76 Erwin Respondek, rücksichtigung von nominellem Zins, Kurs, Amortisation, Steuerfreiheit usw. und „so ergibt dies eine tatsächliche Verzinsung, die nur um i Schil ling hinter 7 % zurückbleibt“ 1 ). Wenn diesen und anderen anscheinend etwas tendenziös durch geführten Berechnungen der Tagespresse nicht gefolgt Werden kann, so stellt doch die Jahreszinsquote von 6 % gewiß einen schweren Schlag für Frankreichs und Englands finanzielle Stellung dar. „Man chester Guardian“ bezeichnet mit Recht die Anleihe als ein sonder bares Geschäft, und sein Urteil über die Wirkung der Anleihe für Eng lands Ansehen kann mit gleicher Uneingeschränktheit auf Frankreich übertragen werden, nämlich, daß: „Englands Prestige und zwar die empfindlichste Seite von Englands Prestige, sein guter finanzieller Ruf. einen sehr schweren Schlag erhalten hat“ 2 ). Wenn die Bedingungen drückend, hart, erniedrigend oder ähnlich für Frankreich und England waren, so sind dies doch nur Begleiterscheinungen, die zwar von den Geldbedürftigen bisweilen wenig angenehm empfunden werden mögen, den Geldgebern jedoch natürliche Erfordernisse sind, die im übrigen das harmonische Verhältnis zwischen beiden Parteien wenig trübten, da es tatsächlich zu einem positiven Geschäftsabschluß kam. Im Augenblicke dringenden Bedürfnisses nach einer Erleichterung von den drückenden Valuta-Sorgen fragte eben Frankreich nicht nach Schönheit, idealer Vollendung u. ä. m., sondern es suchte die durch außergewöhnliche Umstände hervorgerufene schlechte Lage durch außer gewöhnliche Mittel zu verbessern. Kein Staat würde wohl anders ge handelt haben können oder behandelt worden sein. Es ist nicht bekannt geworden, nach welchem Schlüssel die Lasten und Anteile an dieser Anleihe auf die beiden Staaten verteilt wurden und ob auch Rußland in irgendeiner Form hieran teilnimmt. Getrennte Haftung für einen bestimmten Teil — den jeweiligen Anteil an der An leihe — oder solidarische Haftung, einheitlicher Zinsen- und Amor tisationsdienst gegenüber dem Konsortium, Anteile an der Anleihe- Summe, Anleihe- und Wechselkursdifferenzen bei der Amortisation liegen noch vollkommen im Dunkeln, sind hier aber auch jetzt ohne wesentliche Bedeutung. Diese Anleihe, die von vornherein zweifellos eine reine Währungs- Anleihe war, erfüllte die hochgespannten Hoffnungen der Finanzkreise Frankreichs nicht. Hierüber ist Klarheit in dem weiteren Verlauf der Wechselkurse in New York zu finden. Nach einer kurzen Erholung setzte in wenigen Tagen ein erneuter Rückgang des Wechsels auf Paris und des Cable-Transfers auf London ein 3 ). Die Bewegung der fran- 1 ) Manchester Guardian, 29. September 1915. 2 ) Berliner Börsen-Courier, 9. Oktober 1915, Nr. 473, S. 7. 3 ) Der Sterlingkurs wies nach Abschluß der Anleihe die folgende Bewegung auf; Parität: 100 £= 486,656 Dollars 1. Oktober 4,7285 5. „ 4,705° 2 ' „ 4.7335 6. 4,7065 4 ‘ » 4,7i5o 7- „ 4,7035