine  rationelle  Energieversorgung  schaffen,  an  der  Gas  und  Elektrizität,
entsprechend  ihrer  wirtschaftlichen  Berechtigung,  teilnehmen,  wie  dies
im  volkswirtschaftlichen  Interesse  liegt.
Die  Bedeutung  der  zu  schaffenden  Gasvertriebsabteilungen  der
Gaswerke  und  entsprechender  Organisationen  an  mittleren  und  kleineren
Gaswerken  ist  aus  deren  Aufgehen  zu  ersehen.  Die  nächstliegende
Hauptaufgabe  der  Gasvertriebsabteilungen  besteht  in  der  systematischen ­
  Aufklärung  der  Allgemeinheit  über  das  Gas  und  die
Gasverwendung  in  Wort  und  Schrift,  so  durch  Lehrvorträge  für  die
Allgemeinheit  wie  für  einzelne  Interessentengruppen,  durch  Berichte
an  die  Tages-  und  Fachpresse,  und  zwar  vor  allem  an  die  Lokalpresse
und  die  einheimischen  Vereinsorgane.  In  entsprechender  Ergänzung
        <pb n="45" />
        39

tritt  hierzu  die  Unterhaltung  guter  Beziehungen  zu  den  einzelnen  Interessentengruppen ­
  der  Gasabnehmer,  der  Fachbeteiligten  im  Handwerk,
dem  Gewerbe  und  der  Industrie  sowie  die  eventuelle  Vornahme  gemeinsamer ­
  Arbeiten  auf  dem  Gebiete  der  Gasverwendung  und  das  unmittelbare ­
  Aufsuchen  von  Anwendungsarten  des  Gases  bei  den  einzelnen
Interessenten.
Das  zweite  große  Arbeitsgebiet  der  Gasvertriebsabteilungen  liegt
in  der  systematischen  Überwachung  aller  der  Gelegenheiten,  die  neue
Absatzmöglichkeiten  bieten.  Diesbezüglich  sind  vor  allem  gut  ang/egte
und  den  jeweiligen  örtlichen  Verhältnissen  angepaßte  statistische  Nachweisungen ­
  über  Art  und  Umfang  der  Gasverwendung  bei  den  einzelnen
Gasabnehmern,  für  den  häuslichen,  gewerblichen  und  industriellen
Bedarf,  über  Neubauten,  Neuanlagen  von  gewerblichen  und  industriellen ­
  Unternehmungen,  deren  Erweiterung  u.  a.  m.  erforderlich.
In  welcher  Weise  allen  diesen  Anforderungen  in  einfachster  und  zweckentsprechender ­
  Weise  nachgekommen  werden  kann,  unterliegt  in  außerordentlichem ­
  Maße  den  besonderen  örtlichen  Verhältnissen;  es  ist  eine
feinfühlige  Angelegenheit,  insbesondere  den  Überwachungsdienst  für
den  Privatgasverbrauch  gut  und  sicher  durchzuführen,  der  auch  volles
Vertrautsein  mit  den  lokalen  Ansprüchen  und  Lebensgewohnheiten  der
Bevölkerung  bedingt.
Schließlich  haben  die  Gasvertriebsabteilungen  der  Einrichtung  und
Durchbildung  der  ständigen,  örtlichen  Gasausstellung  vollste  Aufmerksamkeit ­
  zuzuwenden  und  diese  zur  Erzielung  eines  fortdauernden ­
  Interesses  des  Publikums  nach  kaufmännisch-wirtschaftlichen
Grundsätzen  laufend  ayszugestalten.  ln  engstem  Zusammenhänge  hiermit ­
  steht  dann  noch  die  laufende  Verfolgung  aller  Neuerungen  a,uf
dem  weiten  Gebiet  der  Gasverwendung  in  Literatur  und  Praxis  sowie
die  eigene  Überprüfung  derselben  in  einer  besonderen  Versuchsanlage.
Natürlich  steht  die  Gasvertriebsabteilung  unter  der  unmittelbaren
Leitung  der  Direktion  der  Gaswerke  und  steht  mit  dieser  als  kaufmännisch-wirtschaftliche ­
  Spezialabteilung  in  fortdauernder,  engster  Fühlungnahme ­
  bei  Durchführung  wirtschaftlicher  Verwaltungsmaßnahmen,
für  deren  Zwecke  diese  die  erforderlichen  Unterlagen,  beispielsweise
in  finanzwirtschaftlichen  und  Tarifangelegenheiten,  zu  liefern  hat.
Ist  schon  aus  den  hier  skizzierten  Aufgaben  der  Gasvertriebsabteilungen ­
  zu  erkennen,  in  welcher  Richtung  sich  der  systematische
Gasvertrieb  zu  bewegen  hat,  so  sollen  nunmehr  die  Grundlagen  für  den
künftigen  systematischen  Gasvertrieb  allgemein  und  in  den  wesentlichen ­
  Einzelheiten  besprochen  werden.
        <pb n="46" />
        40

a)  Die  systematische  Aufklärung  als  Mittel  für  den
Gasvertrieb.
Der  systematische  Gasvertrieb  muß  vor  allem  auf  eine  sorgfältige,
aufklärende  Tätigkeit  über  die  Gasverwendung  gegründet  werden.  Da
der  Anschauungsunterricht  am  sichersten  und  überzeugendsten  wirkt,
soll  sich  die  Aufklärung  über  das  Gas  auf  eine  gut  durchgebildete,  ständige ­
  Gasausstellung  stützen.  Eine  derartige  Gasausstellung  soll  in
allen  wesentlichen  Teilen  zeigen,  was  mit  Gas  geleistet  werden ­
  kann  und  darf  weder  Museum  noch  Warenlager  sein.  In  der
natürlichen  Art  soll  die  Verwendung  des  Gases  in  entsprechend  ausgestatteten ­
  Räumen  (Kojen  usw.)  und  unter  Verwendung  ansprechender ­
  Apparate  in  den  verschiedenen  Anwendungsformen  vorgeführt
werden,  so  daß  der  Beschauer  ohne  weiteres  Klarheit  über  die  Verwendung ­
  im  einzelnen  gewinnt  und  den  gewünschten  Anreiz  zur  Anwendung ­
  des  Gesehenen  erhält.  Dem  gewandten  Geschäftsmanne  ist  in
einer  derartigen  Ausstellung  ein  unerschöpflicher  Born  gegeben,  das
Interesse  des  Publikums  fortdauernd  zu  erregen  und  wach  zu  halten,
so  daß  sich  die  Kosten  einer  derartigen  sinnfälligen  Propaganda  reichlich ­
  verzinsen;  jeder  praktische  Geschäftsmann  weiß,  daß  die  Kosten
einer  vornehmen,  wirksamen  Reklame  nie  zu  hoch  sind  und  die  reichsten ­
  Früchte  tragen.
Der  Besucher  der  Gasausstellung  soll  auch  in  jedem  einzelnen  Fall
der  Gasanwendung  Aufschluß  über  die  Kosten  der  Einrichtung  und  den
klaren  Wirtschaftsnachweis,  besonders  auch  bezüglich  des  Gasverbrauches ­
  und  dessen  Kosten  in  aufgestellten,  einfachen  Tafeln  und
Tabellen  finden  und  diesen  womöglich  selbst  vermittelst  angeschlossener ­
  Gasmesser  nachprüfen  können.
Schließlich  ist  auch  noch  die  Personalfrage  bei  der  Gasausstellung
eine  wichtige  Angelegenheit,  denn  der  Gasinteressent  muß  in  der  Ausstellung ­
  Gelegenheit  haben,  fach-  und  sachgemäße  Aufschlüsse  über
-jede  Art  der  Gasverwendung,  Handhabung  der  Apparate,  unparteiische
Unterweisung  für  den  eventuellen  Einkauf  u.  a.  m.  erhalten  können
und  das  sichere  Gefühl  gewinnen,  bestens  beraten  zu  sein.
Eine  wesentliche  Ergänzung  erfährt  die  Selbstbelehrung  des  Ausstellungsbesuchers ­
  und  die  Einzelbelehrung  durch  das  Ausstellungspersonal ­
  durch  die  Lehrvorträge  mit  Kochvorführungen,  wie  solche  die
größeren  Gaswerke  heute  schon  vielfach  durch  hierfür  angestellte  Lehrdamen ­
  und  mittlere  und  kleinere  Werke  unter  Zuhilfenahme  der  Lehrdamen ­
  der  Zentrale  für  Gasverwertung  abhalten  lassen.  Diese  Vorträge,
        <pb n="47" />
        41

die  fast  ausschließlich  auf  Hebung  des  Kochgasverbrauches  gerichtet
sind,  haben  sich  als  sehr  wirksam  erwiesen,  besonders  auch  dann,  wenn
sie  auf  Vorträge  und  Kochübungen  für  einzelne  Interessentengruppen,
so  für  Hausfrauen,  Köchinnen,  Schülerinnen  u.  a.  bei  beschränkter
Teilnehmerzahl  ausgedehnt  wurden.
Zur  Propagierung  der  übrigen  Arten  der  Gasverwendung,  so  für
private  und  geschäftliche  Beleuchtungszwecke,  für  die  häusliche,  gewerbliche ­
  und  industrielle  Verwendung  des  Gases  zu  Heizungszwecken
aller  Art  sowie  für  Kraftzwecke  setzt  die  Tätigkeit  der  Gasvertriebsabteilung ­
  ein,  deren  fachwissenschaftlicher  Leiter  mit  den  etwaigen
Hilfskräften  in  allgemeinen  Vorträgen  und  öffentlichen  Besprechungen
mit  den  verschiedenen  Interessentengruppen  die  fraglichen  Gebiete
sicher  und  gewandt  behandelt  und  zu  Versuchen  in  der  Praxis  den
Interessenten  zur  Verfügung  steht.
b)  Erleichterung  des  Gasbezuges  als  Mittel  für  den
Gasvertrieb.
Ist  durch  die  systematische  Aufklärung  in  der  vorbesprochenen
Weise  die  Erweiterung  des  Gasabsatzes  vorbereitet,  so  findet  dieselbe
ihre  natürliche  Ergänzung  durch  die  möglichste  Erleichterung
des  Gasbezuges.  Es  mag  den  Anschauungen  früherer  Zeiten
entsprochen  haben,  einen  Gasanschluß  mit  möglichst  vielen  Auflagen,
Anliegergebühren,  Sicherstellungen  usw.  zu  gewähren  und  die  Gasabnahme ­
  durch  hohe  Gasmessermieten,  Haupthahnmieten  und  Ähnliches
zu  belasten.  Im  vollen  Gegensatz  hierzu  werden  die  Gaswerke  jetzt
und  künftighin  in  stets  zunehmendem  Maße  an  die  Gasinteressenten
und  die  Gasverbraucher  herantreten  und  nach  kaufmännischen  Gesichtspunkten ­
  jede  nur  irgend  mögliche  Erleichterung  des  Gasbezuges
geben.  Statt  Auflagen  werden  die  Gaswerke  im  allgemeinen  wie  im
Wohlverstandenen  eigenen  Interesse  durch  weitgehende  Kreditgewährung ­
  den  Gasverbrauchern  entgegenkommen  und  die  hohen  Mietbeträge
für  Gasmesser  usw.  nach  Möglichkeit  einschränken,  wenn  nicht  beseitigen. ­
  Nach  diesen  Gesichtspunkten  ist  vor  allem  die  Verlegung  von
Straßenrohrleitungen  ohne  Heranziehung  der  Anlieger  vorzunehmen  und
Hausanschlüsse  aus  denselben  Gründen  kostenlos  herzustellen,  ähnlich
wie  auch  der  private  Geschäftsmann  dem  Abnehmer  die  Waren  ohne  besondere ­
  Berechnung  ins  Haus  bringt.  Steigeleitungen  im  Hause  sind  von
den  Gaswerken  zum  Selbstkostenpreis  oder  doch  mit  mäßigem  Aufschlag
herzustellen,  denn  es  widerspricht  den  Zwecken  der  allgemeinen  Energieversorgung, ­
  daß  die  Gaswerke  neben  dem  Gasverkauf  ein  Geschäft
        <pb n="48" />
        42

aus  der  Herstellung  von  Zuführungsleitungen  machen  und  damit  den
Gasbezug  erschweren.  Von  dem  gleichen  Standpunkte  wäre  die  Herstellung ­
  der  Steigeleitungen  für  weniger  bemittelte  Hausbesitzer  (in
begründeter  Auswahl)  sowie  für  Baugesellschaften,  Genossenschaften
und  ähnliche  auf  Wunsch  gegen  Ratenrückzahlung  herzustellen.  Verzichtet ­
  aber  das  Gaswerk  zugunsten  privater  Unternehmer  und  Handwerker ­
  ganz  oder  teilweise  auf  die  Herstellung  der  Steigeleitungen,  so
wäre  auf  alle  Fälle  eine  mäßige  Berechnung  der  Steigeleitungen  durch
fest  vereinbarte  Sätze  zwischen  dem  Gaswerk  und  den  privaten  Unternehmern ­
  zu  sichern,  die  diesem  trotz  allem  einen  guten  Gewinn  ermöglichen. ­
  Es  ist  hierbei  durchaus  zweckentsprechend,  daß  das  Gaswerk
als  der  Besteller  der  Steigeleitungen  auftritt  und  der  Gasabnehmer
die  Herstellungskosten  an  das  Gaswerk  entweder  in  einer  Summe  oder
gegebenenfalls  in  Raten  zahlt.  Besteht  für  das  Gaswerk  bezüglich
der  Steigeleitungen  als  Teil  der  allgemeinen  Zuführungsanlage  ein  erhöhtes ­
  Interesse  an  der  guten  und  zweckentsprechenden  Herstellung
zu  mäßigen  Preisen,  so  gilt  dies,  wenigstens  in  beschränktem  Maße,
auch  für  die  Innenleitungen,  d.  h.  den  Verteilungsleitungen  in  den
Wohnungen.  Das  Gaswerk  hat  auch  hierbei  ein  Interesse,  daß  der
Gasbezug  vor  allem  für  die  einfacheren  und  mittleren  Wohnungen
nicht  durch  zu  hohe  Forderungen  der  Privatunternehmer  erschwert
wird,  so  daß  es  sich  zum  Vorteil  solider  Privatunternehmer  bzw.  Handwerker ­
  auch  bei  Herstellung  der  Innenleitungen  empfiehlt,  daß  das
Gaswerk  die  Vermittlung  zu  guten  Preisen  übernimmt.  Natürlich  muß
sowohl  bei  der  Übertragung  der  Herstellung  der  Steigeleitungen  wie
der  Innenleitungen  der  geschäftlichen  Initiative  der  Privatunternehmer
vollkommen  freie  Hand  gelassen  sein.  Der  Handwerker  oder  private
Unternehmer,  der  den  Kunden  für  den  Gasbezug  gewinnt,  erhält  auch
von  vornherein  die  Ausführung  der  Leitungen;  in  den  anderen  Fällen
hat  der  künftige  Gasabnehmer  natürlich  die  Wahl  für  den  Installateur
oder,  wenn  dieser  von  diesem  Recht  nicht  Gebrauch  macht,  wird  die
Verteilung  der  Arbeiten  unter  einer  beschränkten  Zahl  von  Installateuren ­
  für  jeden  B  e  z  i  r  k  in  irgendeiner  geeignet  erscheinenden  Weise,
eventuell  durch  das  Los,  vorgenommen.  Hier  verdient  wohl  auch  der
Grundsatz  Erwähnung,  daß  die  Installateure  als  die  besten  Akquisiteure
anzuerkennen  und  zu  halten  sind.  Bei  dem  erwähnten  Vermittlungsverfahren ­
  kann  im  Bedarfsfälle  die  Herstellung  der  Innenleitungen ­
  ebenso  wie  der  Steigeleitungen  gegen  Ratenrückzahlung  zugebilligt ­
  und  damit  jede  Belastung  des  privaten  Unternehmers  vermieden
werden;  der  private  Unternehmer  aber  hat  sowohl  bei  Bar-  wie  bei
        <pb n="49" />
        43

Ratenrückzahlung  des  Gasabnehmers  den  großen  Vorteil,  daß  er  auf
sichere  Zahlung  und  ohne  Schwierigkeiten  rechnen  kann,  womit  eine
beachtenswerte  Entlastung  seiner  Geschäftsspesen  und  die  Ermöglichung
billigerer  Lieferungen  verbunden  ist.
Neben  den  vorbesprochenen  Erleichterungen  des  Gasbezuges  durch
kostenlose  Herstellung  der  Haupt-  und  Anschlußleitungen  und  der
Verbilligung  der  Steige-  und  Innenleitungen  in  Verbindung  mit  weitgehender ­
  Kreditgewährung  ist  vom  sozialpolitischen  Standpunkt  besonders ­
  noch  die  Gasverwendungin  den  Kleinwohnungen, ­
  also  etwa  den  Wohnungen  bis  zu  drei  Räumen,  durch  weitgehende ­
  Kreditgewährung  für  die  gesamte  (einfache)  Gasinneneinrichtung ­
  einschließlich  der  Gasverbrauchsapparate  bzw.  auch  durch  Vermietung ­
  der  kompletten  Gaseinrichtung  zu  bewirken.  Die  sog.  Kleingasabnehmer ­
  in  den  Kleinwohnungen,  für  welche  das  Gas  als  billigste,
wirtschaftliche  und  vielseitig  verwendbare  Energiequelle  eine
wesentliche  Verbesserung  der  Lebenshaltung  bringt,  sind  vielfach  nicht
in  der  Lage  und  auch  nicht  willens,  die  für  sie  ansehnlichen  Kosten  der
Gaseinrichtung  zu  übernehmen  und  sind  dadurch  zurzeit  noch  weitgehendst ­
  vom  Gasbezuge  ausgeschlossen.  Erst  in  den  letzten  Jahren
macht  die  Gasverwendung  in  den  Kleinwohnungen  durch  die  Verwendung ­
  der  Gasautomaten  bessere  Fortschritte,  wobei  die  Kosten  der
vom  Gaswerk  gelieferten  Gaseinrichtung  durch  einen  Aufschlag  von
5  bis  10%  der  Anlagekosten  in  den  „Automatengaspreis“  verrechnet
sind.  Es  unterliegt  keinem  Zweifel,  daß  die  Gasautomaten,  wie  auch
deren  Erfolg 1 )  zeigt,  eine  große  Bedeutung  für  das  Gaswerk  durch  die
Sicherung  des  Gasgeldeinganges  und  für  den  Kleingasabnehmer  durch
die  Ermöglichung  der  gewohnten  Zahlungsweise  für  Brennmaterial  im'
Umfange  des  jeweiligen  Bedarfes  besitzen  und  daher  in  vielen  Fällen
durchaus  berechtigt  für  den  Gasverkauf  in  den  fraglichen  Bevölkerungsschichten ­
  sind.  Soweit  sich  jedoch  diese  Bevölkerungsschichten  mehr
oder  weniger  rasch  von  dem  Kleineinkauf  entwöhnen,  ist  aus  wirtschaftlichen ­
  Gründen  die  direkte  Vermietung  der  kompletten  Gaseinrichtung ­
  für  die  Kleinwohnungen  in  Erwägung  zu  ziehen,  die  mit  Rücksicht ­
  auf  die  nahezu  50  bis  100  %  höheren  Kosten  der  Gasautomaten
gegenüber  normalen  Gasmessern  eine  wesentliche  Verbilligung  der  tatsächlichen ­
  Mietbeträge  ermöglicht.  Ebenfalls  muß  es  als  durchaus
verfehlt  bezeichnet  werden,  in  den  sog.  Automatengaspreis  auch  die
Verzinsung  und  Abschreibung  der  Gas-  (Innen-)  Leitungen  sowie  sogar
0  Siehe  den  Artikel  »Qausautomat«  des  Verfassers  im  Handwörterbuch  der
Kommunalwissenschaften,  Verlag  G.  Fischer-Jena,  1914.
        <pb n="50" />
        44

der  Steigeleitungen  einzurechnen  und  dadurch  den  minderbemittelten
Gasabnehmer  durch  einen  verhältnismäßig  hohen  Gaspreis  zu  belasten.
Steige-  und  Innenleitungen  fallen  rechtlich  dem  Hausbesitzer  zur  Last,
in  dessen  Besitztum  diese  liegen,  und  der  dessen  Vorteile  durch  die
bessere  Vermietungsfähigkeit  der  Wohnungen  genießt.  Anstatt  Automatengaseinrichtungen ­
  mit  verhältnismäßig  hohen  Automatengaspreisen
sind  hiernach  wirtschaftlich,  vor  allem  in  den  Häusern  mit
Kleinwohnungen  sowie  auch  in  sonstigen  Bedarfs  fällen,  die  Steigeund
  Innenleitungen  dem  Hausbesitzer  entweder  auf  Kredit  und  gegen
Ratenrückzahlung  oder  gegen  Miete  bereitzustellen  und  dem  Kleingasabnehmer ­
  ausschließlich  die  Gasmesser  mit  den  Gasverbrauchsapparaten ­
  zu  vermieten,  wobei  die  Miete  in  der  Höhe  der  notwendigen ­
  Verzinsung  und  Abschreibung  ebenso  wie  beim  „Automatengaspreis“ ­
  in  den  „Kleinwohnungsgaspreis“  eingerechnet  sein  kann.
Durch  die  Kreditgewährung  in  der  vorbesprochenen  Weise  können
die  Gaswerke,  die  in  Deutschland  gegenwärtig  erst  rund  den  zehnten
Teil  der  Einwohner  des  Gasversorgungsgebietes  zu  ihren  Gasabnehmern
zählen  (in  England  20  bis  25%),  den  Gasabsatz  noch  außerordentlich
erhöhen  und  vor  allem  auch  das  weite  Gebiet  der  Kleingasversorgung
aufschließen,  womit  sie  daneben  eine  Tat  von  größter  sozialer  Bedeutung
erfüllen.  Die  Kreditgewährung  erleichtert  die  Gewinnung  von  Gasabnehmern ­
  und  besonders  der  Kleingasabnehmer  weit  mehr  als  niedrige
Gaspreise,  denn  in  den  einfachen  Bevölkerungsschichten  besteht  teils
volles  Unvermögen,  teils  aber  auch  nur  eine  große  Scheu  vor  der  einmaligen, ­
  größeren  Ausgabe,  während  diesen  die  Bestreitung  laufender
Ausgaben  weit  leichter  fällt.  Bei  entsprechender  Auslese  haben  die
Gaswerke  durch  die  Kreditgewährung  keine  zu  starke  Belastung  zu
befürchten,  dies  um  so  weniger,  als  die  einsetzende  starke  Absatzvermehrung ­
  eine  finanzwirtschaftliche  Stärkung  des  Unternehmens  mit
sich  bringt  und  weil  es  sich  in  den  meisten  Fällen,  vor  allem  gegenüber
den  Hausbesitzern,  um  kurzfristige  Ratenrückzahlung  von  ein  bis  drei
Jahren  handelt,  die  bei  derartig  sicheren  Geschäften  auch  von  soliden
Privatunternehmern  gegeben  werden  kann.
Verhältnismäßig  wenig  Eingang  hat  bisher  die  Vermietung  kompletter ­
  Gaseinrichtungen  für  Geschäfte  und  öffentliche  Lokale  gefunden,
die  sowohl  an  sich  wie  mit  Rücksicht  auf  den  oft  häufigen  Wechsel
in  den  Mietern  von  Geschäftslokalen  und  den  Pächtern  öffentlicher
Lokale  bei  energischer  Förderung  sehr  wohl  geeignet  ist,  vor  allem  der
Gasbeleuchtung  die  berechtigte  Stellung  im  Geschäftsleben  und  im  öffentlichen ­
  Verkehr  zu  geben,  die  ihr  durch  das  Hängelicht,  das  Preßgas-
        <pb n="51" />
        45

und  Niederdruckstarklicht  als  technisch  und  dekorativ  mindestens
gleichwertige,  dabei  aber  wirtschaftlich  meist  stark  und  oft  ums  Vielfache ­
  überlegene  Beleuchtung  gegenüber  der  elektrischen  Beleuchtung
zukommt.
Ein  sehr  wirksames  Mittel  zur  Förderung  des  Gasabsatzes  ist
weiterhin  die  Vermietungvon  Gasverbrauchsapparaten ­
  sowie  eventuell  der  beschränkte  Verkauf  von  Gasverbrauchsapparaten ­
  gegen  Ratenzahlung  oder  Kaufmiete.  Durch  diese  beiden
Einrichtungen  ist  den  weniger  leistungsfähigen  Gasinteressenten  wie
auch  dem  sog.  Mittelstand,  der  sich  vielfach  nicht  gerne  zu  größeren
Ausgaben  bereit  findet,  Gelegenheit  zu  allgemeiner  und  vielseitiger
Gasbenutzung  gegeben.  Soweit  es  mit  Rücksicht  auf  eine  zu  große
Konkurrenz  gegenüber  Privatgeschäften  nicht  angebracht  erscheint,
allgemein  eine  Vermietung  von  einfachen  Gasverbrauchsapparaten, ­
  so  von  einfachen  Lampen,  guten  Kochern,  Gasherden  in
einfacher  Ausführung,  Plätteinrichtungen,  Waschmaschinen  usw.  zur
Einführung  zu  bringen,  sollte  die  Vermietung  dieser  Apparate  doch
mindestens  gewissen,  weniger  bemittelten  Kreisen  zugänglich  gemacht
werden,  wozu  sich  je  nach  den  besonderen  örtlichen  Verhältnissen
verschiedene  Wege,  vor  allem  durch  Beschränkung  der  Vermietung
an  Inhaber  von  Wohnungen  bis  zu  einer  bestimmten  Größe  (Anzahl
der  Räume,  Quadratmeter)  einschlagen  lassen.  In  anderen  Fällen  aber
kann  es  auch  von  seiten  der  Privatgeschäfte  und  Installateure  keinen
zu  großen  Bedenken  begegnen,  wenn  das  Gaswerk  zur  erleichterten
Einführung  gewisser  Gasverbrauchsapparate,  z.  B.  von  Gasöfen,  Waschmaschinen, ­
  gewisser  Arten  von  Warmwasserbereitern  und  Ähnlichem
je  nach  Zeit  und  Umständen  eine  Vermietung  derartiger  Apparate
vornimmt.  Die  Miete  kann  auch  zu  einer  Kaufmiete  ausgestaltet  werden, ­
  wobei  der  Mieter  nach  Leistung  von  gewissen,  eventuell  erhöhten
Mietbeträgen  in  den  Besitz  der  betreffenden  Gegenstände  eintritt.  Bei
dem  eventuellen  Verkauf  gegen  Ratenzahlung,  der  jedoch  bei  Einführung ­
  der  Kaufmiete  im  allgemeinen  entbehrlich  ist,  können  sich  die
Gaswerke  ähnlich  wie  bei  Inneninstallationen  auch  der  Vermittlung
der  Privatgeschäfte  und  Installateure  bedienen,  um  einerseits  eine
Konkurrenz  mit  Privaten  vollständig  zu  vermeiden  und  anderseits
selbst  nur  ein  kleines  Musterlager  halten  zu  müssen.
Zur  erleichterten  Einführung  der  den  besten  elektrischen  Bogenlampen ­
  an  Stärke,  Wirtschaftlichkeit  wie  ästhetischer  Wirkung  überlegenen ­
  Preßgaslampen  empfiehlt  es  sich  schließlich  noch  sehr,  daß  die
Gaswerke  die  Errichtung  von  eventuell  gemeinschaftlichen  Preßgas-
        <pb n="52" />
        46

Stationen  für  private  Geschäfte,  öffentliche  Lokale  usw.  nach  Möglichkeit ­
  fördern  und  in  Straßen  mit  öffentlicher  Preßgasbeleuchtung
auch  den  Anschluß  von  Privaten  zulassen.
c)  »Sorge  für  die  gute  und  bequeme  Gasbenutzung«
als  Mittel  für  den  Gasvertrieb.
Alle  Bemühungen  in  der  Aufklärung  über  die  Gasverwendung  wie
für  die  Anwerbung  durch  Bezugserleichterungen  versprechen  nur  dann
einen  vollen,  dauernden  Erfolg,  wenn  von  seiten  der  Gaswerke  auch
für  die  gute  und  bequeme  Benutzung  des  Gases  Sorge
getragen  wird.  Es  gilt  dies  insbesondere  bezüglich  der  Gasbeleuchtung, ­
  deren  gute  Handhabung  und  Instandhaltung  immerhin  einiges
Verständnis  und  Sorgfalt  voraussetzt  und  vor  allem  gegenüber  der
elektrischen  Glühlichtbeleuchtung  weniger  einfach  und  bequem  ist.
Die  Erzielung  einer  guten  Gasbenutzung,  an  der  naturgemäß  die
Gaswerke  aus  rein  wirtschaftlichen  Gründen  das  größte  Interesse  haben,
bedingt  vor  allem  die  sorgfältige  Behandlung  aller  Wünsche,  Anfragen
und  Beschwerden  bezüglich  der  Gasverwendung  und  läßt  auch  dabei
einen  gewissen  Überwachungsdienst  notwendig  erscheinen,  der  jedoch
durchaus  wieder  den  örtlichen  Verhältnissen  angepaßt  sein  muß.  Außer
gelegentlichen  Aufklärungen  durch  die  Lehrdame,  den  Instruktionstechniker ­
  oder  den  Monteur  an  Ort  und  Stelle  in  besonderen  Fällen,
ist  es  zur  vollen  Befriedigung  der  Gasabnehmer  zweckmäßig,  daß  sich
die  Gaswerke  etwa  jährlich  durch  Rundschreiben  über  etwa  vorliegende
Mängel,  unbefriedigendes  Arbeiten,  gewünschte  Aufklärungen  erkundigen ­
  und  gegebenenfalls  für  Abhilfe  in  entgegenkommender  Weise
Sorge  tragen.  In  derselben  Richtung,  wenn  auch  mit  größeren  Kosten
verbunden,  liegt  dann  noch  ein  Verfahren,  nach  welchem  sämtliche
Gasabnehmer  von  geeigneten  Beamten  im  Frühjahr  und  Herbst  besucht
werden,  um  vor  der  jedesmaligen  Saison  die  betreffenden  Gasapparate
usw.  auf  ihr  gutes  Arbeiten  nachzusehen,  kleine  Mängel,  wie  falsche
Einstellung  der  Brenner,  Kochapparate  zu  beheben  und  auf  größere
Mängel  aufmerksam  zu  machen.  Aus  den  Rundfragen  sowohl  wie  aus
den  eventuellen  Besuchen  ergibt  sich  eine  Fülle  von  Material,  auch
über  die  Möglichkeit  etwaiger  Ausdehnung  der  Gasverwendung,  das
bei  entsprechenden  Einrichtungen  in  nutzbringender  Weise  verwertet
werden  kann,  eine  Aufgabe,  die  natürlich  ebenso  wie  der  Dienst  zur
Sorge  für  die  gute  Gasbenutzung  der  Gasvertriebsabteilung  zufällt.
Größten  Erfolg  in  der  Befriedigung  der  Gasabnehmer  verspricht
die  Übernahme  der  Instandhaltung  der  privaten  Beleuchtungseinrich ­
        <pb n="53" />
        47

tungen,  die  bereits  in  verschiedenen  Städten  in  Aufnahme  gekommen
ist.  Die  laufende  Instandhaltung  der  Brenner,  Zylinder,  Glocken  usw.,
der  gute  und  richtige  Ersatz  der  Glühkörper,  Zylinder,  Brennstifte,
das  Einregulieren  des  Brenners  erfordert  Zeit  und  Verständnis;  bei
der  elektrischen  Glühlichtbeleuchtung,  die  für  Innenräume  bei  elektrischer ­
  Beleuchtung  allein  in  Frage  kommt,  ist  die-  Instandhaltung
Wesentlich  mit  dem  Auswechseln  der  Glühlampen  getan.  Bei  der  Bedeutung, ­
  welche  heute  in  allen  Stücken  und  Lebensverhältnissen  der
größtmöglichen  Bequemlichkeit  beigemessen  wird,  kann  die  Gasbeleuchtung ­
  nur  dann  erfolgreich  konkurrieren,  wenn  sie  möglichst  dieselbe ­
  Bequemlichkeit  wie  letztere  bietet.  Hiernach  ist  es  für  die  Gaswerke ­
  geradezu  eine  Notwendigkeit,  die  Instandhaltung  der  Beleuchtungseinrichtungen ­
  zu  mäßigen  Sätzen  zu  übernehmen;  ist  auch  die
Beteiligung  der  Gasabnehmer  keine  allgemeine,  so  ist  die  Wirkung
einer  derartigen  Einrichtung  mit  Rücksicht  auf  die  einsetzende  Nacheiferung ­
  in  der  guten  Instandhaltung  trotzdem  eine  sehr  weitgehende.
Die  Übernahme  der  Instandhaltung  empfiehlt  sich  außer  für  die  häuslichen ­
  Beleuchtungseinrichtungen  besonders  auch  für  Geschäfte  und
öffentliche  Lokale,  wo  die  Gasbeleuchtung  der  weitgehenden  Beurteilung ­
  der  Allgemeinheit  ausgesetzt  ist.
Um  schließlich  auch  noch  den  letzten  Rest  überlegener  Bequemlichkeit ­
  der  elektrischen  Beleuchtung  auf  die  Gasbeleuchtung  zu  überfragen, ­
  sollten  die  Gaswerke  auf  möglichst  allgemeine  Verwendung
(d.  h.  vor  allem  in  besser  situierten  Kreisen)  der  Fernzünder  dringen
und  deren  Einführung  bei  der  häuslichen  Beleuchtung  besonders  in
den  Räumen  mit  öfterer  und  vorübergehender  Benutzung  wie  ganz
besonders  für  die  Beleuchtung  von  Geschäften  und  öffentlichen  Lokalen
aller  Art  in  weitgehendster  Weise  erleichtern.  Bei  Neuanlagen  in  Häusern ­
  sollten  die  Fernzünder,  die  bei  nicht  zu  hohen  Preisen  in  mehreren
guten  Ausführungen  zu  haben  sind,  von  vornherein  mit  den  Beleuchtungseinrichtungen ­
  installiert  werden  und  wäre  dementsprechend  von
seiten  der  Gaswerke  in  Wort  und  Schrift  auf  die  Besitzer  von  besseren
Häusern  und  die  Architekten  einzuwirken.  Die  Gaswerke  können  die
nachträgliche  Einrichtung  durch  Gewährung  von  Ratenzahlungen  bei
Weniger  bemittelten  Hausbesitzern  erleichtern,  wobei  sie  z.  B.  bei  elektrischen ­
  Fernzündern  die  Lieferung  der  Schalter  und  Batterie  gegen
Ratenzahlung  übernehmen  und  die  Zündapparate  gegen  Miete  abgeben.
Durch  Übernahme  der  Instandhaltung  der  Beleuchtungsemnchtungen
  und  die  Betreibung  der  Anlage  von  Fernzündern  sind  den  Gasherden ­
  die  beiden  Mittel  in  die  Hand  gegeben,  die  Bequemlichkeit
        <pb n="54" />
        48  —

der  elektrischen  Glühlichtbeleuchtung  bei  der  Gasbeleuchtung  voll  zu
erzielen;  es  müßte  bei  der  Konkurrenzlage  von  Gas  und  Elektrizität
als  ein  schwerer  Fehler  angesehen  werden,  wenn  die  Gaswerke  nicht
alles  aufbieten  würden,  die  vom  Zeitgeist  und  der  fortschreitenden
Kultur  so  sehr  geschätzte  Bequemlichkeit  so  rasch  und  so  umfassend
als  möglich  der  Gasbeleuchtung  zu  sichern.
d)  Tarifierung  des  Gases  als  Mittel  für  den
Gasvertrieb.
Kann  die  allgemeine  Erweiterung  des  Gasabsatzes  auf  der  Grundlage ­
  mäßiger  Renten  und  zur  Erzielung  möglichst  hoher,  absoluter
Reingewinne  außer  durch  die  Anwendung  der  vorbesprochenen  Mittel
nur  bei  billigen  Gaspreisen  bzw.  mäßigem  Durchschnittserlös  pro  cbm
Gas  betrieben  werden,  so  ist  zu  erkennen,  daß  innerhalb  der  durch  die
absoluten  Reingewinne  der  Gaswerke  gezogenen  Grenzen  für  die  Durchschnittseinnahme ­
  pro  cbm  Gas  noch  ein  vorzügliches  Mittel  für  den
Gasvertrieb  in  der  zweckentsprechenden  Tarifierung  des  Gases  liegt.
Die  Tarifierung  ist  in  der  Hand  wirtschaftlich  geschulter  Gaswerksleiter
ein  äußerst  wirksames  und  vor  allem  auch  höchst  anpassungsfähiges
Mittel  zur  Ausdehnung  der  Verwendung  des  Gases  auf  den  verschiedenen
Verwendungsgebieten  und  verdient  laufend  mit  größter  Sorgfalt  verfolgt ­
  zu  werden.
Die  Tarifierung  des  Gases  erstreckt  sich  vor  allem  auf  die  tarifliche
Begünstigung  gewisser  Abnehmergruppen  und  des  Gasabsatzes  für  besondere ­
  Verwendungszwecke;  daneben  soll  sie  sich  auch  auf  die  möglichste ­
  Einschränkung,  wenn  nicht  die  Beseitigung  aller  der  wirtschaftlich ­
  schädlichen  Gebühren  richten,  die  wie  die  Gasmessermieten,  Haupthahnmieten ­
  und  Ähnliches  eine  Erschwerung  des  Gasbezuges,  besonders
für  die  Kleingasabnehmer  bedingen.  Es  muß  als  verfehlt  bezeichnet
werden,  die  vielfach  hohen  Gasmessermieten  mit  dem  Hinweis  auf  die
große  Zahl  der  für  die  Gaswerke  wirtschaftlich  weniger  günstigen  Kleingasabnehmer ­
  zu  begründen,  wie  dies  von  einzelnen  Freunden  der  Gasmessermieten ­
  in  Fachkreisen  geschieht  und  damit  die  Kleingasabnehmer
als  lästige  Beigabe  für  die  Gaswerke  zu  kennzeichnen.  Diese  Freunde
der  Gasmessermieten  wollen  nicht  verstehen,  welche  Summe  von  Unlust ­
  durch  die  hohen  Gasmessermieten  gerade  bei  den  Kleingasabnehmern
erzeugt  wird,  die  durch  die  Gasmessermieten  unverhältnismäßig  hoch
belastet  werden  und  die  unweigerlich  zu  einer  rechnungsmäßig  allerdings
nicht  nachweisbaren  „Gasverdrossenheit“  dieser  Kleingasabnehmer
führt.  Im  Gegensatz  hierzu  kann  es  sich  vom  wirtschaftlichen  und
        <pb n="55" />
        49

sozialen  Standpunkt  nur  darum  handeln,  die  Kleingasabnehmer  von
Gebühren  möglichst  zu  entlasten  und  sie  hierdurch  wie  durch  sonstige
Bemühungen  allmählich  zu  guten  Gasabnehmern  zu  entwickeln.
Abgesehen  von  der  Einschränkung  der  Gebühren,  besonders  bei
Kleingasabnehmern,  muß  die  Tarifierung  des  Gases  nach  den  allgemeinen, ­
  wirtschaftlichen  Grundsätzen  vor  allem  die  Verbilligung  des
Gases  mit  zunehmendem  Massenverbrauch  gerichtet  sein,  d.  h.  in  erster
Linie  den  Großgasverbrauch  begünstigen.  Eine  Reihe
von  Städten  kommen  diesem  Grundsatz  durch  Gaspreisermäßigungen
für  Großgasabnehmer  auch  nach,  doch  darf  gesagt  werden,  daß  im
allgemeinen  die  diesbezüglichen  Tarife  weder  in  ihrer  Höhe  noch  in
ihrer  Ausdehnung  dem  Bedürfnis  der  Großabnehmer  nachkommen  und
vielfach  sehr  gegenüber  den  Tarifen  für  Großabnehmer  zurückstehen,
wie  sie  von  den  Elektrizitätswerken  so  allgemein  zugestanden  werden.
Die  Großgastarife  müssen  ebenso  wie  die  Großtarife  für  Elektrizität,
natürlich  stets  unter  Berücksichtigung  der  örtlichen  Verhältnisse,  bis
auf  die  Höhe  der  durchschnittlichen  Selbstkosten  des  Gases
abfallen,  bei  denen  in  der  Tat  noch  immer  ein  reichlicher  Gewinn  mit
Rücksicht  auf  die  Verbilligung  in  den  Erzeugungs-  wie  der  Verteilungskosten ­
  des  Gases  bei  der  Massenerzeugung  bzw.  -abgabe  zu  verzeichnen
ist.  Um  den  Großgasverbrauch  nach  Möglichkeit  zu  entwickeln,  sollten
die  Großgastarife  auch  in  den  Verbrauchsgrenzen  möglichst  tief,  etwa
auf  1000  bis  einigen  tausend  Kubikmeter  Jahresverbrauch  je  nach
den  besonderen  Verhältnissen  herabgehen,  so  daß  auch  noch  entwicklungsfähige ­
  Betriebe,  größere  Geschäfte,  öffentliche  Lokale  an  den
Vorteilen  des  Großgastarifes  teilnehmen.
Die  möglichste  Stärkung  der  Beteiligung  des  Gases  an  der  Kleinkraftversorgung ­
  (an  die  deutschen  Gaswerke  sind  zurzeit  rd.  30  000
Gasmotoren  mit  rd.  160000  PS  angeschlossen),  die  sehr  stark  durch
eine  hochgeschraubte  Preispolitik  der  Gaswerke  für  Gas  zu  Kraftzwecken
und  gleicherweise  durch  das  außerordentliche  Entgegenkommen  der
Elektrizitätswerke  an  Kraftstromabnehmer  beeinträchtigt  wurde,  erfordert ­
  für  das  Gas  neben  den  Großgastarifen  besondere  Preistarifefür
  Gas  zu  Kraftzwecken,  da  die  allgemeinen  Großgastarife ­
  in  den  niedrigen  Verbrauchsstufen,  wie  sie  für  die  Kleingewerbetreibenden ­
  usw.  in  Frage  kommen,  nicht  die  Ermäßigung  geben  können,
wie  sie  für  die  Verwendung  des  Gases  zu  Kraftzwecken  notwendig  ist.
Ganz  allgemein  kann  gesagt  werden,  daß  für  Gas  zu  Kraftzwecken
pro  cbm  etwa  dieselben  Preise  wie  für  Kraftstrom  pro  KW/Std.  und
bei  ähnlichen  Rabatten  gegeben  werden  sollte,  womit  dem  Gase,  das
Qreineder,  Wirtschaft  d.  Gaswerke.  4
        <pb n="56" />
        50

mit  zunehmender  Betriebsstundenzahl  der  Motoren  in  stets  wachsendem
Maße  dem  elektrischen  Strom  für  Kraftzwecke  wirtschaftlich  überlegen
ist,  ein  ausreichendes  Übergewicht  zur  erweiterten  Benutzung  des  Gases
für  Kraftzwecke  gegeben  ist  und  den  Gaswerken  mit  Rücksicht  auf  die
durchschnittlich  60  bis  100%  niedrigeren  Selbstkosten  des  Gases  gegenüber ­
  dem  elektrischen  Strome 1 )  trotzdem  noch  ein  weit  höherer  Gewinn
als  den  Elektrizitätswerken  verbleibt.  In  diesen  letzterwähnten  Verhältnissen ­
  liegt  auch  gleichzeitig  das  große  volkswirtschaftliche  Interesse
der  Verwendung  des  Gases  zu  Kraftzwecken  begründet.
Die  Förderung  des  für  die  Gaswerke  ausschlaggebenden  Verwendungsgebietes ­
  des  Gases  bei  Klein  gasabnehmern,  also  der  Gasabnehmer ­
  mit  etwa  unter  1000  bzw.  einigen  tausend  cbm  pro  Jahr,
bedingt  grundsätzlich  die  weitgehende  Differenzierung  der  Gaspreise
für  die  verschiedenen  Verwendungsarten  des  Gases.  Nach  diesem
Grundsatz  haben  denn  auch  die  Gaswerke  besondere  Preise  für  Leuchtgas, ­
  Kochgas,  industrielles  Gas,  Kraftgas,  für  im  Sommer  und  im  Winter
abgegebenes  Gas  usw.  eingeführt.  Seit  einigen  Jahren  hat  demgegenüber, ­
  unter  dem  Vorantritt  einiger  großer  Gaswerke,  der  sog.  „Einheitspreis“ ­
  für  Gas  mit  Rücksicht  auf  die  Vereinfachung  bei  der  Hausinstallation ­
  und  im  Verrechnungswesen  der  Gaswerke  vielfach  Eingang
gefunden.  So  sehr  natürlich  die  diesbezüglichen,  wirtschaftlichen  Vorteile ­
  des  Einheitspreises  geschätzt  werden  müssen,  kann  doch  gesagt
werden,  daß  die  Einführung  des  Einheitspreises  vom  Standpunkt  der
Erweiterung  des  Gasabsatzes  besonders  in  den  vielen  Fällen  nicht
berechtigt  erscheint,  in  denen  dieser  mit  einer  wesentlichen  Verteuerung
des  Kochgases  verbunden  ist,  so  daß  er  geradezu  hemmend  auf  die
Entwicklung  der  Gasverwendung  wirken  mußte.  Nicht  selten  haben
sich  daher  auch  von  den  vielen  Gaswerken,  die  seither  zum  Einheitspreis ­
  übergegangen  sind,  von  der  starren  Durchführung  desselben  abgewendet ­
  und  zur  Förderung  neuer  Verwendungsgebiete,  so  für  Gasheizzwecke, ­
  Warmwasserbereitungszwecke,  für  gewerbliche  Zwecke  verschiedener ­
  Art,  besondere  Gaspreise  eingeführt;  zur  Verrechnung
des  Gases  sind  in  diesen  Fällen  natürlich  wieder  besondere  Gasmesser
sowie  Hausleitungen  erforderlich.
In  neuester  Zeit  wurden  zur  Umgehung  dieser  besonderen  Einrichtungen ­
  wie  zur  allgemeinen  Hebung  des  Gasverbrauches  auf  der
Grundlage  des  Einheitspreises  verschiedene  Vorschläge *  2 )  gemacht,  so
h  Siehe  Greineder  »Die  öffentliche  Energieversorgung  und  die  Gaswerke«,
Journal  f.  Gasbei.  1914,  Nr.  21  u.  22.
2 )  Siehe  Journal  f.  Gasbei.  1912  u.  1913.
        <pb n="57" />
        51

4*

auch  vom  Verfasser  ein  sog.  „Zuwachsrabattsystem“  empfohlen,  bei
dem  auf  der  Grundlage  des  Einheitspreises  für  die  Gesamtheit  der
Kleingasabnehmer  ein  Rabatt  am  Ende  des  Jahres  zur  Verrechnung
kommen  soll,  der  mit  der  Höhe  des  Zuwachses  im  Jahresgasverbrauch
steigt.  Der  Zuwachsrabatt  soll  bei  einfachster  Verrechnung  (einmal,
am  Ende  des  Jahres)  eine  fortdauernde  Steigerung  des
Gasverbrauches  der  Kleingasabnehmer  bewirken,  die  naturgemäß  bei
vollständiger  Freigabe  der  Verwendungsart  des  Gases  wesentlich  durch
gesteigerte  Verwendung  von  Gas  zu  Wärme-  bzw.  Heizz\yecken  der
verschiedenen  Art  erzielt  werden  muß.
Nach  den  vorstehenden  Ausführungen  wird  ein  zeitgemäßes  Gastarifsystem ­
  gewonnen,  indem  neben  zwei  getrennten  Großgastarifenfür  „Gewerbe- ­
  bzw.  Industriegas“  und  für  „M  o  t  o  r  e  n  ga  s“  in  entsprechender ­
  Fortbildung  des  Zuwachsrabattsystemes  ein  Tarif  für
,,H  a  u  s  h  a  11  g  a  s“  eingeführt  wird,  bei  dem  der  Jahresgasverbrauch
nach  der  Größe  des  Haushaltes  bzw.  der  Wohnung  (Zahl  der  Wohnräume,
Bodenfläche,  Mietwert  der  Wohnung)  den  örtlichen  Verhältnissen  entsprechend ­
  mit  mäßigen  Verbrauchssätzen  normiert  ist  und  bei  Überschreitung ­
  dieses  Jahresgasverbrauches  nach  bestimmten  Tarifen  eine
steigende  prozentuale  Ermäßigung  des  Gaspreises  für  den  gesamten
Jahresgasverbrauch  oder  auch  nur  für  den  Mehrgasverbrauch  in  Form
einer  Prämie  am  Jahresende  ausbezahlt  bzw.  verrechnet  wird.  Verwaltungstechnisch ­
  bietet  eine  derartige  Be-  bzw.  Verrechnung  einer  Prämie
für  das  „Haushaltgas“  am  Jahresende  keinerlei  wesentliche  Belastung,
da  dieselbe  in  einfachster  Weise  nach  Tariftabellen  und  unter  Zuhilfenahme ­
  von  Rechenmaschinen  vollzogen  werden  kann.  Wirtschaftlich
dagegen  bietet  ein  derartiges  „Gasverbrauchsprämiensystem“  große  Vorteile, ­
  da  damit  eine  fortdauernde  Interessierung  der  Kleingasabnehmer
am  Gasverbrauch  und  eine  stetige  Steigerung  der  Gasverwendung  nach
Art  und  Umfang  bewirkt  wird.
        <pb n="58" />
        IV.  Der  relative  Gasverbrauch  und  die  Gasanschlußdichte ­
  deutscher  Gaswerke.
Um  ein  Urteil  über  die  relative  Höhe  des  Gasverbrauches  in  Deutschland ­
  und  die  Möglichkeit  der  Erweiterung  des  Gasabsatzes  durch  den
systematischen  Gasvertrieb  zu  gewinnen,  sind  im  folgenden  aus  der
soeben  erschienenen  „Statistischen  Zusammenstellung  der  Betriebsergebnisse ­
  von  deutschen  Gaswerken  pro  1912  bzw.  1912/13“  die  relative
Abgabehöhe  und  Abgabedichte  für  den  wesentlichen  Teil  der  deutschen
Gaswerke  in  der  früher  (siehe  II.  Teil  dieser  Schrift)  benutzten  Gruppierung ­
  der  Gaswerke  ermittelt  und  im  Anschluß  hieran  zur  Darlegung
des  Vergleichswertes  derartiger  Relativwerte  für  die  Beurteilung  der
Gasverwendung  in  den  verschiedenen  Städten  und  Gemeinden  die  relative
Abgabehöhe,  Abgabedichte  und  Anschlußdichte  für  die  Gaswerke  der
Stadt  Berlin,  Charlottenburg,  Köln  und  München  gegenübergestellt.
1.  Die  relative  Abgabehöhe  und  Abgabedichte  deutscher  Gaswerke.
Die  relative  Abgabehöhe  der  Gaswerke  findet  ihren  Ausdruck  in
der  Gasabgabe  pro  Einwohner  und  Jahr  sowie  wohl  noch  vollkommener
in  der  Gasabgabe  pro  Gasabnehmer  und  Jahr,  und  zwar  werden  hierbei
mit  Rücksicht  auf  die  verschiedenartige  Verwendung  dieser  Relativwerte ­
  vorteilhafterweise  unterschieden

1.  a)  Gesamtgasabgabe
b)  Nutzgasabgabe
c)  Abgabe  von  „verkauftem“  Gase

pro  Einwohner  und
Jahr.

2.  a)  Gesamtgasabgabe
b)  Nutzgasabgabe
c)  Abgabe  von  „verkauftem“  Gase

pro  Gasabnehmer  und
Jahr.

Zur  Klarstellung  bezüglich  der  einzelnen  Werte  sei  hier  festgelegt,
daß  mit  Nutzgasabgabe  die  Gasmenge  bezeichnet  wird,  welche  sich  aus
der  Gesamtgasabgabe  nach  Abzug  des  sog.  „Gasverlustes“  ergibt,  und
        <pb n="59" />
        53

daß  unter  „verkauftem  Gase“  die  Gasmengen  verstanden  werden,
welche  aus  der  Nutzgasabgabe  nach  Abzug  des  Gasverbrauches  für
Straßenbeleuchtung  und  Selbstverbrauch  verbleiben.  In  Tabelle  19
sind  die  vorgenannten  Werte  und  in  Ergänzung  hierzu  die  Werte  für
die  Zahl  der  Gasabnehmer  pro  100  Einwohner  des  Gasversorgungsgebietes ­
  (Spalte  7)  für  insgesamt  380  Gaswerke  zusammengestellt.

Tabelle  19.
Durchschnittliche  Gasabgabehöhe  deutscher  Gaswerke
(nach  der  Statistik  des  Vereins  von  Gas-  und  Wasserfachmännern).

Gaswerke
mit  einer
Gaserzeugung ­

von  Mill,
cbm

Gesamt-Gasabgabe


Nutz-Gasabgabe


„Verkauftes“ ­

Gas

Gesamt-Gasabgabe


Nutz-Gasabgabe


„Verkauftes“ ­

Gas

Zahl  der
Gasabnehmer ­

pro
100  Einw.

pro  Einwohner  und  Jahr

pro  Gasabnehmer

cbm

cbm

cbm

cbm

cbm

cbm

über  10

99,9

95,4

90,2

666

635

601

15,0

5—10

74,7

69,5

66,0

671

624

593

1U

2-5

76,3

72,0

71,3

621

586

580

12,3

1—2

56,7

52,9

49,2

683

637

593

8,3

unter  1

54,3

43,7

38,0

692

557

484

7,8

Aus  dieser  Tabelle  ist  zunächst,  ähnlich  wie  aus  der  gleichartigen
Tabelle  10  für  die  Gesamtheit  der  deutschen  Gaswerke,  ersichtlich,  daß
sich  die  Gasabagabe  in  den  deutschen  Städten  noch  in  sehr  mäßigen
Grenzen  bewegt,  besonders  wenn  man  berücksichtigt,  daß  der  Gasverbrauch ­
  in  den  englischen  Städten  zwischen  200  bis  300  cbm  pro
Einwohner  und  Jahr  beträgt  und  in  einzelnen  Fällen  bis  annähernd
400  cbm  ansteigt.  In  Deutschland  besitzen  nach  den  Ermittlungen
auf  Grund  der  obengenannten  Statistik  des  Vereins  von  Gas-  und
Wasserfachmännern  unter  420  Städten  nur  48  =  11,5%  eine  Gasabgabe
von  über  100  cbm  pro  Einwohner  und  Jahr  und  davon  nur  5  Städte
über  150  cbm,  nämlich
Vegesack  .  .  .  240  cbm
Charlottenburg  186  ,,
Berlin  ....  177  „
Pforzheim  .  .  162  „
Bremerhaven  .  150  ,,
und  weitere  5  Städte  zwischen  120  und  150  cbm,  nämlich

Gesamtgasabgabe
pro
Einwohner  und  Jahr,
        <pb n="60" />
        54

Gesamtgasabgabe
pro
Einwohner  und  Jahr,

Rahnsdorf  .  .  136  cbm
Bremen  ...  132  „
Stade  ....  131  .,
Berlin-Tegel  .124  „
Karlsruhe  .  .  120  „
88,5%  der  420  Städte  erreichen  nur  eine  Gesamtgasabgabe  von  unter
100  cbm  pro  Einwohner  und  Jahr,  und  zwar
87  Städte  =  20,7%  zwischen  80  bis  100  cbm
140  „  -33,3%  „  60  „  80  „
110  „  =26,2%  „  40  „  60  „
35  „  —  8,3%  unter  40  „
Klarer  als  die  Jahresgasabgabe  pro  Einwohner  gibt  der  Jahresgasverbrauch ­
  pro  Gasabnehmer  ein  Urteil  über  den  Umfang  der  Gasverwendung. ­
  Tabelle  19  läßt  erkennen,  daß  bei  den  deutschen  Gaswerken
die  Gesamtgasabgabe  600  bis  700  cbm
,,  Nutzgasabgabe  550  ,,  650  ,,
,,  „verkaufte“  Gasmenge  500  ,,  600  ,,

pro  Einwohner  und
Jahr.

pro  Gasabnehmer
und  Jahr

beträgt.  In  den  englischen  Städten  werden  pro  Gasmesser  (Gasabnehmer) ­
  vielfach  zwischen  1000  bis  1200  cbm  Gasabgabe  und  mehr  erreicht; ­
  in  Groß-London  z.  B.  beträgt  die  Gasabgabe  pro  Gasmesser
über  1100  cbm.
Das  Verhältnis  der  Einwohner  des  Versorgungsgebietes  zu  den
Gasabnehmern,  das  aus  Spalte  7  der  Tabelle  hervorgeht,  zeigt,  daß
in  den  deutschen  Städten  auf  100  Einwohner  nur  zwischen  8  und  15  Gasabnehmer ­
  treffen;  in  England  entfallen  in  vielen  Gemeinden  mehr
als  30  Gasmesser  auf  100  Einwohner  und  in  der  Regel  4  bis  5  Einwohner
auf  einen  Gasverbraucher.
Neben  der  relativen  Abgabe  höhe  ermöglicht  die  Gasabgabedichte
  ein  gutes  Urteil  über  die  Gasverwendung  in  den  einzelnen
Orten,  die  vor  allem  ihren  Ausdruck  in  der  Gasabgabe  pro  km  Rohrnetz ­
  findet.  Auf  der  Grundlage  der  Statistik  des  Vereins  von  Gasund
  Wasserfachmännern  pro  1912  ergibt  sich,  daß  unter  insgesamt
397  Gaswerken  nur  22  Gaswerke  =  5,6%  über  100000  cbm  pro  km
Rohrnetz  abgeben  und  davon  nur  4  Gaswerke  =  1%  über  150000  cbm,
nämlich

Charlottenburg
Berlin  .  .  .  .
Pforzheim  .  .
Bremerhaven  .

191  166  cbm
169  142  „
158  839  „
152  033  „

Gesamtgasabgabe
pro
km  Rohrnetz,
        <pb n="61" />
        55

und  weitere  5  Gaswerke  =1,3%  zwischen  120000  und  150000  cbm,
nämlich

Neukölln  .  .  .

139  213  cbm

Hamburg  .  .

134  854  „

Gesamtgasabgabe

Fürth  i.  B.  .  .

126  566  „

pro

Breslau  .  .  .

123  126  „

km  Rohrnetz,

Königsberg  .  .

120  362  „

94,4%  der  397  Gaswerke  bleiben  unter  100  000  cbm  Gesamtgasabgabe
pro  km  Rohrnetz,  und  zwar  erreichen

27  Gaswerke  =  6,8%  zwischen  80  bis  100  000  cbm

82

11

=  20,7%  „

60  „

80  000

142

11

=  35,7%  „

40  „

60  000

124

11

=  31,2%  unter

40  000

Gesamtgasabgabe ­
  pro
km  Rohrnetz.

Bezüglich  der  Abgabedichte  sind  die  englischen  Verhältnisse  mit
den  deutschen  nicht  gut  vergleichbar,  da  die  Abgabe  pro  km  Rohrnetz
natürlich  sehr  von  der  Bauweise  der  Städte  abhängig  ist  und  in  England ­
  das  Einfamilienhaus  eine  weitläufigere  Bauweise  bedingt,  während
in  Deutschland  das  vielgeschossige  Mietshaus  überwiegt.  Trotzdem
verdient  Erwähnung,  daß  bei  den  drei  Metropolitan-Gesellschaften  in
London  die  Gasabgabe  pro  km  Rohrnetz  rd.  180  000  cbm  beträgt,
während  Amsterdam  rd.  226000  cbm  pro  km  Rohrnetz  erreicht.
Eine  Übersicht  über  die  Gasabgabe  höhe  und  die  Gasabgabedichte ­
  bei  den  verschiedenen  Gruppen  von  deutschen  Gaswerken  geben
schließlich  noch  die  folgenden  zwei  Tabellen  20  und  21.

Tabelle  20.
Die  Gasabgabehöhe  deutscher  Gaswerke.

Gaswerke
mit  einer
Gas-Zahl

  der  an  der  ,,Vereins-Statistik  1912/13“  beteiligten  Gaswerke  mit  einer
Gesamt-Gasabgabe  pro  Einwohner  und  Jahr  von

erzeugung
von  Mül.
cbm

über  150
cbm

120-150
cbm

100-120
cbm

80-100
cbm

60-80
cbm

40—60
cbm

unter  40
cbm

über  10

3

2

9

14

8

2

—

5—10

—

—

3

11

13

5

—

2—5

1

1

10

24

27

9

i

1—2

—

1

8

18

43

26

9

unter  1

1

1

8

20

49

68

25

insgesamt
420  Gaswerke ­


5

5

38

87

140

110

35
        <pb n="62" />
        56

Tabelle  21.

Die  Gasabgabedichte  deutscher  Gaswerke.

Gaswerke
mit  einer
Gas-Zahl

  der  an  der  Vereins-Statistik  1912/13“  beteiligten  Gaswerke  mit  einer
.Gesamt-Gasabgabe  pro  km  Rohrnetz  von  cbm

erzeugung
von
Mill.  cbm

über
150  000

120000  bis
150000

100000  bis
120000

80  000  bis
100000

60000  bis
80000

40000  bis
60000

unter
40000

über  10

3

4

8

9

10

3

i

5—10

—

1

1

6

14

6

i

2—5

1

—

4

4

22

33

8

1—2

—

—

—

5

22

49

23

unter  1

—

—

—

3

14

51

91

insgesamt
397  Gaswerke ­


4

5

13

27

82

142

124

2.  Abgabehöhe,  Abgabedichte  und  Anschlußdichte  in  4  deutschen
Großstädten  sowie  im  Durchschnitt  bei  den  deutschen  Großstädten.
Aufschluß  über  die  Abgabehöhe  von  Gas  in  den  vier  deutschen
Großstädten  Berlin  (städt.  Gaswerke),  Charlottenburg,  Köln  und  München ­
  und  zum  Vergleich  hierzu  über  die  diesbezüglichen  Durchschnittswerte ­
  bei  der  Gesamtheit  der  deutschen  Großstädte  mit  über  10  Mill.  cbm
Gasproduktion  pro  Jahr  gibt  Tabelle  22.
Tabelle  22.
Durchschnittliche  Gasabgabehöhe  der  deutschen  Gaswerke  mit  über  10  Mill.  cbm
Jahres-Gaserzeugung  und  Gasabgabehöhe  der  Gaswerke  Berlin,  Charlottenburg, ­
  Köln  und  München.

Gaswerk

Gesamt-Gas
 ­


Nutz-Gas-



»Verkauftes« ­

Gas

Gesamt-Gas-



Nutz-Gas
 ­


»Verkauftes« ­

Gas

Gas-Abnehmer ­

pro  100
Einpro

  Einwohner  und  Jahr

pro

□asabnehmer

wohner

Die  deutschen  Gaswerke
mit  über  10  Mill.  cbm

1

2

3

4

5

6

7

Jahres-Gaserzeugung  .

99,9

95,4

90,2

666

635

601

15,0

Berlin  (städt.  Gasw.)  .  .
mit  den  engl.  Gaswerken  .

150,6
(177,0)

143,7

130,4

745

710

645

20,2

Charlottenburg

186,2

179,8

164,1

831

803

733

22,2

Köln

98,9

95,9

81,3

1182

1147

973

8,4

München

68,8

66,9

60,3

524

510

460

13,1
        <pb n="63" />
        i  q  ^  WP..c'f&amp;gt;itisr.te f  O  ~\  ~\  m  4  B.
eaK  43  ^  r '°'  4
—  57  —
Hieraus  ist  vor  allem  ersichtlich,  daß  sich  die  Gasabgabe  pro  Einwohner ­
  und  Jahr  im  Versorgungsgebiet  der  städtischen  Gaswerke
Berlin  um  mehr  als  50%  sowie  in  Charlottenburg  um  80  bis  90%  über
den  Durchschnitt  bei  den  deutschen  Großstädten  erhebt.  Die  Gasabgabe
in  Köln  entspricht  etwa  dem  Durchschnitt  bei  den  deutschen  Großstädten ­
  und  bleibt  nur  bezüglich  der  Abgabehöhe  im  „verkauften“
Gase  etwas  hinter  dem  Durchschnitt  zurück.  München,  dessen  Gasversorgung ­
  seit  Anfang  dieses  Jahrhunderts  in  starker  Entwicklung
befindet,  hat  gegenwärtig  etwa  2 / 3  der  Durchschnittsgasabgabe  der
deutschen  Großstädte  erreicht.
Ähnliche  Verhältnisse  liegen  bezüglich  der  Gasabgabe  pro  Gasabnehmer ­
  bei  den  Städten  Berlin  und  Charlottenburg  vor,  die  sich
beide  wesentlich  über  die  normale  Gasabgabe  pro  Gasabnehmer  in  den
deutschen  Großstädten  erheben.  Das  Ergebnis  einer  außergewöhnlich
starken  Verwendung  des  Gases  zu  industriellen  und  Kraftzwecken  zeigt
die  rd.  60%  über  das  Durchschnittsmaß  hinausgehende  Abgabe  „verkauften“ ­
  Gases  pro  Gasabnehmer  in  Köln.  Die  Gasabgabe  pro  Gasabnehmer ­
  in  München  zeigt  demgegenüber,  daß  dort  einerseits  noch
eine  geringe  Beteiligung  der  Industrie  am  Gasverbrauch  vorliegt  und
anderseits  das  Gas  von  den  einzelnen  Verbrauchern  noch  verhältnismäßig ­
  schwach  (etwa  mit  75%  des  Normalsatzes)  benutzt  wird,  was
sich  aus  der  verhältnismäßig  kurzen  Entwicklungszeit  der  Gasversorgung ­
  in  München  erklärt.
Die  Spalte  7  läßt  schließlich  erkennen,  daß  in  Berlin  auf  5  Einwohner, ­
  in  Charlottenburg  auf  4  bis  5  Einwohner,  in  Köln  auf  12  Einwohner ­
  und  in  München  auf  annähernd  8  Einwohner  ein  Gasabnehmer
fällt,  während  in  den  deutschen  Großstädten  im  Mittel  6  bis  7  Einwohner ­
  auf  einen  Gasabnehmer  treffen.
Die  Abgabe  dichte  in  den  behandelten  vier  Großstädten,  die
nach  Tabelle  23  außer  durch  Beziehung  der  Gasabgabe  auf  die  Länge
des  Rohrnetzes  auch  auf  die  Zahl  der  Hausanschlüsse  ermittelt  wurde,
zeigt  die  Ausnahmestellung  von  Berlin  und  Charlottenburg  bezüglich
der  Gasversorgung  besonders  scharf.  In  Charlottenburg  ist  die  Abgabedichte ­
  mit  191  166  cbm  Gesamtgasabgabe  und  168  497  cbm  Abgabe ­
  von  „verkauftem“  Gase  nahezu  bzw.  mehr  als  doppelt  so  hoch
als  im  Durchschnitt  bei  den  deutschen  Großstädten.  Die  Abgabedichte ­
  von  Köln  entspricht  wesentlich  infolge  der  starken  Beteiligung ­
  der  Industrie  dem  Durchschnittsmaß,  während  München  mit
rd.  78  000  cbm  „verkauften“  Gases  pro  km  Rohrnetz  noch  etwas
darunter  bleibt.
        <pb n="64" />
        58

In  der  Gasabgabe  pro  Hausanschluß  stehen  Berlin  und  Charlottenburg ­
  mit  nahezu  10  000  cbm  auf  einer  Höhe;  München  erreicht  bis
jetzt  nur  etwa  %  dieser  Abgabe.

Tabelle  23.
Gasabgabedichtebei  den  Gaswerken  Berlin,  Charlottenburg,Köln  undMünchen.

Gaswerk

Gesamt-Gasabgabe


Nutz-Gasabgabe


„Verkauftes“ ­

Gas

Gesamt-Gasabgabe


Nutz-Gasabgabe


„Verkauftes“ ­

Gas

pro  km  Rohrnetz

pro

Hausanschluß

Die  deutschen  Gaswerke ­
  mitüb.lOMill.
cbm  Jahres-Gaserzeugung


96  259

91  758

81  806

Berlin

169  142

161  342

146  424

9  676

9  230

8  379

Charlottenburg  .  .

191  166

184  623

168  497

9  993

9  651

8  808

Köln

100  766

97  793

82  918

—

—

—

München

88  943

86  571

77  976

3  139

3  056

2  752

In  Tabelle  24  wurde  schließlich  noch  versucht,  einen  Einblick  in
die  Anschlußdichte  bei  den  vier  behandelten  Großstädten  zu  gewinnen,
indem  die  Zahl  der  Einwohner,  der  Gasabnehmer  und  der  Hausanschlüsse
pro  km  Rohrnetz  sowie  auch  noch  die  Zahl  der  Einwohner  und  Gasabnehmer ­
  pro  Hausanschluß  ermittelt  wurde.

Tabelle  24.
Gasanschlußdichte  bei  den  Gaswerken  Berlin,  Charlottenburg,
Köln  und  München.

Gaswerk

Einwohner
des  Gasver-




Gasabnehmer ­


Hausanschlüsse ­


Einwohner
des  Gasver-




Gasabnehmer ­


pro  km  Rohrnetz

pro  Hausanschluß

Berlin

1123

227

17

64,2

13

Charlottenburg.  .

1027

230

19

53,7

12

Köln

1019

85

■  —

—

—

München  ....

1293

169

28

45,7

6
        <pb n="65" />
        59

Die  Zahl  der  Einwohner  pro  km  Rohrnetz  ist  in  München  mit
nahezu  1300  am  höchsten  und  übertrifft  Berlin  um  rd.  15%  und  Charlottenburg ­
  und  Köln  um  mehr  als  25%;  trotzdem  entfallen  in  München
(bei  8  Gasabnehmern  pro  100  Einwohner)  gegenwärtig  nur  rd.  170  Gasabnehmer ­
  auf  1  km  Rohrnetz  und  damit  rd.  25%  weniger  als  in  Berlin
und  Charlottenburg.  Köln  hat  infolge  der  starken  Beteiligung  der
industriellen  Großabnehmer  pro  km  Rohrnetz  nur  rund  die  Hälfte
der  Gasabnehmer  als  München  und  nur  den  dritten  Teil  derselben  von
Berlin  und  Charlottenburg.
Die  Zahl  der  Hausanschlüsse  pro  km  Rohrnetz  sind  in  München
mit  28  rd.  50%  höher  als  in  Berlin  und  Charlottenburg.  Die  bis  jetzt
noch  schwache  Beteiligung  der  Einwohner  Münchens  an  der  Gasverwendung ­
  kommt  schließlich  auch  noch  in  der  Gasabnehmerzahl  pro
Hausanschluß  zum  Ausdruck,  die  mit  6  Gasabnehmer  pro  Hausanschluß
die  Hälfte  der  Gasabnehmer  pro  Hausanschluß  in  Charlottenburg  (12)
beträgt,  obwohl  München  nur  eine  wenig  schwächere  Einwohnerzahl
pro  Hausanschluß  (46)  als  Charlottenburg  (54)  aufweist.  Berlin  mit
13  Gasabnehmern  pro  Hausanschluß  hat  infolge  der  dichten  Bebauung ­
  mit  hohen  Häusern  eine  um  20%  höhere  Einwohnerzahl  pro  Hausanschluß ­
  als  Charlottenburg,  so  daß  Charlottenburg  in  der  Anschlußdichte ­
  Berlin  noch  übertrifft,  wie  auch  aus  der  Zahl  der  Hausanschlüsse
pro  km  Rohrnetz  mit  19  gegen  17  hervorgeht.  Daß  es  in  München
nicht  an  Gelegenheit  zur  Gasbenutzung  fehlt,  zeigt  die  hohe  Zahl  der
Hausanschlüsse  von  28  pro  km  Rohrnetz.
Insgesamt  zeigen  die  vorstehenden  Ausführungen  über  den  relativen
Gasverbrauch  und  die  Anschlußdichte,  daß  die  Städte  Berlin  und
Charlottenburg  in  der  deutschen  Gasversorgung  eine  Ausnahmestellung
einnehmen,  die  sich  wesentlich  und  oft  mit  dem  doppelten  Betrag  über
das  Durchschnittsmaß  in  den  deutschen  Großstädten  erhebt  und  den
Durchschnittsverhältnissen  bei  der  Gasversorgung  in  England  bereits
sehr  nahe  kommt.  Die  Gasversorgung  in  Köln  entspricht  zurzeit  etwa
dem  Durchschnittsmaß  in  den  deutschen  Großstädten.  Die  Gasversorgung ­
  von  München  befindet  sich  in  einer  außerordentlich  starken  Entwicklung, ­
  die  erwarten  läßt,  daß  München  in  Kürze  das  Durchschnittsmaß ­
  in  der  Gasversorgung  der  deutschen  Großstädte  erreicht  haben
wird,  das  dieser  Stadt  mit  Rücksicht  auf  die  günstigen  Verhältnisse
für  die  Elektrizitätsversorgung  bis  jetzt  vorenthalten  blieb.  Hierzu
wie  überhaupt  zur  allgemeinen  Entwicklung  der  Gasversorgung  in
Deutschland  wird  die  von  der  Stadt  München  veranlaßte  und  aufs
kräftigste  geförderte
        <pb n="66" />
        60

Deutsche  Ausstellung  „Das  Gas“  München  1914
beitragen,  die  jedem  in  eindrucksvollster  Weise  zeigt,  welchen  mächtigen ­
  Faktor  das  Gas  im  deutschen  Wirtschafts-  und  Kulturleben  einnimmt ­
  und  künftighin  in  erhöhtem  Maße  einnehmen  wird,  sowie  auch
jedem  die  Überzeugung  verschaffen  wird,  daß
Gas  und  Elektrizität
die  künftige  Energieversorgung  beherrschen  werden.
An  die  einzelnen  Stadtverwaltungen  wie  die  Staatsbehörden  soll
aber  diese  Schrift  die  Bitfe  richten,  dem  Gase  die  gleichen  wirtschaftlichen ­
  Entwicklungsmöglichkeiten  wie  der  Elektrizität  zu  geben,  wie
dies  im  Interesse  der  künftigen
rationellen  Energieversorgung  Deutschlands

wie  der  kommunalen  Wirtschaft  und  der  Nationalwirtschaft  liegt.
        <pb n="67" />
        Zusammenfassung.
In  der  vorliegenden  Abhandlung  wurde  zunächst  versucht,  die
bisherige  Entwicklung  der  deutschen  Gasversorgung  auf  statistischer
Grundlage  nachzuweisen,  die  Bedeutung  des  Gases  für  die  künftige
Energieversorgung  kurz  zu  zeichnen  und  den  gegenwärtigen  Stand  der
Wirtschaft  der  deutschen  Gaswerke  nach  besonderen  statistischen  Erhebungen ­
  an  Hand  des  diesbezüglichen  Schaustückes  auf  der  Deutschen
Ausstellung  „Das  Gas“  München  1914  und  auf  Grund  gegebener
statistischer  Einzelheiten  über  die  Wirtschaft  der  deutschen  Gaswerke
zu  kennzeichnen..
Im  Anschluß  hieran  wurden  die  Grundsätze  und  Maßnahmen
entwickelt,  die  für  die  künftige  Gasversorgung  mit  Rücksicht  auf  eine
rationelle  Energieversorgung  notwendig  erscheinen  und  dabei  im  einzelnen ­
  auf  der  Grundlage  einer  gemäßigten  und  gleichmäßigen ­
  Wirtschaftspolitik  für  Gas-  und  Elektrizitätswerke  sowie
einer  weitgehenden  öffentlichen  Verwaltung  der  Gaswerke  der
systematische  Gasvertrieb  nach  kaufmännisch-wirtschaftlichen ­
  Grundsätzen  und  durch  besondere  Gasvertriebsabteilungen ­
  bei  den  großen  und  größeren  Gaswerken  empfohlen.
Der  letzte  Teil  gibt  Aufschluß  über  den  gegenwärtigen  Stand  der
relativen  Höhe  der  Gasabgabe  und  der  Gasabgabedichte  bei  den  deutschen ­
  Gaswerken  und  zeigt  schließlich  durch  den  Vergleich  der  diesbezüglichen ­
  Werte  sowie  der  Werte  für  die  Gasanschlußdichte  von  vier
deutschen  Großstädten,  in  welcher  Weise  auf  dieser  Grundlage  der
Umfang  der  Gasversorgung  in  den  einzelnen  Städten  und  Gemeinden
beurteilt  und  die  Entwicklung  der  Gasversorgung  laufend  verfolgt
werden  kann.
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        the  scale  towards

—  53  —

„verkauftem  Gase“  die  Gasmengen  verstanden  werden,
der  Nutzgasabgabe  nach  Abzug  des  Gasverbrauches  für
Richtung  und  Selbstverbrauch  verbleiben.  In  Tabelle  19
genannten  Werte  und  in  Ergänzung  hierzu  die  Werte  für
r  Gasabnehmer  pro  100  Einwohner  des  Gasversorgungsalte ­
  7)  für  insgesamt  380  Gaswerke  zusammengestellt.
Tabelle  19.

^..rchschnittliche  Gasabgabehöhe  deutscher  Gaswerke
■  er  Statistik  des  Vereins  von  Gas-  und  Wasserfachmännern).

samtabgabe


Nutz-Gasabgabe


„Verkauftes“ ­

Gas

Gesamt-Gasabgabe


Nutz-Gasabgabe


„Verkauftes“ ­

Gas

pro  Einwohner  und  Jahr

pro  Gasabnehmer

;bm

cbm

cbm

cbm

cbm

cbm

39,9

95,4

90,2

666

635

601

74,7

69,5

66,0

671

624

593

76,3

72,0

71,3

621

586

580

56,7

52,9

49,2

683

637

593

54,3

43,7

38,0

692

557

484

Zahl  der
Gasabnehmer ­

pro
100  Einw.

15,0
11,1
12,3
8,3
7,8

TSer  Tabelle  ist  zunächst,  ähnlich  wie  aus  der  gleichartigen
J:  jr  die  Gesamtheit  der  deutschen  Gaswerke,  ersichtlich,  daß
T  labagabe  in  den  deutschen  Städten  noch  in  sehr  mäßigen
:;~vegt,  besonders  wenn  man  berücksichtigt,  daß  der  Gas-1
  den  englischen  Städten  zwischen  200  bis  300  cbm  pro
:■  md  Jahr  beträgt  und  in  einzelnen  Fällen  bis  annähernd
i-\  isteigt.  ln  Deutschland  besitzen  nach  den  Ermittlungen
k  der  obengenannten  Statistik  des  Vereins  von  Gas-  und
f _iännern  unter  420  Städten  nur  48  =  11,5%  eine  Gasabgabe
0  cbm  pro  Einwohner  und  Jahr  und  davon  nur  5  Städte
J■  m,  nämlich
s;!
k  'egesack  .  .  .  240  cbm
_j:  harlottenburg  186  „
lerlin  ....  177  „
J  "'forzheim  .  .  162  ,,
3 i  Iremerhaven  .150  ,,

Gesamtgasabgabe
pro
Einwohner  und  Jahr,

CD
CD

5  Städte  zwischen  120  und  150  cbm,  nämlich
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  </text>
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