74 Erwin Respondek, von Amerika aufgelegt werden. Hierzu ist zu bemerken, daß Rußland jeder Zinsfuß recht wäre. Frankreich könnte ohne Schaden für seinen eigenen Kredit einen 5 proz. Anleihe-Typ wohl ertragen, da sein Landes zinsfuß damals gerade diesen Satz erreichte. Aber England konnte keine Konzessionen für einen solchen Satz einräuraen. Erst im November 1914 emittierte das Schatzamt einen 3% % Anleihe-Typ und mußte bei einem so hohen Satze die Entwertung seiner alten Anleihen befürchten. Das Anleiheprojekt bot aber noch weitere Schwierigkeiten. Außer in der Normierung des Zinssatzes lag das zweite und vielleicht wichtigste Hindernis in der Währungsfrage. Die drei Staaten hätten das Problem eines stabilen Geldwertes zu lösen, einer Währungs-Einheit, in der ein für alle Beteiligten verlustloser Zins- und Amortisationsdienst bewirkt werden kann. Nun ist der Rubel nicht nur im Kriege, sondern auch in Friedenszeiten den schärfsten Schwankungen unterworfen und auch der Franken und das Pfund Sterling können früher oder später aus ihrem Beharrungszustande merklich heraustreten. Dann hängt auch eine Universal-Staatsanleihe von den allgemein gültigen Gesetzen ab, denen jede Anleihe unterworfen ist. Sie hängt ab von dem Vertrauen, das der Weltmarkt in die Staats-Einheit — Frankreich, England, Rußland — setzt oder setzen will. Rußland, dessen Kreditwürdigkeit im eigenen Lande höchst gering eingeschätzt wird, paßte zu der Staats einheit wenig, namentlich nicht dazu, um in Verbindung mit zwei ange sehenen Kapitalisten gemeinsame Finanztransaktionen zu vorteilhaften Bedingungen zu unternehmen. Auf die Besprechung in der Minister- Konferenz folgte die Tat nicht 1 ). Die Frage der Valutaregulierung wurde für Frankreich in der zweiten Hälfte des Jahres 1915 dringender. Alle dargebrachten Opfer, wie sie vorstehend aufgeführt wurden, waren von wenig Erfolg begleitet. Als dann im Juni die Entwicklung des Franken einen fast krisenhaften Cha rakter annahm, wurde diesmal sicherlich von Frankreich aus der Plan einer größeren Auslands-Anleihe im Verein mit den Alliierten aufgenommen und zur erneuten Diskussion gestellt. Im August setzten die Besprechungen zwischen den beiden Finanzministern ein. Diesmal wurde Rußland ausgeschlossen. Es wurde bald eine Einigung erzielt. Denn die harte Notwendigkeit, schnell zu handeln, ließ keinen Raum für schöne Worte, durch Welche die Opfer nicht geschmälert und Schäden nicht geheilt werden konnten. Weiterhin standen sich auch jetzt zwei fast gleiche Parteien gegenüber. England sah seinen Sterling an der New Yorker Börse unter der Parilinie und konnte trotz eines großen Aufwandes an Gold, Effekten und Kreditaufnahmen eine anhaltende Steigerung und Festigung nicht erreichen. Schließlich war der englische Kredit nach einem halben Jahre im eigenen Lande gesunken — die zweite englische Kriegsanleihe gewährte 4% % — und nicht allzuweit vom französischen entfernt. Beide Staaten haben bei der Bekämpfung der Valuta-Ent- wertung schon zusammen gewirkt, vereint Leid und Freud in diesem b Vgl. auch hierüber die Ausführung Lansburghs a. a. O. 1915, I, S. 187.