5z Erwin Respondek, Frankreich stehen gegen 9 / 10 seiner Gesamtbodenfläche zur Be bauung frei, die Hochstraßen des Weltverkehrs sind für die Handels schiffahrt geöffnet, so daß die heimische Produktion ohne besonders empfindliche Einschränkung vorwärts gehen, und die Industrien, land wirtschaftliche und andere Betriebe mit Rohstoffen und sonstigen wirt schaftlich notwendigen Gütern wohl versorgt werden können. Dennoch erfahren die Preise für die verschiedensten, allgemein notwendigen Nahrungsmittel, Gebrauchsgegenstände und Friedensartikel aller Art starke Erhöhungen. Im Oktober 1914 gab die „Union syndicale des Restaurateurs de Paris et du Departement de la Seine“ bekannt, daß die Gesamtheit der Lebensmittel seit Kriegsbeginn um 25—80 % ge stiegen sei. Hiergegen wäre noch das Ergebnis der Untersuchungen des Franzosen Souchon bekanntzugeben. Er stellt fest, daß die Haus haltungsmittel eine Steigerung von 26—29 % erfuhren 1 ). Immerhin ist die Tatsache festzuhalten, daß eine empfindsame Steigerung des Preisniveaus eingetreten ist, was später durch amtliche Angaben des Pariser Polizeipräfekten bestätigt wird. Es notierten Ende Oktober 1915 (pro kg): Preissteigerung einiger wichtiger Nahrungsmittel und Bedarfsgüter 2 ). Frcs. Steigerung gegen 1913 0/ JO Frcs. Steigerung gegen 1913 % Brot . . . 0,45 20,00 Rindfleisch . . . 2,40 71,4 Butter . . . 4,40 22,2 Schweinefleisch . 2,30 28.5 Kartoffeln . 0,20 33,3 Speck 2,60 30,00 Kohl . . . 0,24 243,00 Heringe (100) . . 28,00 180,00 Karotten . 0,20 100,00 Kohle (150 kg) . 11,00 103,7 Käse . . . 1,05 50,00 Petroleum (I) . . 0.75 36.4 Eier (Dtzd.) 2,00 33.3 Um sofort auf die tatsächlichen Gründe jener offensichtlichen Preissteigerung einzugehen, ist eine sorgfältige Betrachtung der Ver änderungen der beiden fundamentalen, preisbildenden Faktoren — Angebot und Nachfrage — durchzuführen. Das Angebot wurde stark vermindert, da zunächst die effektive Produktion einge schränkt ist. So fiel die Ernte von Brotgetreide kleiner aus als in Friedens jahren. Die Bubauungsfläche weist im Jahre 1915 eine Verminderung von 1,5 Mill. ha auf 8 ). Hierzu kommt als ein großes Hindernis das Fehlen des geschulten und erfahrenen Landarbeiters, der durch Frauen- oder Kriegsgefangenenarbeit nicht voll ersetzt werden kann. Darunter leidet * 2 3 9 L'Economiste Frangais: Discussious de la Socicte d’Economie politique de Paris Nr. 5, 27. Jan. 1916, S. 135. 2 ) Entnommen aus einer Zusammenstellung der Dresdner Bank: Die Wirt schaftlichen Kräfte Deutschlands im Kriege. S. 10. 3 ) Irn Jahre 1912 war die Gesamtanbaufläche 368 Mill. ha.