- 22 rare»; man denke auch an die Opfer der Philantropie des Herrn Abbe im Jenaer Zeiswerk, die in einem behäbigen Spießbürgertum versunken sind. Keine Sozialisierung einzelner Betriebe. Der einzelne Betrieb gehört nicht den in ihm beschäf tigten Arbeitern, sondern der Gesamtheit der Arbeiterklasse, die erst durch die volle Verfügung über alle Betriebe zu einer sozialistischen Regelung der ganzen Produktion befähigt wird. Die Sozialisierung kann deshalb nicht vom einzelnen Betrieb ausgehen, sondern nur von der Zentralgewalt der Arbeiterklasse. Nun könnte man sagen, daß selbst unter dieser Voraus setzung es richtig sei, hier oder dort die ersten Schritte grundsätzlich zu tun, bis die allgemeine Situation für die ge samte Vergesellschaftung reif ist. Wir nehmen indessen an, daß auch die Braunschweiger Genossen in jenem Betriebe ganze Arbeit machen wollten und ihnen dafür nur erhebliche Widerstände im Wege standen. Das wird sich auch bei jedem anderen derartigen Versuch zeigen. Man denke beispiels weise daran, in welche Schwierigkeiten die Bremer Arbeiter schaft geriet, als sie den kühnen Versuch unternahm, die ganze Staatsverwaltung in ihre Hände zu nehmen. Die Banken sperrten den Kredit. Es stellte sich heraus, daß die deutsche Kapitalmacht stärker war, als die bewaffnete Arbeiterschaft Bremens. Einzelne sozialisierte Betriebe müssen immer noch mit der kapitalistischen Wirtschaftsordnung rechnen. Sie sind vor allem auf den Geldmarkt und seinen Kredit angewiesen und die Großbanken hätten es in der Hand, den ganzen Be trieb stillzulegen. Ebenso würden ganze Industriezweige vom allgemeinen Markt abhängig sein. Der Kapitalismus hätte es in der Hand, ihnen die Rohprodukte und die Absatzmöglich keiten zu sperren, oder den Arbeitern die Nahrungsquellen zu verschließen. Verfrühte Experimente sind also stets zum Scheitern verurteilt. Bedingung für die Sozialisierung ist also die Sicherung des Kredits, der Rohstoffe, der Absatzgebiete und der Nahrungsmittelquellen. Damit ist gesagt, daß eine Sozialisierung einzelner Betriebe vollkommen, einzelner In dustrien fast ausgeschlossen ist. Die Sozialisierung hat als schmälste Grundlage ganze Wirtschaftsgebiete. Sozialisierung ganzer Wirtschaftsbetriebe. So wird es z. B. möglich sein, das rheinisch-westfälische Industriegebiet zu sozialisieren. Die Rohstoffquellen für die dortigen Industrien sind in den Kohlen- und Erzlagern vor-