Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft. 2 9 Hierdurch wird also das sonst zu Geschäften verwendete Geld in eine neue Richtung, nämlich zur Schuldentilgung gedrängt, und die laufende Tätigkeit dadurch immerhin stark beeinträchtigt. Weiterhin regelt die Geschäftswelt jetzt ihre Zahlungen im überwiegenden Maße durch Barzahlungen. Aus dem geringen Bestand der unverfallenen, regulären Wechsel ist daher nur unter Beachtung der angeführten Momente der Schluß zu ziehen, daß die französische Volkswirtschaft durch die Kriegsereignisse schwer beeinträchtigt sein muß und nicht zur lebhaften Arbeit heran zuziehen ist. Das wirtschaftlich wichtige Gebiet des Westens ist zudem in den Händen des Feindes und zum Teil durch kriegerische Einwirkungen stark belastet, in den freien südlichen Gebieten mag vielleicht eine ge wisse Hoffnungslosigkeit jede Unternehmungslust lähmen, und daher werden die eifrigen Bemühungen der Bank von Frankreich, hier eine Wandlung zu schaffen, wohl auch künftighin von geringem Erfolge begleitet sein. Auch das Ausland erschöpft die Kraft der Notenbank. Die Bank von Frankreich ist vor allem bemüht, den Zahlungsverpflichtungen Rußlands zu Hilfe zu kommen und für ihre Ablösung Sorge zu tragen. Die Schwierig keiten, die sich bei dem Ausgleich aus dem gesunkenen Wechselkurse ergeben, erfordern ein besonderes Abkommen, das mit der russischen Staatsbank abgeschlossen wurde. Der Vertrag regelt die Ablösung russischer Wechselverpflichtungen in Frankreich. Die französische Noten bank leistet der russischen Reichsbank einen Vorschuß von 500 Mill. Frcs. zur teilweisen Einlösung der russischen Wechsel in Frankreich. Fs sind dies Wechsel, die von russischen Waren- und Exportfirmen gezogen und bei den Pariser Filialen der russischen Kreditbanken zahlbar gestellt sind. Diese Tratten kamen nach Frankreich, wo sie durch den Bomizilvermerk umlaufsfähig und von den russischen Bankfilialen ln Paris bei den französischen Banken in Pension gegeben wurden. Auf diese Weise haben die russischen Banken den Geschäftsverkehr ihrer Kunden in Rußland im Gange gehalten und die hierfür verwandten und festgelegten Kapitalien durch Pensionierung bei den französischen Banken wieder flüssig gemacht! Die von Rußland und anderen Staaten in Frankreich diskontierten und lombardierten Tratten werden auf rund 1000 Mill. Frcs. geschätzt. In dieser Summe sind die Pensionswechsel von Deutschland und Öster reich-Ungarn mit einbegriffen. Beim Abbau der russischen Verpflichtungen werden die Privat banken entlastet. Die in Kriegszeiten beschwerlichen und unliquidier- baren Pensionen übernimmt somit die Notenbank, die wiederum ihre Rückdeckung durch die Garantie der russischen Reichsbank findet, damit zwar kein bewegliches Aktivum in den Händen hat, aber unter gewisser russischer Garantie der heimischen Wirtschaft eine Entlastung brachte. Den Zinsendienst Rußlands und der Verbündeten kleinen Staaten