54 Erwin Respondek, einer Zeit der loseren Gesetzes- und Wirtschaftsordnungen weit rück sichtsloser und gewissenloser als in friedlichen Tagen. Nun steht andererseits dem verminderten Angebot eine erhöhte Nachfrage gegenüber. Nicht allein der Krieg als der „größte Konsument und größte Verbraucher“ 1 ) zieht gewaltige Mengen an sich, sondern auch die Bedürfnisse der hinter der Front Lebenden sind gewachsen. Sie zu befriedigen, erfordert einen großen Aufwand von Kraft und Ma terialien, vor allem eine stete Erneuerung dieser beiden Elemente, da die Armeen große Verschwender von Munition und Waffen sind, Mensch und Vieh im Felde Kleidung, überreichliche Ernährung u. a. m. not wendig brauchen. Volkswirtschaftlich gedacht, durchaus nicht zu pro duktiven Zwecken verwandt und damit durch die reine Konsumtion von großem Einfluß auf Vorrat, Produktion und letzten Endes dann auf den Preis. Dies dürften in erster Linie die preissteigernden Faktoren sein, die dem Konsumenten die notwendigen Güter verteuern. Von erheblicher Bedeutung ist ein Hinweis des Präsidenten der Handelskammer von Marseille, der noch einen anderen preis steigernden Faktor ins Feld führt. Er schildert vor der „Societe d'Eco- nomie politique de Paris“ die vielen Schwierigkeiten, die er zu über winden hatte, um Marseille mit dem notwendigen Getreide zu versehen * 2 ). Seine Untersuchungen und praktischen Erfahrungen, die er hierbei machte, ließen ihn pu dem Urteil gelangen, daß die unberechtigte Aus schaltung des berechtigten Zwischenhandels, mit eine der bedeutsamsten Ursachen für die augenblickliche Teuerung sei. Er fand mit seinen Aus führungen Beifall und sein Urteil erfuhr allseitige Zustimmung 3 ). Als sekundäre Ursache kann die Vermehrung der Banknoten ange sehen werden. Die stete Emission ist, wie bereits ausgeführt, die Folge einer ununterbrochenen Inanspruchnahme der Notenbank durch den Staat zur Finanzierung des Krieges. Alle Güter für Heer und Flotte zahlt der Staat mit Banknoten. Er gibt also Papiergeld und empfängt effektive Güter. Güter für die Ernährung, Kleidung der Mannschaften, Munition, Waffen, Pferde, Wagen, Automobile, usf., kurz alles das, was zur Führung des Krieges gehört. Den Gegenwert für diese tausend fachen Kriegsbedarfsgegenstände kann der Staat vorläufig nur in An weisungen auf die Zukunft, in Noten liefern. Im Augenblick sollen also hier zweifellos diese Noten effektive Leistungen des Staates dar stellen und erster Ersatz der von den Privatwirtschaftenden hingegebenen ') Plengc, Krieg und Volkswirtschaft. München 1914. S. 40 ff. 2 ) L’Economiste Franpais 1916, S. 136. 3 ) Es ist dies ein um so interessanteres und beachtenswerteres Eingeständnis, als gerade die kriegswirtschaftlichen Entwicklungen ein von Schär schon früher generell aus gesprochenes Urteil über den legitimen Handel vollkommen bestätigen. Schär vertritt die Ansicht, daß der Handel ein unumgänglich notwendiges Glied im Wirtschaftsleben ist, aber seine Daseinsberechtigung nur finden kann und darf, wenn er nützliche Dienste leistet. Das Gleiche gilt für den Zwischenhandel. (Handelsbetriebslehre Teil I, S. 214 ff und Der soziale Handel. Berlin 1916.)