Frankreichs Bank- und Finanzvvirtschaft. 83 Handelsminister unter den Handelskammern eine Rundfrage veranstaltete, in der er bat, zur Frage der Privilegs-Erneuerung der Bank von Frank reich Stellung zu nehmen. Nicht eine von ihnen verkannte die gespannte und ernste Situation und sämtliche Antworten zeugen von einer über raschenden Übereinstimmung. Leitend waren wohl die Gesichtspunkte der Pariser Handelskammer, die folgende vier Thesen aufstellte; 1. „Die Regierung möge unverzüglich an das Parlament mit einer Gesetzesvorlage bezüglich der Verlängerung des Privilegs der Bank von Frankreich herantreten. 2. Die Verlängerungsdauer möge von hinreichend langer Dauer sein, um der Bank einen breiten Anteil an der wirtschaftlichen Erneuerung des Landes zu sichern, 3. Die Dauer sei auf mindestens 30 Jahre festzulegen. 4. Die gegenwärtige Organisation der Bank sei im Prinzip beizu behalten, ohne neue Lasten und Modifikationen, welche die Freiheit und die Wirksamkeit ihrer Tätigkeit unterbinden könnten; dies sei unentbehrlich bei Durchführung der Maßnahmen, welche die Bank zu treffen haben wird, um weiterhin dem Handel und der Industrie Frankreichs die weiteste Entwicklung zu sichern". 1 ) Die Erkenntnis, die aus diesen Worten spricht, zeugt davon, daß die maßgebenden Kreise des Handels und der Industrie Arbeit und Verdienst der Bank von Frankreich gleich hoch und bedeutungsvoll für das gesamte Land zu schätzen wissen und zu würdigen verstehen. III. Die Pariser Börse. Die Pariser Börse bot schon im Jahre 1913 ein sehr bewegtes Bild. Äußere aus politischen Komplikationen herrührende und innere Ein flüsse gingen an ihr nicht spurlos vorüber. Die kriegerischen Verwicke lungen auf dem Balkan, die bereits seit Oktober 1912 auf den Markt sehr stark eingewirkt haben und zur Baisse-Tendenz führten, ließen das Kursniveau inländischer und natürlich in viel schärferem Maße ausländischer — balkanischer — Werte erheblich sinken. Zu diesen unruhigen und gefahrvollen kriegerischen Vorgängen, von denen man in den Börsenkreisen befürchtete, daß sie leicht nach Europa überspringen könnten, gesellten sich noch im eigenen Lande eine wirtschaftliche Stagnation, eine rückläufige Konjunktur, verworrene innere politische Krisis, unklare Anleihe- und Steuerprojekte. Alle diese Faktoren übten auf Neuemissionen und großzügige Spekulations-Unternehmungen ihre lähmenden Wirkungen aus. Die Nachfrage nach festverzinslichen Werten ging zurück, Industriewerte wurden abgestoßen. Erstaunt blickten alle Börsenplätze auf den französischen Markt, der anscheinend doch nicht in der Lage war, diesem stagnierenden Dasein durch eine energische Kraftanstrengung ein Ende zu bereiten. Der Jahreswechsel 1 9 1 3/i4 brachte keine Änderung, vielmehr nahm die Börse politische, 9 Frankfurter Zeitung, 13. Juli 1916, No. 192. 6*