58 Erwin Respondek, Goldbestand von 4 Milliarden Frcs. Sofort schwirrten in einigen Köpfen die kühnen Worte: Inflation, Zettelwirtschaft u. ä. m. umher. Etliche zogen Parallelen mit den Jahren der Revolution und prägten auch für die heutige Zeit das Schlagwort der Revolutionszeit: Assignatenwirt - schaft. Schon wurde Frankreich finanziell besiegt, der Staatsbankerott wurde für unvermeidlich erklärt, kurz der Zeitungspresse-Stab wollte offen bar dem deutschen militärischen Generalstab an Schnelligkeit und Treff sicherheit nicht nachstehen! Dennoch brach die Geldwirtschaft Frank reichs, die nach den Schilderungen der Tagespresse eine wahre polnische Wirtschaft sein mußte, nicht zusammen. Im Gegenteil! Die Wechsel kurse, jene Barometer der nationalen Kraft und Güte, blieben konstant und waren zum Teil sogar gestiegen, auch als der Notenumlauf im Februar 1915 auf nahezu 11 Milliarden Frcs. angewachsen war und durch einen Goldbestand von 4,2 Milliarden Frcs., d. h. zu 39 % in Gold gedeckt wurde. Diese Tatsachen scheinen alle jene Theorien zu erschüttern, die als erstes Gesetz den Satz aussprechen, das Geld erhalte seine Zahl kraft und seinen inneren Wert vom Metall. Der französische Staat schuf doch unentwegt und in großen Mengen neues Geld und preßte es nach seinen Bedürfnissen in den Verkehr hinein. Auf der Gegenseite haben die Noten sich tatsächlich volle Geltung verschafft. Denn dieses neue Papiergeld wird dem Golde äquivalent gehalten: Dies beweist nichts besser, als das Verhalten von Groß und Klein, die in hohem Maße ge waltige Mengen Noten thesaurierten und mit ebenso inniger Sorgfalt und Liebe aufbewahrten wie Goldmünzen. Für den internationalen Geldmarkt gelten diese Überlegungen jedoch nicht in vollem Umfange. Auf die Dauer wird eine unbeschränkte Notenemission nicht ohne Wir kungen auf die internationale Bewertung des Franken bleiben können, wenn auch der Notenumlauf allein auf seinen inneren Wert nicht be stimmend und entscheidend einwirkt. Im März des Jahres 1915 — d. h. also im achten Kriegsmonat — setzte an der Pariser Börse eine Höherbewertung der ausländischen Wechsel ein, die im Vergleich zu den bisherigen Notierungen eine ge wisse Bestürzung hervorrief. Das Pfund Sterling, der Dollar, Gulden, Schweizer Franken, die Peseta u. a. wurden zu immer höheren Kursen nachgefragt. Die Kurse stiegen rasch in die Höhe, und parallel mit dieser Erscheinung fielen die Kurse der Franken-Devise an den Börsenplätzen befreundeter und neutraler Staaten ebenso rasch in die Tiefe. Am 10. März 1915 notierten: x. London 2. New - York 3. Schweiz 4. Holland 5. Skandinavien .... 6. Spanien und schon nach etwa 3 Monaten, am 1. London 2. New - York G. B. 25,25—25,35 5.23%—5,28 y 2 101,00—103,00 209,00 211,00 127,00 132,00 5,10—5,20 3. Juni 1915 erreichten sie: 25,91 %—-26,06 Vz 5>3°/4—5>48/4