Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft. 35 3' ja in den ersten Kriegsmonaten gegeben. Er lag in der Thesaurierung von Hartgeld und Noten. Aber die ununterbrochene Steigerung in der Aus gabe von Noten erforderte Gegenmaßregeln, um eine Entwertung des Geldes zu vermeiden. Unabhängig von der bei vielen Notenbanktheoretikern tief wurzelnden Dritteldeckung in Gold, bewahrt die Note im Inlande und Auslande nur so lange ihren nominellen Wert, als die Bevölkerung ihr volles Vertrauen schenkt. Eine Notenzirkulation aber, die von einer Milliarde zur anderen ohne Ruhepausen steigt und auf einer beweglichen Goldbasis zwischen 4000—5000 Mill. Frcs. ruht, muß ein gewisses Furchtgefühl erregen und auch im Auslande Bedenken hervorrufen. Eine fortgesetzte Notenausgabe ließ und läßt sich infolge der Staats vorschußleistungen jedoch nicht vermeiden. Nun kann, was durch die Darlegungen begründet ist, infolge der intensiven Thesaurierung nicht von einer Notenzirkulation gesprochen werden, sondern nur von einer Notenemission. Die Bank von Frankreich suchte daher die von der Bevölkerung thesaurierten, in ihrem Wochenausweis als emittiert erscheinenden Noten wieder an sich zu ziehen und leitete in der Tagespresse eine geschickte Propaganda ein, um dieses Ziel zu erreichen 1 ). Sie stellte es als eine patriotische Tat hin, nur so viel Noten im Haushalte zu halten, als der laufende Bedarf es unbedingt erfordert. Die überschüssigen Summen sollten für Rechnung der Eigentümer in das Depot der Notenbank gegeben werden. Hier stehen sie den Be sitzern jederzeit zur Verfügung und sind sicherer als in jedem Geldschrank aufbewahrt. Die Bank selbst errichtete zu diesem Zwecke den Privaten besondere Konten und gewährleistet dem Einlieferer die jederzeitige Rückzahlung des Noten-Dupots. Diese Einzahlungen würden in der Wochenbilanz unter den „täglich fälligen Verbindlichkeiten“ ihre Ver rechnung finden und so hier weniger auffallen als der Posten „Noten umlauf“. Von welchen Erfolgen diese Bewegung begleitet war, konnte bisher nicht ermittelt werden, da in dem Bankausweise hierüber keinerlei zahlenmäßige Angaben verzeichnet und auch von keiner Seite aus irgend welche Mitteilungun gemacht sind. Es ist aber mit großer Wahrschein lichkeit anzunehmen, daß durch die rege und eindringliche Propaganda beträchtliche Mengen der festgehaltenen Noten losgelöst wurden, aber weniger um in die Keller der Bank von Frankreich zu fließen als in den freien Verkehr und hier die schädlichen Wirkungen der anhaltenden Notenausgabe noch verstärken halfen. Den der Volkswirtschaft einguräumten Diskontkredit zeigt die Be wegung des Wechselbestandes an. (Die Lombarddarlehen halten sich in engen Grenzen und können hier außer Betracht gelassen werden 1 2 ).) 1 ) Temps im August 1915; Semaine Financiere Juli—Sept. 1915. 2 ) Nach den Wochenausweisen gewährte die Notenbank die folgenden Vorschüsse an Private: 28. Januar 1915 725,00 Mill. Frcs. 29. Juli 1915 59 1 , 00 „ 16. Dezember 1915 1146,00 „ „ *) (wenden!) *) Erste Einzahlung auf die I. Kriegsanleihe.