46 Erwin Respondek, man das „Gold im Auslande“ nicht mehr als ein Aktivum der Bank auffaßt, eine Senkung. Die hohe Bedeutung einer starken Goldbasis ist im Kriege erwiesen, und die von den Zentralnotenbanken überhaupt bisweilen unter Opfern betriebene GoldaufSchätzungspolitik hat jetzt durch die Gewalt der Er eignisse ihre volle Berechtigung erhalten. Zugleich wurde vor allem die Notenbank auf die Vorteile eines großen konzentrierten Goldbestandes aufmerksam gemacht und damit auch die Notwendigkeit organisierter, von einer Zentralstelle ausgehender Goldexporte zur Stützung der Valuta erkannt. Noch bis zum Ausbruch des Krieges vertraten die Theoretiker in Frankreich, Deutschland — vor allem in England — die Ansicht, daß die Goldwährung weniger auf dem Goldbestände der Notenbank als auf der zirkulierenden Goldmenge beruhe. (Siehe den Ausspruch des Herausgebers der Zeitschrift „L’Economiste Fran^ais“ auf S. 41.) Nunmehr sind in diesen Ländern emsige Bestrebungen zu verzeichnen, durch eine gewaltige Goldanhäufung von der Go Idwährung zur reinen Goldkernwährung überzugehen. Krieg und wirtschaftliche Not führten also zu der Erkenntnis, daß nur ein konzentrierter Goldschatz einem Staate von Nutzen sein kann. Jene Notenbanktheoretiker, die eine solche Politik schon lange Zeit vor Kriegsausbruch vertraten, finden jetzt eine Bestätigung ihrer Lehren. Aber unter welchen anderen Verhältnissen und auf Welchen ganz anderen Wegen sammeln die Notenbanken in Frankreich, in Deutsch land und in anderen Staaten das Gold aus dem Verkehr! Keineswegs durch das Mittel der „kleinen Note“ oder ähnlichem. Der Zufluß von Gold zur Notenbank ist nicht die Folge einer verstärkten Emission kleiner Notenabschnitte. Sonst hätte die Bank von Frankreich bereits vor Monaten ihren Goldschatz beängstigend anwachsen sehen müssen! Der Staat mag durch die Notenbank noch so viel kleine Noten in den Verkehr pressen, er wird hiermit nicht ein einziges Goldstück zu ver drängen vermögen. Die Theorie, daß ein Goldzufluß allein durch die Ausgabe kleiner Abschnitte zu erzielen sei, wird durch den Krieg abei nicht bestätigt 1 ). Vielmehr dürfte die primäre Ursache für diese auf fällige Erscheinung in dem wachgerufenen und geförderten patriotischen Gemeinsinn der Bevölkerung zu suchen sein. In Frankreich war der gleiche Vorgang zu beobachten, wie ihn Deutschland ununterbrochen seit Kriegsbeginn sieht und den die „Deut- !) P 1 e n g e a. a. O. S. 134—150. In Deutschland vertrat Plenge diese Theorie. Seine eingehenden, mit überzeugender Kraft durchgeführten Untersuchungen über die verschiedenen Möglichkeiten, den Goldbestand der Notenbank zu stärken, zeitigen als einzig gangbaren Weg die Ausgabe von kleinen Noten. Plenge unterschätzte die Schwierig keiten nicht, glaubt aber, daß diese Methode bei einer lebhaften und energischen Propa ganda im Volke gute Erfolge zeitigen würde. Der Krieg hat hier die beste Propaganda ermöglicht und die vorausgesehenen guten Erfolge gezeitigt. Der glückliche Ruf von Plenge: Konzentration des Goldes! wurde von dem Leiter der Deutschen Reichs bank mit voller Kraft und dankenswerter Schnelligkeit realisiert. Deutschland wird jetzt von der Goldwährung zur Gold kern Währung unter verständnisvoller Mitarbeit des Volkes geführt!