Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft. 55 Konsumtivgüter sein. So können die Noten auch nicht aus dem Ver kehr verschwinden, sondern bleiben im Besitz der Produzenten. So lange nun diese Noten aufbewahrt werden, haben sie auf die Inlands preisbildung keinen Einfluß, da sie ihren schädlichen Einfluß vom Tresor aus, in dem sie aufbewahrt sind, nicht ausüben können. In dem Augen blick aber, wo die Notenhingabe über das Maß der Thesaurierungskraft und den Thesaurierungswillen der einzelnen Besitzer hinausgeht, bleiben die Noten im Verkehr. Hierzu kommt, daß trotz einer Übersättigung des Verkehrs und der anhaltenden Notenausgabe die Losung ausgegeben wurde: heraus mit den Noten aus den häuslichen Notenschatzspeichern. Dieser Ruf wurde erhört und die losgelösten Noten flössen in den Ver kehr. Nunmehr drangen die Noten aus zwei Quellen und begannen vereint ihren verhängnisvollen Einfluß auf die Preise und weiterhin auf die Währung auszuüben. Es entspricht aber nicht vollkommen der Wirklichkeit, wollte man diese Beeinflussung von Preis und Währung allein auf die Mahnungen der leitenden Organe, die thesaurierten Noten herauszubringen, zurückführen und sie ihnen belasten 1 ). Einmal mußte der Zeitpunkt kommen, an dem die Privatwirtschaften ihre Noten ab stoßen würden, gleichgültig ob eine öffentliche Anregung diesen Vorgang begleitete oder nicht. Denn die Produzenten und Händler können die empfangenen Noten nicht ewig in ihrem Portefeuille aufbewahren, vielmehr müssen sie hiervon ihren eigenen Aufwand bestreiten, Löhne, Gehälter ihrer Angestellten zahlen, Rohstoffe und Produktionsmittel jeder Art kaufen und so die empfangenen Noten dennoch einmal in Um lauf setzen. Diese Dezentralisation ruft in den Volksschichten allmählich eine gesteigerte Kaufkraft hervor, einen Uberschuß an Geldmitteln. Hieraus resultiert eine Wertverminderung des Geldes, die zunächst in einer Erhöhung der Warenpreise ihren Ausdruck finden muß. Es würde verfrüht sein, schon jetzt ein abschließendes Urteil über die ausschlaggebende Ursache der Preissteigerung der inländischen Waren zu fällen, vor allem zu entscheiden, inwieweit die einen oder anderen Faktoren überwiegen. Jedoch ist heute ohne Fehlschluß die Meinung zu vertreten, daß sowohl die gezeichneten wirtschaftlichen Verhältnisse, als auch die starke Notenemission ihre Einflüsse geltend gemacht und zu preissteigernden Wirkungen geführt haben. Das Problem der Währung liegt noch auf einem zweiten Gebiete: auf dem der weltwirtschaftlichen Beziehungen Frankreichs, dem internationalen Markte, auf dem der Wert aller nationalen Tausch- und Geldmittel steten Schwankungen ausgesetzt ist. Als äußerer Wertmaßstab für die Kaufkraft des französischen Franken dient die Devise. Minder wert oder höherer Wert der Währung finden an der Höhe des Kurses der Devise in Beziehung auf den Paristand ihren sichtbaren Ausdruck. Dem Sinken des Devisenkurses kommt eine Verschlechterung des Geldwertes und dem Steigen die Überwertung des Geldes gegenüber anderen Geld systemen gleich. Auf diese Vorgänge am internationalen Devisenmärkte ') Lansburgh, a. a. O. S. 701.