Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft. 69 Aktivposten der französischen Zahlungsbilanz werden von Monat zu Monat nicht voller und größer, sondern geringer und können dem stei genden Passivum auch nicht im entferntesten das Gleichgewicht halten. Die Zahlungsbilanz Frankreichs wird stark passiv, aus dem Gläubiger staat wird ein Schuldnerstaat, der bei längerer Dauer dieser Entwicklung lange in diesem Stadium verbleiben oder noch tiefer fallen wird. Langsam begann, wie bereits ausgeführt, der Wertmesser der fran zösischen Kaufkraft, der Franken, seine Geltung zu verlieren, um später katastrophal zu stürzen. Die hohe Bedeutung einer vollwertigen und stabilen Valuta für das Wirtschaftsleben trieb die leitenden Organe sofort dazu, Gegenmaßregeln zur Stützung anzuwenden. Wie sollte aber der Gegenwert für die importierten Waren geleistet werden? Die Volkswirtschaftslehre stellt hierfür die Regel auf: Ware ist mit Ware zu bezahlen. Das durch den Krieg empfindlich gestörte Wirtschafts leben Frankreichs, sowie die reine Verbrauchswirtschaft des Krieges, vermögen aber das Äquivalent Ware nicht zu liefern. Die realen Güter, die Frankreich im Auslande besitzt, seien es Warenbestände, überseeische Forderungen an Zinsen — so weit hier die europäischen und außereuro päischen Moratorien keine Hindernisse in den Weg legten — und son stigen im internationalen Zahlungsverkehr brauchbaren Güter reichten nicht aus, um den Import zu decken, oder waren bald verbraucht. Es blieb also für Frankreich nur ein Weg, der die Regel: Ware gegen Ware zu ersetzen geeignet ist, und der durch seine ausnahmsweise Anwendung gerade zur Regel geworden ist. An Stelle der sofortigen effektiven Leistung tritt der Kredit als erste Gegenleistung. England und die Vereinigten Staaten von Amerika wurden für ihre Güterübertragungen zunächst mit den neuen französischen Schatz anweisungen, den „National-Verteidigungswechseln“ und „National- Verteidigungsobligationen“ bezahlt. Die englischen und amerikanischen Lieferanten zogen aber bald eine Grenze, bis zu der sie die neuen Schatz wechsel und Obligationen in Zahlung nehmen wollten. Nach Ribots Mitteilungen in der Kammersitzung vom 8. Mai 1915 haben England und die Union im ganzen für 502 Mill. Frcs. Wechsel und Obligationen der nationalen Verteidigung aufgenommen und bis zum 31. Oktober 1915 waren nach einer neuen Angabe (Kammersitzung vom 26. No vember 1915) insgesamt 1x65 Mill. Frcs. aufgenommen. Namentlich sträubten sich die Portefeuilles der amerikanischen Banken, die hin reichend mit ihnen gesättigt zu sein schienen. Auf der Grundlage von Schatzwechseln waren also nach kurzer Zeit wenig Kredite mehr zu erlangen, und Blankokredite wollte man nicht eröffnen. Nach Berichten der periodischen Presse sollen nur im September 1914 in London 50 Mill. Frcs., im November 1914 in New York 50 Mill. Frcs. ungedeckte Bank kredite eingeräurat worden sein. Seither sind weitere zuverlässige Nach richten nicht zu verbuchen. Im Verlaufe von 7 Monaten haben die beiden kapitalkräftigen Staaten, England und Amerika, nur für 663 Mill. Frcs. Schatzwechsel