— 21 — insofern nämlich, als er nicht selbst über den Profit verfügen darf, sondern seinen Anteil von den Arbeitern des Betriebs zugeteiit erhält. Was hier Sozialisierung genannt wird, ist tatsächlich nur eine Kontrolle des Betriebes durch die Arbei ter. Die Braunschweiger werden uns vielleicht erwidern, daß sie unter den gegebenen Verhältnissen nicht weiter gehen konnten und sich die wirkliche Sozialisierung bis zu dem Zeitpunkt Vorbehalten, wo die Macht im ganzen Reiche in den Händen der Arbeiterklasse liegt. Damit haben sie recht. Dann durften sie aber keinesfalls in einer Zeit, wo über diese Fragen noch eine erhebliche Unklarheit herrscht, für eine einfache Vorbereitungsmaßregel das große Wort „Soziali sierung“ benutzen, denn die Regierung Ebert-Scheidemann verfügt über genügend Demagogie, um zu sagen: „Wir sind die echten Sozialisten, denn das, was die spartakistische Re gierung Braunschweigs getan hat, daß wollen wir ja auch.“ Damit wäre wieder die schönste Verwirrung in die Arbeiter klasse hineingetragen. Viel bedenklicher ist die Bestimmung: „Die sich weiter ergebenden Betriebsüberschüsse werden im Interesse der Ar beiter und Angestellten verwendet.“ Wie wir hören, sollen bereits erhebliche Summen des Betriebsüberschusses unter die Arbeiter verteilt worden sein. Es sind die langen Ohren einer kleinbürgerlichen Idee, welche aus diesem Satze hervor schauen, der Idee vom Rechte auf den vollen Arbeitsertrag. Engels hat sie bereits totgeschlagen. Sie läßt kurzsichtig außer acht, daß man auch im Sozialismus nicht von der Hand in den Mund leben kann, sondern daß Reserven für die Er weiterung der Produktion und für Anlagen, die dem Gemein wohl dienen, notwendig sind. Dazu ist die Methode, die Ueberschüsse des einzelnen Betriebes unter die Arbeiter zu verteilen, geeignet, die Arbeiterklasse zu spalten, denn je nach der Höhe der technischen Ausstattung des Betriebes und je nach der Machtstellung, welche der einzelne Betrieb, oder die Industrie auf dem Markte einnimmt, sind die Profite verschieden. In der kartellierten Industrie z. B. in allen Monopolbetrieben, werden bedeutende Extraprofite gemacht. Verteilt man sie unter die Arbeiter des Betriebes, so schafft man damit eine bevorzugte Arbeiterschicht und es besteht die Gefahr, daß gerade die Arbeitergruppen, auf welche die Re volution besonders bauen muß, befriedigt werden und das In teresse am weiteren Kampfe verlieren. Die Geschichte bietet dafür Beispiele genug. Man denke an die gelernten Arbeiter in England, die au der Versumpfung der englischen Arbeiter klasse im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts schuld