24 Erwin Respondek, heute in ein festes Amortisationsschema einzulassen, wie sie es vielleicht bei Anleihen einhalten müßte. Sie kennt ihre finanzielle Lage nach Friedensschluß nicht und ist auch in völliger Unkenntnis darüber, welche außergewöhnlichen Quellen nach dem Kriege zu ihrer Verfügung stehen werden. Sie muß die Ereignisse des Krieges und seine Folgen erst abwarten. Um aber über das Rückzahlungsversprechen hinaus der Notenbank ein konkretes Unterpfand zu geben und damit gleichsam die bankpoli tischen und staatsfinanziellen Gegensätze zu überbrücken, verpflichtete sich der Staat, bei Abschluß der neuen Vorschußverträge die bestehende Schuld ein Jahr nach Kriegsende mit 3 % zu verzinsen. Hiervon sind 2 % an einen Amortisationsfonds abzuführen, der behufs Abzahlung der Staatsschuld an die Bank zu bilden ist. Vorher sollen aber aus diesem Fond die Verluste gedeckt werden, die der Bank aus Wechseln erwachsen, die infolge des Wechselmoratoriums notleidend werden sollten. Die direkten Vorschüsse an den Staat weisen, wie die Aufstellung zeigt 1 ), eine stetig steigende Tendenz auf. Sie waren am: 1. Oktober 1914 2100 Mxll. Frcs. 1. August 1915 6500 „ „ 1. Oktober 1915 7100 „ „ 1. August 19x6 8500 „ „ Diese Vorschüsse wurden allein durch eine entsprechende Noten emission durchgeführt. Dies blieb auch keinesfalls ohne schädliche Einwirkungen auf die Währung. In dem Abschnitte „Währung“ wird dieses Moment eine eingehende und kritische Betrachtung finden. Die oben ausgeführte direkte Inanspruchnahme der Zentralbank zur Finanzierung des Krieges ist nicht ihre einzige Hilfe und nicht ihr einziges Verdienst gegenüber dem Staate. Ihre tatkräftigen Hilfsaktionen bei den Anleihedurchführungen des Staates im Inland und Ausland, die indirekten Vorschüsse an die verbündeten und befreundeten Staaten bilden gleichfalls eine nicht zu unterschätzende Hilfe. Sie sollen später näher ausgeführt werden. Als in den letzten Tagen des Juli 1914 die Möglichkeit eines Kriegs ausbruches erörtert wurde, stürmten die Depositen-Gläubiger zu den Kredit-Banken, um dort ihre Einlagen zurückzufordern. Alles wurde mitgerissen und die furchterfüllten Übertreibungen der kommenden ungewissen Zeiten riefen in den Kreisen der Bankgläubiger eine Panik hervor. Viele unter ihnen erinnerten sich der Vorgänge des letzten Krieges im Jahre 1870/71 und befürchteten eine neue Belagerung von Paris. Sie verbreiteten rasch ihre damaligen schmerzlichen Erfahrungen: Kapital und Einkünfte waren damals unerreichbar. Dies glaubten sie auch jetzt annehmen zu können. Die Privatbanken versuchten zunächst, den An stürmenden Befriedigung zu gewähren. Sie konnten ihre Zahlungs pflichten nur dann erfüllen, wenn sie den ihnen vorgezeichneten legi timen Weg beschritten: die Rediskontierung ihres Wechselportefeuilles bei der Notenbank. Diese Rediskontierungen seitens der Kreditbanken x ) Vgl. Tabelle I.