Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft. 79 Gläubiger-Ländern in Beträgen, in denen diese Sendungen notwendig waren, um den Saldo unserer Verbindlichkeiten zu decken, waren die Heilmittel, die Kraft genug besaßen zu helfen, ohne ernste Schwierig keiten hervorzurufen . . ,“ 1 ). Diese beiden Mittel hätten, soweit es heute von hier aus zu beurteilen ist, einen sicheren, dauernden Erfolg nicht gebracht. Eine Diskonter höhung würde vielleicht eine verhältnismäßig fühlbare Einschränkung von Einfuhrartikeln nach sich ziehen, aber auch nur dann, wenn sie um mehrere Prozente erfolgt. Eine solche Diskonterhöhung würde aber auf der anderen Seite alle jene Bestrebungen der Notenbank wieder ersticken, die darauf gerichtet sind, das sich langsam regende wirtschaft liche Leben, das allmählich wieder einziehende Vertrauen kräftig durch einen leichten Diskont zu fördern. Ebenso unfruchtbar wäre, wie bereits erörtert, der Kampf gegen die konstante Passivität mit einer rücksichts losen Goldausfuhr gewesen. Sie hätte in den Kredit der Bank gefähr liche Lücken gerissen, falls sie dazu noch, nach dem Wunsche einiger Theoretiker, ohne Maß und Schranken erfolgt wäre. Unbeschränkter Goldexport zur Rettung der Devisenkurse würde die Bank in eine Wäh- rungs- und Kreditkrisis stürzen, in der sie selbst leicht zu Falle kommen könnte. Noch eine offene Frage bleibt zu beantworten. Übt nicht die ver stärkte Notenemission schädliche Einflüsse auf den inneren Wert der französischen Währung aus? Zweifellos. Mit der starken Zunahme des Notenumlaufes ist eine Veränderung des Geldwertes verknüpft. Es ist aber wohl zu beachten, daß zunächst die reine Golddeckung der französischen Banknoten relativ ziemlich hoch ist. Aus den Wochen- Ausweisen ist zu ersehen, daß die tiefste prozentuale Golddeckung der Noten im Juli 1915 mit 32 % erreicht wurde, und daß im Durchschnitt die Noten Zu gut % mit Gold gedeckt sind. Aber: Ein 10, 12, ja sogar 15 Milliarden Notenumlauf stellt dennoch eine ungesunde Vermehrung des Geldbesitzes dar und muß zum Mißtrauen an der Zahlungsfähigkeit der Notenbank Frankreichs führen. Zwar hat die französische Note auch noch in den späteren Kriegsmonaten die ihr innewohnende Eigenschaft als Geldmittel nicht ausgeübt. Sie hat, wie schon erwähnt, durch das eigenartige Verhalten der Bevölkerung z. T., wirtschaftlich betrachtet, einen anderen Charakter angenommen. Eine ausgedehnte Thesaurierung von Banknoten erzeugte im Geldverkehr Lücken, die immer wieder nur durch Noten ausgefüllt werden konnten. So verlor die starke Notenemission in der ersten und nachfolgenden Zeit ihren gefährlichen Charakter als künstliches Zusatzgeld, und da die Noten m ihrer zirkulatorischen Aufgabe verhindert sind, vermögen sie die ihnen innewohnende Kaufkraft nicht auszuüben. Sie gelten somit wirt schaftlich als nicht ausgegeben, da es natürlich für die Volkswirtschaft im Prinzip gleichgültig ist, ob die Noten in der Notenbank oder in den fehatzkästen der Privaten festliegen. Man kann zwar sagen, daß die l ) Bank von Frankreich, Geschäftsbericht 1915, S. 11.